60 Jahre Israel Facetten der Unabhängigkeit

Die Vorbereitungen zum 60. Jahrestag der Staatsgründung einen die Israelis - trotz nationaler Selbstzweifel und der nicht endenden politischen Krise im Land

Vom Himmel über Tel Aviv dröhnt ein Höllenlärm. Diesmal aber ist niemand beunruhigt. Jeder Israeli weiß, dass die Piloten in den Kampfjets nur üben – für die Luftparade an diesem Donnerstag, dem Unabhängigkeitstag. Schrecklich laut ist es trotzdem. Aber das gehört zu den Vorbereitungen ebenso wie die unzähligen Flaggen. Innerhalb von wenigen Tagen haben sich überall die Nationalfarben blau-weiß ausgebreitet: An Häuserfenstern, Läden, Restaurants, Cafés, Bars, Autos, Motorrädern und Fahrrädern.

Nicht, dass der unbeschwerte Umgang mit der Fahne kein Thema wäre. Im Radio erklärt ein Vertreter der Kibbuzbewegung, warum sich gerade auch die Linken an diesem Feiertag zu diesem Symbol bekennen sollten. Denn wer – aus Protest – die Flagge nicht heraushängen würde, überließe die Nationalfarben doch bloß den Rechten, und das hielte er für völlig fehl am Platz. So mag jeder etwas anderes hineininterpretieren in seine Flagge, aber sie eint – trotz aller Selbstkritik und politischer Malaise, die sich wie noch nie ausgebreitet hat – in diesen Tagen die jüdische Mehrheit in Israel.

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Die größte Fahne im Land wächst ferngesteuert mit Spenden. Sie soll sich am Ende über die gesamten Fassade eines der Azrieli-Hochhäuser an der Einfahrt zu Tel Aviv erstrecken. Mit jedem Eingang von zehn Schekel (knapp zwei Euro), die per Handy oder via Internet bezahlt werden können und für die Hilfe von bedürftigen Jugendlichen bestimmt sind, leuchtet ein weiteres Fenster auf. Niemand zweifelt daran, dass die Fahne nicht rechtzeitig fertig sein könnte.

Skepsis hingegen aber besteht durchaus, was das Thema der diesjährigen Feierlichkeiten angeht: „Die Stärkung unserer Kinder“. Denn nach der jüngsten Statistik der Sozialversicherungsanstalt lebt jedes dritte israelische Kind in Armut, trotz einer blühenden Wirtschaft. Und obwohl immer mehr Menschen arbeiten, schaffen sie dennoch nicht den Sprung nach vorn. Diese wachsende Kluft zwischen einer kleinen Oberschicht, die immer reicher wird, und einer immer größeren Anzahl von Armen, gehört sechzig Jahre nach der Staatsgründung mit zu den größten Sorgen der Israelis.

Wer es sich leisten kann, wird am Donnerstag jede Menge in Fleisch investieren. Zu den Traditionen am jährlichen Unabhängigkeitstag gehört der „Mangal“, das Grillen, das massenhaft in den Parks und Wäldern praktiziert wird. Zu den Plänen des 60-Jahre-Israel-Kommitees gehört unter anderem die Schaffung von 60 neuen Picknickplätzen, die für Behinderte zugänglich sind. Ebenso wie ein Fußpfad rund um den See Genezareth und die Einweihung von Fahrradwegen quer durch Israel. Auch wenn sie in dieser Hinsicht noch in den Kinderschuhen stecken – die Israelis sind in letzter Zeit ein bisschen umweltbewusster und grüner geworden.

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