Benjamin Franklin erfand den Blitzableiter, George Washington war Landvermesser, Thomas Jefferson untersuchte Nutzpflanzen: Die Gründerväter der Vereinigten Staaten waren wissenschaftsbegeistert und oft selbst Forscher. Sie schufen ein Land, das Experimentatoren und Erfinder fördert. Doch das traditionell gute Verhältnis zwischen Forschung und Politik hat unter Präsident Bush stark gelitten: Die Politik beschränke und gängle die Forschung, klagen Amerikas Gelehrte (Lesen Sie diese Galerie mit den Vorwürfen im Einzelnen). Wissenschaftlicher Vorsprung sei so nicht zu halten. Jetzt hoffen sie auf das neue Staatsoberhaupt.

Welcher Kandidat aber kann das Vertrauen der Wissenschaft in die Politik wieder herstellen und den USA weiter den Spitzenplatz sichern? Im Wahlkampf spielt Forschung kaum eine Rolle. Nur selten verraten Hillary Clinton, Barack Obama und John McCain ihre persönliche Haltung zur Wissenschaft. Alle versprechen die Wende – jeder eine andere.

Hillary Clinton bekennt von allen Kandidaten am deutlichsten Farbe. Ihr Programm : Geldsegen für ein grünes Forschungsmekka. Öffentlich gibt sich Clinton am liebsten als Kämpferin für den freien Forschungsgeist: "Wenn ich Präsidentin werde, werden wir aufstehen für eine offene und freie Forschung sowie für die nötigen Investitionen, die uns reicher, sicherer, klüger und stärker machen für die Zukunft", zitiert die Online-Ausgabe der Washington Post die Kandidatin.

Damit trifft sie den Nerv der Wissenschaft. Denn viele Forscher sehen mit großer Sorge, wie George Bush versucht, die Forschung zu beeinflussen und zu zensieren . Clinton versteht ihr Programm als Gegenentwurf zu dem, was sie Bushs "Angriff auf die Wissenschaft" nennt. Sollte sie als Präsidentin das Sagen haben, werde sich die Politik künftig aus der Wissenschaft heraushalten. Kein Regierungsangestellter werde mehr ungestraft Forschungsergebnisse verdrehen oder zurückhalten. Und Wissenschaftler dürften wieder frei ihre Meinung sagen. Ihr Wissenschaftsberater werde direkt ihr unterstellt sein, damit sein Rat nicht vorab gefiltert wird.

Mit grüner Energie will Clinton das Land unabhängig machen von ausländischem Öl und zugleich dem Klimawandel entgegentreten. Dafür will Clinton 50 Milliarden Dollar spendieren, finanziert über Steuererhöhungen und Gebühren auf Ölförderlizenzen. Ein neuer Energierat soll die nötige Forschung koordinieren. Fünf Millionen Arbeitsplätze werden so neu entstehen, sagt Clinton: "Das Energiepaket ist unser Apolloflug zum Mond."

Energiesparprogramme statt Raumfahrt also? Mitnichten. Auch die Weltraumfahrt und –forschung will die Senatorin großzügig bedenken: Das Space-Shuttle-Programm soll erhalten,die Erderforschung per Satellit, sowie die bemannte Raumfahrt sogar ausgedehnt werden. Und das ist noch nicht das Ende des Geldsegens. Clinton will die Regierungsbudgets für das US-Gesundheitsinstitut (NIH) und für die Grundlagenforschung von derzeit je 28 Milliarden US-Dollar in den nächsten zehn Jahren verdoppeln. Außerdem soll die embryonale Stammzellforschung wieder mit Staatsgeldern gefördert werden, weil "nicht engstirnige Ideologie die Forschungsagenda bestimmen soll". Zudem soll der Nationalfonds zur Förderung der Wissenschaft (NSF) künftig dreimal so viele und jeweils höhere Stipendien an Jungwissenschaftler vergeben.