Arbeitsmarkt Unser täglich Brötchen

ZEITmagazin-Reporter Günter Wallraff war wieder undercover unterwegs. Diesmal hat er als Niedriglöhner Brötchen für Lidl gebacken - unter unwürdigen Bedingungen

Günter Wallraff hatte sich schon in den sechziger Jahren mit Undercover-Recherchen in Fabriken einen Namen gemacht. Vor einem Jahr arbeitete er als verdeckter Mitarbeiter in Call-Centern . Seine Reportage darüber im ZEITmagazin löste eine heftige Debatte und eine Gesetzesinitiative aus. Durch sie sollen Kunden vor unerwünschten Werbeanrufen besser geschützt werden.

Nun hat Wallraff einen Monat lang unter falschem Namen als Niedriglöhner in einer Fabrik gearbeitet, die für den Lidl Brötchen backt. Der Discounter ist der einzige Auftraggeber. Entsprechend hoch ist der Druck auf das Zuliefer-Unternehmen: Es muss so billig wie möglich produzieren, koste es, was es wolle.

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Wallraff arbeitete bis zur Erschöpfung, erlitt mehrfach – wie auch seine Kollegen – Brandverletzungen. Der 65-jährige Autor war mit den Papieren eines 51-Jährigen eingestellt worden.

Die Niedriglöhner in der Brötchen-Fabrik, die er in seiner neuen Reportage beschreibt, arbeiten unter unwürdigen Bedingungen. Ihnen wird immer wieder nicht nur ein Teil des zustehenden Lohns vorenthalten. Sie leben auch in ständiger Sorge, willkürlich abgemahnt zu werden, und in dauernder Gefahr, sich zu verletzen, weil Sicherheitsbestimmungen nicht eingehalten werden.

Nachdem sich im vorigen Jahr ein Betriebsrat gründete, mobbe der Firmenbesitzer Bernd Westerhorstmann den gewählten Betriebsratsvorsitzenden aus dem Unternehmen. Die Behandlung der Arbeiter, so recherchierte Wallraff, ist so schlecht, damit die Fabrik dem Kunden Lidl billige Brötchen liefern kann.

Leser-Kommentare
    • Hagane
    • 30.04.2008 um 13:35 Uhr

    Wer mehrsprachig ist kann ja mal Werbung aus Deutschland und dem Umland studieren, dann faellt schnell was auf: In Deutschland geht's nur noch um billig, billig, billig, getrieben von Geiz-ist-geil und sinkenden Realloehnen fallen andere Kriterien unter den Tisch.Vorteilhaft fuer die Discounter, die unterdessen bei ihrer Kostenoptimierung jeden menschlichen Faktor ignorieren. Boykott ist sicher die richtige Option, leider -mangels Kaufkraft- nicht fuer jeden realisierbar.....Aber sehr positiv wieder was von G. Wallraff zu lesen, der Mann verkoerpert fuer mich wirklich den guten Investigativ-Journalismus *daumen hoch*

  1. billig.
    mit etwas lebenserfahrung weiß man , daß häufig das gegenteil von dem der fall ist, worum gesprochen wird. die, die am meisten das wort sozial in den mund leben, leben meist am hochherrschaftlichsten und sind wohl bedacht auf fette pfründe. die, die am meisten von kirche reden, sind meist die größten sünder(innen) . und - wer ständig von billig redet, ist in wirklichkeit ziemlich ...... genau ! :-)

    • Anonym
    • 30.04.2008 um 14:17 Uhr

    Ich bin kein Freund von Vereinfachungen und diesen ewigen pauschalen "Schuld"-Zuweisungen die derzeit so populär sind in den Medien aber die Schuld dürfen wir Verbraucher uns letzlich selbst geben. Auffallend für mich ist in diesem Kontext auch der Unterschied innerhalb der Republik, es gibt ja Regionen mit Vollbeschäftigung und sehr guter Bezahlung - auch wenn sich diese allesamt im Süden befinden. Gleichzeitig kann man nun nach aktuellen Erhebungen feststellen das beispielsweise in Bayern die Discounter erst an dritter Stelle kommen beim Verbraucher, zuerst geht er in klassische Supermärkte mit normalpreisiger Ware, an zweiter Stelle kommen Fachgeschäfte wie Metzgereien und BÄCKEREIEN - an dritter Stelle erst die Discounter. So, wenn man nun in einer Inhabergeführten Bäckerei selbiges Backwerk kauft, dann kann es zu solcherlei Eskapaden gar nicht erst kommen. Ab einer gewissen Preisgrenze muss zumindest jedem aufgeklärtem Mensch klar sein, das geht nur auf Kosten von Lieferanten, Mitarbeitern und auch der Umwelt - Gesetze hin, Verbraucherschutz her. Papier ist schließlich geduldig und Kopf einschalten ist in jedem Fall irgendwelchen neuen Gesetzen vorzuziehen, in diesem Sinne beim nächsten Einkauf einfach mal wieder beim Bäcker vorbeischauen. Meiner spricht mich bei jedem Einkauf mit meinem Namen an und weiß schon immer was ich brauch, "das Übliche". Hat also auch handfeste Vorteile, vom Geschmack ganz abgesehen ;-) just my two cents

    • QUOTE
    • 30.04.2008 um 15:08 Uhr

    ...es noch Menschen gibt, wie Günter Wallraff die Mut haben, die Zustände aufzuzeigen und zum Kampf gegen sie aufzurufen, und Zeitungen, die ihnen ein Forum geben - was mich bei der ZEIT inzwischen überrascht - haben wir vielleicht noch ein wenig Hoffnung.

    • gayorg
    • 30.04.2008 um 15:38 Uhr

    So so Regionen mit Vollbeschäfigung und guter Bezahlung gibt es also nur im Süden der Republik. Dann muß die Bezahlung in Hamburg, Düsseldorf oder Frankfurt, um einige Beispiele zu nennen, wohl sehr schlecht sein. Nun zum Thema: Hut ab vor Herrn Wallraf, dazu gehört Mut und zeugt gleichzeitig von einem Journalismus, der sich der Wahrheit verpflichtet fühlt und nicht dem kurzfristigem Verkauf von Meldungen die sich eventuell am selben Tag noch wiedersprechen, je nach dem welche Lobby dahinter steht.

  2. 6. wie

    gehtn das herr wallraff? das mit den falschen bewerbungsunterlagen? wär mal interessant darüber etwas zu erfahren. ich könnte nämlich so langsam mal wieder nen job brauchen, nur mit meinen ehrlichen unterlagen, mehrsprachig, kaufmännische ausbildung, journalistisches studium und europaweite arbeitserfahrung wird das nix. wirklich blöd so auf die dauer.
    glückwunsch zu ihrem erneuten coup, da muss ich mir wohl die neue ausgabe der zeit in der analogversion kaufen. verdammt. mit geringer finanzkraft garnicht so einfach. geht aber irgendwie. backwaren kauf ich weiter beim echtbäcker, der verrammscht nämlich immer die brote vom vortag zum halben preis und schneidet es auch noch gratis.´der weissmehlstreckdreck vom discounter ist außerdem extrem ungesund.
    so, jetzt noch ne gratisidee zum verfolgen oder verwerfen. wie wär denn das wenn sie sich in ein pflegeheim einweisen ließen? dieser vorschlag soll bitte keine unverschämtheit sein oder so verstanden werden. ich könnte mir aber vorstellen das dort auch gruselige dinge aufgedeckt werden könnten.
    viel glück weiterhin und einen netten ersten mai
     

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    lesen Sie doch einfach den Bericht und dann bewerben Sie sich dort so, wie es Walraff gemacht hat. Ich weiß allerdings nicht, ob Sie dort glücklich werden. Und wieso bekommen Sie mit mit Ihrer Qualifikation keine Job? Wieso bewerben sich immer so viele auf die wenigen Stellen, so daß die Jobvergabe zum Lotteriespiel wird. Weil es in D zuviel Arbeitsnachfrage gibt. Besten Gruß auch an die Kommentatoren in den Paralellbeiträgen der Demographiediskussion. Wir brauchen natürlich noch viel mehr Nachwuchs, damit diese Situtaion noch angespannter wird. Bertelsmann macht ja zur Zeit kräftig Werbung, weil sie befürchten, das den Kapitalisten das zu verheitzende Material ausgeht.

    lesen Sie doch einfach den Bericht und dann bewerben Sie sich dort so, wie es Walraff gemacht hat. Ich weiß allerdings nicht, ob Sie dort glücklich werden. Und wieso bekommen Sie mit mit Ihrer Qualifikation keine Job? Wieso bewerben sich immer so viele auf die wenigen Stellen, so daß die Jobvergabe zum Lotteriespiel wird. Weil es in D zuviel Arbeitsnachfrage gibt. Besten Gruß auch an die Kommentatoren in den Paralellbeiträgen der Demographiediskussion. Wir brauchen natürlich noch viel mehr Nachwuchs, damit diese Situtaion noch angespannter wird. Bertelsmann macht ja zur Zeit kräftig Werbung, weil sie befürchten, das den Kapitalisten das zu verheitzende Material ausgeht.

    • TDU
    • 30.04.2008 um 16:37 Uhr

    Wie immer bewundernswert, dass sich G. Wallraff dahin begibt, wo andere gezwungenermaßen arbeiten müssen.
    Nur das Prinzip, Ihr da oben, wir da unten funktioniert doch nicht mehr. Boykottieren kann nur, wer es sich leisten kann. Die 1:1 Verteuerung wurde hingenommen, eine Spekulation zuerst des Großhandels, mit der er durch gekommen ist. Warum nicht Preise für Qualitätsware boykottieren. Stück Kuchen, 3, 60 Euro, halb so groß wie zu 2,50 DM Zeiten. Haarwaschmittel 6 Euro früher 4,00 DM usw. usw. Leistungsgebühren der öffentlichen Hand 1 zu 1. Okosteuer, Globalisierung, wer kommt ohne Kleidung aus China aus?  
    Der Bericht, sehr gut. Die Schlussfolgerung trifft die Falschen und das Falsche wird angeprangert. Nicht das billig produziert wird, ist das Übel, da werden alle altersvorsorgende Aktienfondsbesitzer zustimmen, sondern dass nur mit Billigproduktion Geld zu verdienen ist und die Löhner davon auch noch schlecht leben können, ist das Übel.  
    Bislang habe ich von den Regierenden und Verantwortlichen noch keine Ideen von Qualität zu von der Masse bezahlbaren Preisen erfahren. Nur Rezepte zur Umverteilung, Steuererhöhungen, Bürokratie und Verzichtsappelle.   

    • ttob
    • 30.04.2008 um 19:03 Uhr

    Wenn Betriebsräte verhindert/behindert werden und Niedriglöhne gezahlt. Dann würde da ganz einfach eine Betriebsratspflicht für Firmen mit >10 Mitarbeitern helfen und zusätzlich ein Mindestlohn.Eine Utopie im kapitalregierten Deutschland.

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