Nach der gescheiterten Milliardenübernahme durch Microsoft drohen dem Internet-Konzern Yahoo! ein Kurssturz und massiver Streit mit Aktionären. Unter Hochdruck sucht Yahoo!-Chef Jerry Yang nach Bündnispartnern, mit deren Hilfe sein Unternehmen expandieren könnte. Die Suchmaschine Google gilt als ein möglicher Wunschpartner Yangs. Unterdessen könnte Microsoft versuchen, statt Yahoo! eine Reihe kleinerer Web-Unternehmen zu kaufen, so vermuten Experten. Konzernchef Steve Ballmer will Microsoft auch im Internet zur Nummer eins machen und braucht dafür nach seinem Scheitern bei Yahoo! rasch vorzeigbare Erfolge.

Die Anteilseigner jedenfalls zeigten sich von der Ablehnung Microsofts durch die Yahoo!-Spitze enttäuscht. Der Kurs der Yahoo!-Aktie brach am Montag an den deutschen Börsen um fast 20 Prozent ein. Im vorbörslichen Handel in den USA stürzte die Aktie noch stärker auf 22,75 Dollar ab. Mehrere Banken senkten bereits ihre Prognosen für das Papier. Die Microsoft-Aktie profitierte dagegen kräftig von der Absage des Geschäfts, das die bei weitem teuerste Übernahme der Konzerngeschichte gewesen wäre. Der Titel gewann vorbörslich mehr als 5 Prozent auf 30,70 Dollar.

Der Softwareriese Microsoft hatte am Wochenende zuletzt 33 Dollar je Yahoo!-Aktie geboten. Die Yahoo!-Spitze verlangte aber Microsoft zufolge mindestens 37 Dollar oder insgesamt weit über 50 Milliarden Dollar (umgerechnet 32,4 Mrd. Euro). Daraufhin zog der Windows-Konzern sein Angebot offiziell zurück. Mit dem Kauf wollte Microsoft die Dominanz des Rivalen Google im Geschäft mit der Online-Suche und Internet-Werbung brechen.

Das Angebot hätte für Yahoo!-Aktionäre einen Gewinn von mehr als 70 Prozent gegenüber dem Kurs vor der Offerte Ende Januar bedeutet. Großinvestoren äußerten bereits massive Verärgerung über die Yahoo!-Führung. Eine Zustimmung wichtiger Anteilseigner zu einem Kaufpreis von etwa 35 Dollar wäre gut möglich gewesen, deutete der zweitgrößte Yahoo!-Anteilseigner, der Vermögensverwalter Legg Mason, in einem Interview mit der New York Times an. Sollten die Proteste bis zur in den nächsten Monaten anstehenden Hauptversammlung vehement zunehmen, könnte Yahoo! am Ende doch noch zu einem Geschäft mit Microsoft gezwungen werden, sagen Analysten.

Bereits vor dem Platzen der Übernahme hatten Aktionäre gegen die Yahoo!-Führung wegen ihres Widerstands geklagt. Der im vergangenen Sommer in den Chefsessel zurückgekehrte Firmengründer Yang steht zusätzlich unter Druck, weil die Gewinne seines Unternehmens die Börse enttäuschten. Yahoo! strich zuletzt Stellen. Analysten halten auch die zuletzt für die kommenden Jahre versprochenen Ergebnisse für unrealistisch. Vor der Microsoft-Offerte war der Yahoo!-Kurs binnen eines Jahres bereits um ein Drittel gefallen.

Seit gut zwei Wochen testet Yahoo! eine Kooperation mit Google bei Suchanzeigen. Eine dauerhafte Vereinbarung könnte noch diese Woche unterschriftsreif sein und Yahoo! zusätzliche Einnahmen von rund einer Milliarde US-Dollar bringen, hieß es in US-Medien. Allerdings könnten Wettbewerbshüter Bedenken anmelden, da die beiden Unternehmen allein in den USA gemeinsam über 80 Prozent des Online-Werbemarktes beherrschen. Zudem spricht Yahoo! den Berichten zufolge noch immer mit dem Internet-Portal AOL aus dem Time-Warner-Konzern über eine mögliche Allianz.