Avantgarde Ein Tourist im ZufallsmodusSeite 2/2
Dazu gehört Berlin. Hier im Garten der Kunstwerke, kann man sehen, wie eine kaputte Struktur zu einem modernen Museum für Zeitgenössisches umgebaut worden ist. Alte Materialen verbinden sich mit dem Glas- und Stahlkubus des Cafés. Aber nicht nur die realisierten Projekte interessieren Neumeister. Ihn treibt auch die fantastische Architektur nie gebauter Utopien um. Das virtuelle Vermächtnis der klassischen Moderne.
Kunst, Politik, Musik und eben, und das ist das faszinierende, Stadtplanung und Architektur werden in Könnte Köln sein zu sich gegenseitig berührenden Systemen. Neumeister vor diesem Hintergrund zu lesen, ist viel produktiver als seine Arbeiten mit der Genrekeule abzuklopfen. Brinkmann, den Neumeister als Referenz angibt, wusste "wie sehr Literatur der Aktualität bedarf, will sie ich nicht selber aufgeben". Diese Aktualität ist in einer Zeit intermedialer Beschleunigung eben auch auf die Form zu übertragen.
Ob Neumeisters aktueller Textkörper diese Bewegung hin zu einer Literatur des 21. Jahrhunderts schafft, ist so fast nebensächlich. Denn er deutet ihre Möglichkeit an. Und er vermittelt zwischen den Disziplinen der Literatur und Baukunst, die schon andere im Geiste als produktiv erkannt haben.
Der niederländische Architekt Rem Koolhaas schreibt in seinem Buch Delirious New York : "Jeder Block ist überzogen mit mehreren Schichten von Phantomarchitektur", und weiter "Manhattan ist das Produkt einer unausgesprochenen Theorie [ ] über das existieren in einer von Menschen geschaffenen, [f]antastischen Welt." Schichten von Bedeutung, die sich magisch überlappen: die Verheißung eines [f]antastischen Raumes der Kunst. Wenn Literatur davon eine Ahnung verrät, dann ist sie ein Glücksfall.
Horen Sie hier: Der Schriftsteller Jörg Albrecht über das Werk Andreas Neumeisters
Andreas Neumeister:Könnte Köln sein.
Städte. Baustellen. Roman; Suhrkamp, 2008, ISBN 978-3-518-41919-9, Euro 16,80.
- Datum 14.10.2008 - 20:37 Uhr
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