Über eine Million Sturm-Opfer warten in Birma auf internationale Hilfe. Die Menschen brauchen dringend Lebensmittel, sauberes Trinkwasser, Medikamente. Die herrschende Militärregierung aber hat die ausländische Hilfe in den Tagen nach dem Sturm blockiert - nach einer Katastrophe dieses Ausmaßes eigentlich unvorstellbar.

Was ist das für ein Staat, der so etwas tut? Der ausländischen Helfern die Einreise verweigert? Der von der Anzahl der Todesopfer offenbar immer nur so viel preisgibt, wie unabhängige Organisationen gerade wieder ermittelt haben?

Birma wird regiert von einer rücksichtslosen Militärjunta. Sie ist im gesamtem Staatsapparat präsent, hat alle wichtigen Stellen mit ihren Leuten besetzt. Und sie schottet ihr Land nach außen rigoros ab.

Birmas Generäle unterhalten wenig internationale Kontakte, und Politiker westlicher Demokratien treffen selten mit der Generalität zusammen. Diese wiederum hat nach den Mönchsdemonstrationen im Herbst vergangenen Jahres, die ihren Ausgang in Protesten gegen die Erhöhung der Treibstoffpreise nahmen, die Grenzen des Landes weiter dichtgemacht. Ein für Diktaturen typischer Reflex.

Dennoch steht Birma international nicht isoliert da, im Gegenteil. Es genießt den Schutz durch die Regionalmächte Indien und besonders China. Peking weiß beispielsweise die geostrategische Lage Birmas sehr zu schätzen, denn der südasiatische Staat bietet China Zugang zum Indischen Ozean. Zudem will China Ruhe und Stabilität in der gemeinsamen Grenzregion, die von ethnischen Minderheiten besiedelt wird.

Vor allem aber will China in Birma Rohstoffe einkaufen und ist dafür im Gegenzug bereit - wie auch gegenüber den Diktaturen Afrikas -, großzügig in die Infrastruktur des Landes zu investieren. Das besondere Interesse Pekings hat ein großes Gasfeld vor der Küste Birmas geweckt, das der staatliche Ölgigant "China National Offshore Oil Corporation" erschließen soll. Auch birmanische Edelhölzer, Mineralien und Edelsteine sind beliebte Produkte im Handel mit China.

Der Hunger nach Energie für die boomende Industrie im Reich der Mitte schützt die birmanischen Herrscher. Vielmehr noch erhalten die Generäle im Gegenzug direkte Unterstützung aus Peking. Die internationale Staatengemeinschaft macht nach der Sturmkatastrophe viel Druck auf die Militärjunta, die Grenzen zu öffnen, um so viel Hilfe wie möglich ins Land zu lassen. Wirklichen Einfluss auf die birmanische Junta ausüben kann aber, wenn überhaupt jemand, nur China.