Das Welternährungsprogramm hat am Freitag seine Luftbrücke in das von dem Wirbelsturm "Nargis" verwüstete Birma unterbrochen. Die Militärregierung in Rangun habe zwei Hilfslieferungen beschlagnahmt, sagte der für Asien zuständige Leiter des UN-Programms, Tony Banbury, dem Fernsehsender CNN. "Wir werden unseren sehr kleinen Luftbrücken-Einsatz stoppen, bis wir von den Behörden Garantien bekommen."

Nach tagelangen Verzögerungen waren zuvor erstmals mehrere Tonnen Hilfsgüter der Vereinten Nationen und des Roten Kreuzes im Katastrophengebiet eingetroffen. Die ersten Lastwagen mit Notrationen für die Zyklon-Opfer gingen in die schwer verwüstete Stadt Labutta im Irrawaddy-Delta. Das berichtete der Programmkoordinator der Hilfsorganisation ADRA, Joakim Cottig, am Freitag in Rangun.

Nach Angaben seiner Mitarbeiter sind in der Stadt, die normalerweise 50.000 Einwohner hat, 120.000 Flüchtlinge aus der Umgebung eingetroffen. Lastwagen, die aus Rangun sechs bis acht Stunden unterwegs waren, brachten Reis, Öl, Hülsenfrüchte und Plastikplanen in die Stadt. Insgesamt könne damit rund 20.000 Menschen geholfen werden.

Viele Tausende Menschen seien zu Fuß unterwegs, die meisten seien am Ende ihrer Kräfte. In der Region gebe es kaum noch Nahrungsmittel, und kein Trinkwasser. "Die Ernte ist weitgehend zerstört", sagte Cottig. Die Küstenregion war bislang die Reiskammer des bitterarmen Landes. Überall lägen Leichen herum. "Die Gefahr von Seuchen ist jetzt sehr groß."

Diese Hilfe ist bislang aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Birma sperrt sich weiter gegen die Einreise ausländischer Helfer für die Verteilung von Hilfsgütern. Rettungs- und Erkundungsteams aus dem Ausland könnten derzeit nicht empfangen werden, hieß es in einer Erklärung des Außenministeriums, die die Regierungszeitung Myanma Ahlin am Freitag veröffentlichte. Die Priorität gelte vielmehr dem Empfang von Hilfsgütern, die man mit eigenen Mitteln verteile.

Zuvor hatte die Militärjunta eine Gruppe von Helfern aus dem Golfstaat Katar zurückgeschickt, die in Rangun an Bord eines Flugzeugs mit einer Hilfslieferung eingetroffen war. Die Maschine aus Katar sei einer von zwölf internationalen Hilfsflügen gewesen, die am Donnerstag in der ehemaligen Hauptstadt Birmas gelandet seien, berichtete die Zeitung weiter.

Bei ausländischen Regierungen und Organisationen nimmt die Frustration darüber zu, dass Birmas Generäle weiterhin die Erteilung von Visa an ausländische Hilfskräfte und die Vergabe von Landesrechten für internationale Hilfsflüge verzögern. Auch am Freitag saßen noch immer Hunderte Logistiker und Katastrophenexperten, die für eine Verteilung des Materials nötig sind, in den Nachbarländern ohne Visum fest . 1,5 Millionen Hilfebedürftige warten weiter verzweifelt auf Hilfe.