Was sind das für Leute, die in der rückwärtsgewandten Kirche des Joseph Ratzingers noch einen Platz haben? Das ist eine von vielen Fragen, die sich nach dem Ende des Desasters - manche sprechen von "Posse" - um die Neubesetzung des Präsidentenamtes der Katholischen Universität Eichstätt stellt.

Am Donnerstag verkündete der Bischof von Eichstätt und Vorsitzende der Universität tragenden Stiftung, dass der bereits vom Hochschulrat ordnungsgemäß gewählte Theologe und Manager Ulrich Hemel nicht zum neuen Präsidenten ernannt wird.

Gleich darauf konnte man im Senatssaal der Hochschule sehen, wie der amtierende Hochschulleiter Stefan Schieren sichtlich angespannt den Ausgang des wochenlangen Tauziehens kommentierte. Die Freiheit von Wissenschaft und Forschung an der Katholischen Universität stehe nicht zur Disposition, sagte er tapfer. Die bischöfliche Weigerung, Hemel zu ernennen, sei "kein Angriff auf die Autonomie der Universität".

Was sonst, muss man fragen? Hemel war am 30. Januar vom 16-köpfigen Hochschulrat gemäß der erst 2007 verabschiedeten Grundordnung der Stiftungsuniversität zum Nachfolger des langjährigen Präsidenten Ruprecht Wimmer gewählt worden. Laut Grundordnung ist allerdings eine "doppelte Legitimation" des Amtes erforderlich. Der Kandidat kann erst ernannt werden, wenn ihm der zuständige Bischof Gregor Maria Hanke seinen Segen erteilt. Diese Bestätigung ließ wochenlang auf sich warten. Es hieß, der Vatikan habe "Bedenken" angemeldet.

Die für den 23. April anberaumte Amtseinführung Hemels wurde abgesagt. Offizielle Gründe gab es keine. Dafür blühten die Spekulationen. Vergangenen Mittwoch machte Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) Andeutungen über eine bevorstehende Entscheidung, nicht ohne sich selbst hinter Hemel zu stellen, dessen Qualifikation außer Frage stehe.