Medien Nannen-Preis für Rückert und Martenstein

Zwei Beiträge aus dem ZEITmagazin wurden ausgezeichnet: Sabine Rückerts Geschichte über einen Doppelmord in Tessin als Beste Reportage sowie die wöchentliche Kolumne von Harald Martenstein

Gleich in zwei Kategorien ging der diesjährige Henri-Nannen-Preis an Autoren des ZEITmagazins LEBEN. In der Königsdisziplin «Beste Reportage» siegte Sabine Rückert mit ihrer Geschichte «Wie das Böse nach Tessin kam» . Darin beschreibt die ZEIT-Redakteurin die Hintergründe eines Doppelmords im mecklenburgischen Dorf Tessin, bei dem ein 17-jähriger Gymnasiast ein Ehepaar aus der Nachbarschaft niedergestochen hatte. Eine «beklemmende Rekonstruktion einer wahrlich gespenstischen Gewalttat», befand die Jury. Die Autorin sei «wie beim Zwiebelschälen» von der «äußeren Idylle gleichsam der inneren Wahrheit» nahegekommen. Rückert selbst, seit Jahren Gerichts- und Kriminalreporterin, bekannte: «Es war die erste Reportage in meinem Leben, die mich nicht hat schlafen lassen.»

Die zweite Auszeichnung in der Kategorie «Herausragende humorvolle Berichterstattung» ging an Harald Martenstein für seine wöchentliche Kolumne im ZEITmagazin Leben .

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Mit dem Henri-Nannen-Preis würdigen der Verlag Gruner + Jahr und sein Magazin Stern herausragende Arbeiten im Printjournalismus. Prominentester Gast in diesem Jahr war Bundeskanzlerin Angela Merkel, die die Laudatio auf Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki hielt, der für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Merkel sagte, sein Urteil habe «begeistert und beflügelt, bestürzt und empor gehoben». Aber das Lebenswerk des 87-Jährigen sei nicht allein die «Summe aus wortgewaltigen Lobreden und Verrissen», sondern Reich- Ranicki «lebt Kultur».

Der Geehrte selbst bedankte sich mit einer launige Anekdote: Als er mal vor langer Zeit einen Abend mit Merkel verbracht habe, habe es ihn gestört, dass er «nicht zu Wort kam». Reich-Ranicki bekannte, dass er schon viele Reden über sich gehört habe, «aber keine hat das Wesen meiner Arbeit so in Worte gefasst wie diese heute». «Ja, meine Frau und ich haben dank der Literatur, dank der Poesie, dank der Musik überlebt», sagte der in Polen geborene und wegen seiner jüdischen Abstammung von den Nazis verfolgte Reich-Ranicki. «Ich habe nie damit gerechnet, dass ich mal Literaturkritiker in Deutschland werde», sagte er und fügte hinzu: «Und ich glaube, Frau Merkel hat auch nicht damit gerechnet, dass sie Kanzlerin wird.»

Der Preis für die «Beste investigative Leistung» ging an ein Team von Spiegel -Journalisten. Udo Ludwig, Matthias Geyer, Lothar Gorris und Detlef Hacke hätten ein «kriminelles Kartell» von Manipulateuren und Vertuschern entlarvt, so die Jury. Die Journalisten hatten nachgewiesen, dass auch im Radrenn-Team der deutschen Telekom verbotene Doping-Mittel verwendet wurden. Die Telekom zog sich daraufhin aus dem Radsport zurück. Die Jury würdigte die Leistung der Journalisten, trotz drohender Anzeigen-Stornierung und dem damit verbundenen massiven wirtschaftlichen Druck die Recherchen fortzusetzen.

Der Fotograf Lu Guang erhielt den Preis für seine in der Zeitschrift «Geo» erschienene Reportage «Der schwarze Riese» über die boomende Kohleregion Wuhai in China – «in berührenden wie bedrohlichen Bildern», urteilten die Juroren. Ebenfalls im Magazin «Geo» erschien der Beitrag «Kampf bis zum letzten Fisch» von Lars Abromeit, Katja Trippel und Torsten Hampel – Sieger in der Kategorie «Dokumentation».

Leser-Kommentare
    • hagego
    • 14.05.2008 um 16:12 Uhr

    Die Reportage von Sabine Rückert im ZEIT Magazin Leben, damals noch in grotesker Schreibweise, war zugleich spannend als auch beklemmend. Die Betroffenheit (der ZEIT) - hier war sie wortwörtlich zu spüren.Und  - muss man über Harald Meilenstein wirklich noch viele Worte verlieren? Reicht es nicht, wenn man sich absichtlich verschreibt? Und zwar mit Haut und Haaren!Ihnen beiden meinen herzlichen Glückwunsch! 

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