Es gibt nur wenige Zusammenhänge, die so sensibel sind wie der zwischen dem Holocaust, Israel und dem, was die Palästinenser al-Nakbah (die Katastrophe) nennen. Daher überrascht es nicht, dass sich Wissenschaftler, Journalisten und Essayisten, die sich mit dem Palästinakonflikt beschäftigen, jeweils nur einem dieser drei Themenkomplexe gewidmet haben, ­ als gebe es keine Verbindungen zwischen ihnen. Sechzig Jahre nach dem Beginn der Enteignung der Palästinenser ist es höchste Zeit, diesen Konflikt zu verstehen und zu seiner Lösung beizutragen.

Verschiedene Faktoren haben zu dem Untergang der Palästinenser 1948 beigetragen. Der wichtigste war zunächst die zionistische Ideologie und später die israelische Politik. Seitdem die zionistische Bewegung in Palästina im späten 19. Jahrhundert angekommen ist, hat sie davon geträumt, so viel Land wie möglich zu erobern, um darauf einen jüdischen Staat zu gründen. Ein wichtiger Aspekt dieser Vision war das Ziel, so wenig Palästinenser wie möglich in dem zukünftigen jüdischen Staat anzusiedeln.

Diese Vision wurde zur Realität, als die Briten Februar 1947 nach 30jähriger Herrschaft beschlossen, Palästina zu verlassen. In weniger als einem Jahr, zwischen Februar und Oktober 1948, hat die israelische Armee systematisch 500 palästinensischen Dörfer und elf Städte entwurzelt und zerstört. Die Hälfte der einheimischen Bevölkerung wurde in dieser Zeit vertrieben. Ihre materiellen und kulturellen Besitztümer wurden von den Israelis beschlagnahmt und damit auch die palästinensischen Spuren im Land verwischt.

Das hätte jedoch nicht stattfinden können, hätten nicht einige Faktoren der beschriebenen Entwicklung in die Hände gespielt. Zum einen war die britische Mandatsregierung verantwortlich, weil sie sich nicht einmischte, als es noch möglich war. Die Vertreibung fand also unter den Augen von Beamten und Soldaten statt. Zweifelsohne hat auch die arabische Welt eine negative Rolle gespielt. Die Impotenz ihrer Armeen und der mangelnde Einsatz ihrer Chefs haben die ursprüngliche Hoffnung einer pan-arabischen Solidarität in eine Farce verwandelt. Für die Palästinenser sollte sich herausstellen, dass es ein kolossaler Fehler war, ihre Interessen von der Arabischen Liga vertreten zu lassen. Diese war dazu unfähig. Aber der wichtigste Faktor, der häufig übersehen wird, ist die internationale Gleichgültigkeit gegenüber der Vertreibung. Diese israelische Politik wäre nicht durchgeführt worden, hätte es nicht die Tolerierung durch die internationale Gemeinschaft gegeben. Die zionistische Führung wusste, dass sie sich auf die Passivität und das Stillschweigen verlassen konnte.

Das war keine Selbstverständlichkeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als der Kalte Krieg gerade begonnen hatte, waren die Großmächte auf das Wohlwollen der arabischen Länder angewiesen. Gewissenhaftere Teile der westlichen Gesellschaft unterstützten zunehmend anti-koloniales Gedankengut. Sicher versuchten die beiden führenden maroden Kolonialmächte England und Frankreich, ihre Präsenz und ihren Einfluss in der arabischen Welt aufrechtzuerhalten. Aber zumindest augenscheinlich waren sie gezwungen, den Eindruck zu erwecken, als würden sie das Recht der arabischen Bevölkerung auf Unabhängigkeit und Souveränität unterstützen.