Jedes dritte Kind unter drei Jahren soll bis 2013 in einer Krippe oder bei einer Tagesmutter untergebracht werden können. Das ist das Ziel – und es würde das Leben vieler Väter und Mütter erleichtern, die arbeiten möchten. Darüber hinaus erhofft man sich von politischer Seite noch mehr. So könnte ein besseres Betreuungsangebot Paare ermutigen, ihrem Kinderwunsch früher und häufiger nachzugeben. Bildungspolitisch ist zudem erwünscht, zumindest die 3 bis 6-jährigen Kinder nicht nur unterzubringen, sondern ihnen auch die nötigen Voraussetzungen mitzugeben, um in der Schule erfolgreich sein zu können. So will man mehr Gerechtigkeit für bisher bildungsferne Schichten erreichen.

Das Statistische Bundesamt hat nun die Realität im Jahr 2007 untersucht und am erklärten Ziel gemessen. Insgesamt ist die Quote der aushäusig betreuten Kinder angestiegen. Sie liegt jedoch noch weit unter der erwünschten: Bislang sind lediglich 15,5 Prozent der unter 3jährigen Kinder in der Obhut von Krippen oder Tagesmüttern. Für sich genommen ist diese Zahl allerdings nicht sonderlich aussagekräftig, denn die Unterschiede zwischen Ost und West sind nach wie vor riesig. Während in einigen Kreisen in Sachsen-Anhalt die Betreuungsquote bei über 50 Prozent liegt, weisen viele Orte in Niedersachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen Quoten von unter 5 Prozent auf. Doch immerhin: Die Zahl dieser Kreise hat sich zum Vorjahr halbiert. Und insgesamt 88 Kreise – alle in Ostdeutschland - erreichen bereits die 35 Prozent-Marke.

Vor allem westdeutsche Eltern wollen oder können ihre kleinen Kinder noch nicht den ganzen Tag (mehr als sieben Stunden täglich) in einer Kita lassen. In vielen Orten in den süd- und norddeutschen Bundesländern gehen weniger als ein Prozent der kleinen Kinder den ganzen Tag zum Kindergarten oder zur Tagesmutter. Die zehn Kreise mit der niedrigsten Ganztagsbetreuung sind in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu finden, während die zehn Kreise mit den höchsten Quoten fast ausnahmslos in Thüringen liegen. Die meisten ganztägig betreuten Kinder unter drei Jahren gibt es in Jena (46 Prozent). Wo gibt es einen Betreuungsplatz für die Kleinen? Klicken Sie auf das Bild und sehen Sie die Karte

Dabei ist Thüringen das einzige Bundesland, in dem sich die Betreuungsquote in einigen Kreisen sogar verschlechtert hat. Das wird wahrscheinlich daran liegen, dass hier das sogenannte Betreuungsgeld bereits eingeführt wurde. Eltern erhalten Unterstützung, wenn sie ihre Kinder zu Hause selbst erziehen.

Wie sieht es bei den älteren Kindern zwischen 3 und 5 Jahren aus? Insgesamt ist die Situation wesentlich besser geworden. Fast 90 Prozent gehen in den Kindergarten. Die Zahl der Kreise, in denen fast alle Kinder betreut werden, hat sich gegenüber 2006 nahezu verdoppelt. Auch hier gibt es ein großes Ost-West-Gefälle. Es ist jedoch weniger steil als bei den Kleinen.

All die Zahlen sagen natürlich nichts darüber aus, wie viele Eltern in Westdeutschland sich überhaupt wünschen, ihre kleinen Kinder betreuen zu lassen – oder ob sie sie nach wie vor bis zum dritten Lebensjahr lieber zu Hause lassen. Man könnte also fragen, ob die westdeutschen Eltern sich überhaupt ein Quote von 35 Prozent wünschen. Und Zahlen verraten natürlich auch nicht, wie gut die Kleinen versorgt und gebildet werden. In vielen Regionen muss vermutlich nicht mehr in die Zahl der Erzieher investiert werden, sondern beispielsweise in ihre Aus- und Weiterbildung.