Die libanesische Hisbollah und ihre Verbündeten stehen Sicherheitskreisen zufolge kurz davor, die Kontrolle über den gesamten muslimischen Teil Beiruts zu übernehmen. Lediglich in einem Bezirk hätten sich die Regierungsanhänger noch nicht ergeben, hieß es am Freitag. Sie führten aber bereits Gespräche darüber, ihre Waffen niederzulegen.

In der libanesischen Hauptstadt toben den dritten Tag in Folge Kämpfe zwischen der schiitischen Miliz und Regierungsanhängern. Nach früheren Angaben wurden bei den Gefechten mindestens zehn Menschen getötet. Unter den Opfern waren auch unbewaffnete Passanten.

Zahlreiche Bewohner der Innenstadt flohen vor den Kämpfen in den christlichen Ostteil Beiruts, der von den Straßenkämpfen, die am Mittwoch begonnen hatten, bislang verschont blieb. Augenzeugen berichteten, im Stadtzentrum immer noch Gewehrfeuer zu hören.

Auch in dem vorwiegend von Sunniten bewohnten Innenstadt-Viertel, in dem die Familie des Vorsitzenden der pro-westlichen Zukunftsbewegung Saad Hariri lebt, sei geschossen worden, hieß es. Am Morgen hatten Hisbollah-Kämpfer das Büro von Hariris Zeitung Al-Mustaqbal mit Maschinengewehren und Granaten unter Beschuss genommen. Sie zogen nach Angaben der Journalisten erst ab, als Soldaten der libanesischen Armee eintrafen.

Der TV-Sender der Zukunftsbewegung habe am Morgen aufgehört zu senden, nachdem die
Hisbollah gedroht habe, das Gebäude zu zerstören, sagte ein anderer Mitarbeiter des Hariri-Medienkonzerns.

Saudi-Arabien, das die Regierung des Libanon unterstützt, forderte angesichts der Kämpfe eine Krisensitzung der arabischen Außenminister. Das berichtete das staatliche Fernsehen des Landes am Freitag.