60 Jahre Israel Der Zwilling IsraelsSeite 3/3
Es hat sich gezeigt, dass die Aussage "ohne Volk" so dimensioniert ist, dass sie sich nicht ohne Weiteres schlucken lässt, es handelt sich hier nicht um Indianer, die in einem anderen Zeitalter leben, sondern um eine dynamische Gesellschaft, die mit den Anfängen der Moderne verflochten ist, die über eigene Zeitungen, Zeitschriften und Parteien verfügt und die trotz der Entwurzelung nach wie vor in der Lage ist, das eigene Erzählgut zu gestalten, es zu verteidigen, Kultur daraus entstehen zu lassen und es in die Welt hinauszutragen, um weiträumig Legitimität und Glaubwürdigkeit dafür zu gewinnen, auch wenn diese Gesellschaft geschwächt ist, mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat und die internationale Haltung proisraelisch ist.
Die 800.000 Menschen aus über 500 Dörfern und elf Stadtteilen sind keiner Kriegstragödie und auch nicht den systematischen Massakern zum Opfer gefallen, mit denen sechs Monate vor dem 15. Mai [ Gründung des Staates Israel, Anm. d. Übers. ] begonnen wurde, sondern ein Hauptpunkt auf der Agenda des Kriegs.
Jedes Mal, wenn das wehrlose Opfer seinem Henker in die Augen sieht und an seine Fesseln rührt, ist auch sechzig Jahre danach in israelischen Kreisen noch die Rede davon, dass der Krieg von 1948 nicht zu Ende ist. Alles, was auf die Nakba folgte, ist letztlich deren Fortführung durch Israel oder vielmehr deren Reproduktion auf der blinden Flucht der israelischen Offiziellen und des israelischen Volkes nach vorn, ist eine Serie von Versuchen, dem schmerzhaften Blick in den Spiegel auszuweichen, ohne den es für eine politische, moralische und historische Aufarbeitung dessen, was in Palästina geschehen ist, keinen Anfang geben kann.
Aus dem Arabischen von
Angela Tschorsnig
und
Kamal Hayek
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- Datum 15.05.2008 - 03:20 Uhr
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