Ausgerechnet am Tag der Jubiläumsfeier zur Staatsgründung sickerten die Vorwürfe durch: Israels Ministerpräsident Ehud Olmert steht wegen der Annahme illegaler Spenden offiziell unter Korruptionsverdacht. Olmert beteuert seine Unschuld - will aber zurücktreten, wenn die Justiz offiziell Anklage erhebt.

Israels Ministerpräsident Ehud Olmert unter Korruptionverdacht: Wie das Justizministerium in Jerusalem am Donnerstagabend mitteilte, erhielt Olmert während seiner Zeit als Bürgermeister von Jerusalem von dem US-Geschäftsmann Morris Talansky "ungenehmigt" über einen langen Zeitraum "bedeutende Summen".

Die Vorwürfe des Justizministeriums, ausgerechnet am Tag der Jubiläumsfeiern zur Gründung des Staates Israel vor 60 Jahren, bringen Olmert massiv in Bedrängnis. Beobachter schließen einen Rücktritt des Regierungschefs und vorgezogene Neuwahlen nicht aus. In einer Ansprache an die Nation wies Olmert die Vorwürfe hingegen zurück und beteuerte seine Unschuld: "Bürger Israels, ich sehe Ihnen in die Augen und sage Ihnen ohne Umschweife: Ich war niemals bestechlich. Ich habe nie einen Cent für mich selbstverwendet." Sollte die Justiz Anklage erheben, "werde ich zurücktreten", sagte Olmert.

Bei Olmerts mutmaßlicher Geldquelle handelt es sich um den jüdischen Geschäftsmann Talansky. Der 75-Jährige soll nach Angaben der Ermittler Olmerts Wahlkampf zum Bürgermeister von Jerusalem 1993 illegal unterstützt haben; außerdem soll Olmert auch 1998, 1999 und 2002 Geld von Talansky erhalten haben. Insgesamt seien mehrere hunderttausend Dollar an Olmert geflossen. Olmert beteuert, die Geldquellen seien nicht illegal gewesen.

Opposition fordert Neuwahlen