Die Dudelfunker von NDR 1 Radio Niedersachsen waren bislang nicht für knallharte Recherchen aus der Hauptstadt bekannt. Deshalb hatte das politische Berlin auch schnell abgewunken, als am Mittwoch aus der norddeutschen Provinz vermeldet wurde, die K-Frage der SPD sei praktisch entschieden, der Vorsitzende Kurt Beck lasse dem Außenminister und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier den Vortritt. Zudem werde die Verkündung dieser Entscheidung vorgezogen; nicht erst am Jahresende, sondern bereits vor der parlamentarischen Sommerpause solle der Kanzlerkandidat der SPD für die Bundestagswahl im September 2009 gekürt werden.

Das Dementi der beiden Kandidaten folgte prompt, und es klang durchaus nachvollziehbar. Nichts ist offenbar entschieden, und auch von einem Vorziehen der Entscheidung kann keine Rede sein. Nicht einmal zwischen Beck und Steinmeier sei diese Frage geklärt, versichern Sozialdemokraten, die nahe an den beiden Kontrahenten dran sind. Selbst darüber, was Beck will oder wollen könnte, rätseln viele Parteifreunde.

Auf der anderen Seite hat sich auch Steinmeier bislang noch nie öffentlich zu der Frage geäußert, ob er die Kanzlerkandidatur überhaupt anstrebt. Die Lage in der SPD ist also weiterhin völlig unübersichtlich.

Trotzdem wabert die K-Frage in diesen Tagen wieder durch die Reihen der Sozialdemokraten, die Partei ist nervös. Die Lager belauern und bekämpfen sich, und man darf die Gerüchte, die da in der Wochenmitte von NDR 1 verbreitet wurden, getrost als weiteren unlauteren Versuch werten, Beck zu zermürben und ihn als Kanzlerkandidaten zu verhindern. Viele seiner Gegner in der Partei werden dabei gar nicht mehr von der Frage getrieben, wie und mit wem gewinnen wir die nächste Wahl, sondern: Wie verhindern wir Kurt Beck?

Aber von einem Wahlerfolg ist die SPD derzeit ja sowieso weit entfernt. Trotzdem wächst der innerparteiliche Druck, die K-Frage zu klären.