Gewerkschaft Transnet-Chef wechselt die Seiten

Der Chef der Gewerkschaft Transnet, Hansen, hat seinen Rücktritt erklärt - und stößt auf massive Kritik. Er wird künftig als Arbeitsdirektor für die Deutsche Bahn AG arbeiten.

Norbert Hansen, wird auf seinem Weg zum Bahnvorstand von einer Welle der Entrüstung begleitet. "Das stinkt zum Himmel", sagte der Grünen- Verkehrsexperte Winfried Hermann der Frankfurter Rundschau . Die Personalie erkläre auch, "warum Hansen und seine Gewerkschaft jahrelang so handzahm mit dem Bahn-Vorstand zusammengearbeitet hat". Im Grunde habe Transnet "gewerkschaftliche Interessen verraten".

Der neue Bundesvorsitzende der Konkurrenzgewerkschaft der Deutschen Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, sprach vom "Ergebnis einer konsequenten Politik". Hansen habe die Fortsetzung der Beschäftigungssicherung bei der Bahn bis 2023 ohne jeglichen Inhalt
als Erfolg verkauft und jetzt wechsele er in einen gut dotierten Job zur Arbeitgeberseite.

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Der Wechsel von Hansen steht kurz vor dem geplanten Börsengang der Bahn bevor. Hansen schilderte am Donnerstag: "Ich bin vom Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG und aus Kreisen der Politik gefragt worden, ob ich als Arbeitsdirektor zur Verfügung stehen würde."

Der SPD-Linke Björn Böhning sagte der Frankfurter Rundschau , für ihn sehe das "nach einer unschönen Verquickung von persönlichen und politischen Interessen aus". Der FDP-Verkehrspolitiker Horst Friedrich sprach von einer "Belohnung für die Haltung, die Herr Hansen bisher gegenüber der Deutschen Bahn eingenommen hat". Hansen verbinde ein "weit über das normale Maß hinausgehendes Vertrauensverhältnis" mit Bahn-Chef Hartmut Mehdorn.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer nannte Hansens Verhalten in der
Hannoverschen Allgemeinen Zeitung "schamlos". Ähnlich äußerte sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Niels Annen. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea
Nahles rügte in der Berliner Zeitung : "Dieser einmalige  Vorgang wirft einen Schatten auf die gesamte Bahnreform."

Das privatisierungskritische Bündnis "Bahn für alle", das auch die Gewerkschaften ver.di und IG Metall unterstützen, warf Hansen vor, der Vorstandsposten sei sein Motiv gewesen, die Privatisierung zu betreiben.

Leser-Kommentare
  1. "Der Geschäftsführende Transnet-Vorstand habe seine Entscheidung begrüßt und werde die Ernennung durch den Aufsichtsrat unterstützen." Ich glaube, die Eisenbahner brauchen nicht einfach einen neuen Kopf, sondern eine komplett neue Gewerkschaft als Interessenvertreter. Außerdem müssen sich die Transnet-Mitglieder auch nach ihrer Verantwortung fragen lassen, die Hansen mit 93% der Stimmen gewählt haben, denn dieser Wechsel kam keineswegs überraschend.

  2. Die Verräter Na, Verräter eigentlich nicht. Ein Verräter, das ist doch ein Mann, der hingeht und seine Freunde dem Gegner ausliefert, sei es, indem er dort Geheimnisse ausplaudert, Verstecke aufzeigt, Losungsworte preisgibt ... und das alles bewußt ... nein, Verräter sind diese da nicht. Die Wirkung aber ist so, als seien sie welche, doch sind sie anders, ganz anders.Da wird man vom Vertrauen der Parteigenossen ausgesandt, mit dem bösen Feind zu unterhandeln, sozusagen die Arbeiter zu vertreten, die ja inzwischen weiterarbeiten müssen. Und die erste Zeit geht das auch ganz gut. Geld ... ach, Geld ... wenn die Welt so einfach wäre. Geld ist zunächst gar nicht zu holen. Der Arbeiterführer bleibt Arbeiterführer; leicht gemieden von den Arbeitgebern, merkwürdiges Wort, übrigens. Nein, nein, man bleibt ein aufrechter Mann.Aber im Laufe der Jahre, nicht wahr, da sind so die langen Stunden der gemeinschaftlichen Verhandlungen an den langen Tischen: man kennt einander, die Gemeinsamkeit des Klatsches eint, und es wird ja überall so viel geklatscht. Nun, und da stellt sich so eine Art vertraulicher Feindschaft heraus.Kitt ist eine Sache, die bindet nicht nur; sie hält auch die Steine auseinander. Zehn Jahre Gewerkschaftsführer; zehn Jahre Reichstagsabgeordneter; zehn Jahre Betriebsratsvorsitzender – das wird dann fast ein Beruf. Man bewirkt etwas. Man erreicht dies und jenes. Man bildet sich ein, noch mehr zu verhüten. Und man kommt mit den Herren Feinden ganz gut aus, und eines Tages sind es eigentlich gar keine Feinde mehr. Nein. Ganz leise geht das, unmerklich. Bis jener Satz fällt, der ganze Reihen voller Arbeiterführer dahingemäht hat, dieser infame, kleine Satz: »Ich wende mich an Sie, lieber Brennecke, weil Sie der einzige sind, mit dem man zusammenarbeiten kann. Wir stehen in verschiedenen Lagern – aber Sie sind und bleiben ein objektiver Mann ... « Da steckt die kleine gelbe Blume des Verrats ihr Köpfchen aus dem Gras – hier, an dieser Stelle und in dieser Stunde. Da beginnt es.Der kleine Finger ist schon drüben; der Rest läßt nicht mehr lange auf sich warten, »Genossen«, sagt der Geschmeichelte, »man muß die Lage von zwei Seiten ansehn ... « Aber die Genossen verstehen nicht recht und murren: sie sehn die Lage nur von einer Seite an, nämlich von der Hungerseite. Und was alles Geld der Welt nicht bewirkt hätte, das bewirkt jene perfide, kleine Spekulation auf die Eitelkeit des Menschen: er kann doch die vertrauensvollen Erwartungen des Feindes nicht enttäuschen. Wie? Plötzlich hingehn und sagen: Ja, die Kollegen billigen das nicht, Krieg muß zwischen uns sein, Krieg und Kampf der Klassen, weil wir uns ausgebeutet fühlen ... ? Unmöglich. Man kann das unmöglich sagen. Es ist zu spät.Und dann geht es ganz schnell bergab. Dann können es Einladungen sein oder Posten, aber sie müssen es nicht sein – die schlimmsten Verräterein auf dieser Welt werden gratis begangen. Dann wird man Oberpräsident, Minister, Vizekönig oder Polizeipräfekt – das geht dann ganz schnell. Und nun ist man auch den grollenden Zurückgebliebenen, die man einmal vertreten hat und nun bloß noch tritt, so entfremdet – sie verstehen nichts von Realpolitik, die Armen. Nun sitzt er oben, gehört beinah ganz zu jenen, und nur dieses kleine Restchen, dass sie ihn eben doch nicht so ganz zu den Ihren zählen wollen, das schmerzt ihn. Aber sonst ist er gesund und munter, danke der Nachfrage.Und ist höchst erstaunt, wenn man ihn einen Verräter schilt, Verräter? Er hat doch nichts verraten! Nichts – nur sich selbst und eine Klasse, die zähneknirschend dieselben Erfahrungen mit einem neuen beginnt.[Bitte kennzeichnen Sie Zitate deutlich als solche. /Die Redaktion pt.]

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