Feminismus

Post-Girlies gegen Alt-Achtundsechziger

Die Frauenbewegung hat sich in Lager gespalten - ein sicherer Weg, den Einsatz für mehr Gleichberechtigung zu unterminieren

Im Streit mit jungen Feministinnen: Alice Schwarzer, Herausgeberin der Zeitschrift Emma

Im Streit mit jungen Feministinnen: Alice Schwarzer, Herausgeberin der Zeitschrift Emma

Er wird immer wieder gern bemüht, der sogenannte Generationskonflikt zwischen Alt-Achtundsechzigern und jungen Spaßgesellschaftsanhängern. Zurzeit wird er zwischen den Frauenrechtlerinnen der "ersten" Generation und denen der "dritten Welle" heraufbeschworen.

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Tatsächlich haben sich die Autorinnen Meredith Haaf - Jahrgang 1983 -, Susanne Klinger (1978) und Barbara Streidl (1972) in ihrem unlängst erschienenen Buch Wir Alphamädchen mit dem für die Älteren durchaus provozierenden Untertitel "Warum Feminismus das Leben schöner macht" von der 1942 geborenen Alice Schwarzer abgegrenzt. Auch Jana Hensel - Jahrgang 1976 - und Elisabeth Raether (1979) äußern sich in ihrem Werk Neue deutschen Mädchen skeptisch über Schwarzer. Während die "Alphamädchen" ihre Omnipräsenz beklagen, sind Hensel und Raether von der thematischen Ausrichtung Schwarzers abgeschreckt. Ihrer Meinung nach kapriziere sie sich nur noch auf die Dauerbrenner Pornografie und Prostitution sowie auf die Unterdrückung der Frau im Islam.

Die beiden finden viele böse Worte für Schwarzer, die ihrer Meinung die Belange von Frauen der jüngeren Generation nicht mehr vertritt: "Die Zeit hat sie eingeholt, ihre Rhetorik ist oll, Alice Schwarzer und ihre Frauen sind Historie geworden." Schwarzer auf der anderen Seite wehrte sich nicht weniger scharf in ihrer Rede zum Erhalt des Ludwig-Börne-Preises in der Frankfurter Paulskirche. Bei den Jüngeren sieht sie einen "Wellness-Feminismus" am Werk; die Protagonistinnen dieser "Post-Girlie-Welle" nimmt sie nicht ernst.

Die "Alphamädchen" gaben zurück: "Wenn Wellness-Feminismus bedeuten soll, dass wir uns eine Gesellschaft wünschen, in der wir uns wohlfühlen, dann trifft diese Bezeichnung durchaus zu." Auch wenn Schwarzer angegriffen wurde, überrascht ihre kategorische Ablehnung der Jüngeren: Denn sie selbst spricht seit Jahr und Tag davon, dass die Spaltung von Frauen in verschiedene Lager schon immer die effektivste Strategie gewesen sei, den Einsatz für mehr Gleichberechtigung zu unterminieren.

Mit gutem Grund hätte Schwarzer den "Mädchen", die fast alle über 30 Jahre alt sind, antworten können, dass diese ihre Bücher offenbar nicht kennen. Denn Schwarzer hat sich auch und gerade in jüngster Zeit mitnichten "nur" mit den Themen Prostitution, Pornografie und der Stellung der Frau im Islam befasst.

 
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Leser-Kommentare

    • 20.05.2008 um 19:53 Uhr
    • Zynix

    Was in allen anderen Bereichen das Selbstverständlichste überhaupt ist, muss hier als Erklärung für das Scheitern herhalten: der Pluralismus.Egal ob Politik, Wirtschaft, Umweltschutz, Weltfrieden... wenn alle einer Meinung wären, käme man weiter. Das dem nicht so ist liegt aber an der einfachen Tatsache, dass man zunächst mal die Richtung bestimmen muss, in die man will bevor man gemeinsam im Gleichschritt losmaschiert. Dabei sollte man noch beachten, dass wenn alle in die gleiche Richtung laufen wollen, sie doch nur gemeinsam gehen, wenn sie vom gleichen Ausgangspunkt aus starten. Da unsere Gesellschaft aber ein sehr heterogenes Gebilde ist...

  1. wenn das einzige "Baby" nur eine Zeitschrift ist (EMMA) und es keine richtigen Kinder gibt, dann pflanzt man sich nicht fort. So einfach ist das mit dem 68er Feminismus.Laßt uns ein Beispiel an unseren islamischen Mitbürgern, DIE pflanzen sich fort und pfeifen auf den Feminismus.

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    Kleine Nachfrage   kinderklau.net

    Sorry für die Nachfrage: Ist das jetzt der Aufruf zu ungehemmtem Sex oder nur das übliche islamfeindliche Rumgetrolle, das neuerdings so in Mode ist?

  2. Den Verlust des Sitzplatzes auf dem einzigen Stein der Weisen gönne ich den Alt-Feministinnen von Herzen. Haben die Neuen Girlies recht? Natürlich nicht. Aber das nachdenken und nachfragen macht vermutlich wieder mehr Spaß. Hoffe ich.

  3. Sorry für die Nachfrage: Ist das jetzt der Aufruf zu ungehemmtem Sex oder nur das übliche islamfeindliche Rumgetrolle, das neuerdings so in Mode ist?

    Antwort auf "Ist doch logisch,"
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    ... besonders   AliceMeinbauch

    bei EMMA sehr in Mode ist.

  4. bei EMMA sehr in Mode ist.

    Antwort auf "Kleine Nachfrage"
  5. "Auch wird Alice Schwarzer grundsätzlich
    missverstanden, wenn es um Pornografie geht: Sie ist nicht gegen jede Form von
    Pornografie, sondern lediglich gegen bestimmte Gewaltfilme."

    Das ist einfach nicht wahr, tatsächlich schrieb sie sogar:
    „So ist es der neuste Gag in Herrenmagazinen, Sportlerinnen auszuziehen. Der
    moderne Mann begnügt sich nicht mir der Erniedrigung der schwachen Frau, er
    will die starke Frau in die Knie zwingen“
    (Schwarzer, Alice. Der große Unterschied. Köln 2000. S.238)

    Für Schwarzer ist nicht nur jede Form von Pornografie ein Problem,
    sondern jegliche erotische Darstellung einer Frau wird als Erniedrigung dieser
    gesehen. Dasselbe ergibt sich auch für Kleidung die freizügig ist, ob nun
    aufgrund von sommerlichen Temperaturen oder um der Selbstdarstellung willen,
    der Minirock ist für sie: „ viel zu dürftiger Rahmen für maximal nacktes Beinfleisch,
    das wie eine Schnellstraße zwischen die Beine führt“ „...die Blicke der Männer,
    die solchen Miniröcken hinterher gucken sind entsprechend.“ (Schwarzer, Alice. Der große Unterschied. Köln 2000.
    S.234) Das Hauptproblem Alice Schwarzers (und der Grund warum ich
    sie so fürchterlich unsympathisch finde) ist die Tatsache, dass sie es nicht
    bei politischen Forderungen belässt (die ich größtenteils für sinnvoll halte).
    Sondern in sich in grauenhaft polemischer Weise in die Privatsphäre der
    Menschen einmischen muss. Des Weiteren halte ich ihre Einstellung in Bezug auf
    Sexualität und Pornografie auch in sofern für problematisch, dass sie nahezu
    eine Einladung darstellt, eine veraltete, konservative Sexualmoral über die
    Hintertür des Feminismus wieder einzuführen. Es muss nicht sein, dass CSU
    Politiker die versuchen eine Frau aus ihrer Partei zu mobben, weil sie ein paar
    Fotos mit Spülhandschuhen von sich machen lassen hat, auch noch Unterstützung
    von Deutschlands bekanntester Feministin bekommen.

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    für oder gegen Porno ist, kann einen egal sein, solange es Damen gibt, insbesondere auch gebildete, die mit einen Spaß daran haben und das nicht zu knapp. Es gibt auch zahlreiche sog. einfachere weibliche Gemüter, die sich davon an/erregen lassen. Auch von sog. typischem Männerporno.

    Spaß bei Seite. Ich bin der Meinung, die Frauenbewegung sollte sich tatsächlich nicht auseinander dividieren, sondern die unterschiedlichen Sichtweisen aushalten und sich im Diskurs, auch im Widerstreit weiter entwickeln. Nicht nur für Fraue, sondern auch für Männer kann das nur von Vorteil sein

    Nur ergänzend   AliceMeinbauch

    Schwarzer verwendet im Zusammenhang mit der Art, wie sich junge Frauen kleiden, auch gern den Begriff "Nuttenmode". Oder wie sagt der gemeine Mitbürger mit Migrationshintergrund: "deutsche Schlampen".

  6. für oder gegen Porno ist, kann einen egal sein, solange es Damen gibt, insbesondere auch gebildete, die mit einen Spaß daran haben und das nicht zu knapp. Es gibt auch zahlreiche sog. einfachere weibliche Gemüter, die sich davon an/erregen lassen. Auch von sog. typischem Männerporno.

    Spaß bei Seite. Ich bin der Meinung, die Frauenbewegung sollte sich tatsächlich nicht auseinander dividieren, sondern die unterschiedlichen Sichtweisen aushalten und sich im Diskurs, auch im Widerstreit weiter entwickeln. Nicht nur für Fraue, sondern auch für Männer kann das nur von Vorteil sein

  7. Schwarzer verwendet im Zusammenhang mit der Art, wie sich junge Frauen kleiden, auch gern den Begriff "Nuttenmode". Oder wie sagt der gemeine Mitbürger mit Migrationshintergrund: "deutsche Schlampen".

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