Bahn-Reform "Hansen muss das richtig stellen"
Die Äußerungen des neuen Arbeitsdirektors der Bahn und früheren Transnet-Chefs, Norbert Hansen, sorgen im Gewerkschaftslager für Wirbel. Ein Interview mit Klaus-Dieter Hommel, Chef der Gewerkschaft GDBA
ZEIT online:
Herr Hommel, noch vor wenigen Tagen waren sie angesichts des Wechsels ihres Transnet-Kollegen Norbert Hansen in den Personalvorstand der Deutschen Bahn der Ansicht, dass – Zitat – „das Herz von Norbert Hansen auch künftig für die Arbeitnehmer schlägt“. Müssen Sie nun Ihre Meinung ändern?
Klaus-Dieter Hommel:
Dazu muss ich erstmal mit ihm selbst reden. Ich bin jedoch sehr verwundert, dass der Kollege zu diesem Zeitpunkt von Personalabbau und Steigerung der Effizienz spricht. Dafür gibt es keine Grundlage. Hier wird ein Ton angeschlagen, der zur Unzeit kommt und völlig unnötig ist. Herr Hansen muss seine Position sehr schnell richtig stellen.
ZEIT online:
Hatte Hansen vielleicht ein strategisches Interesse? Etwa, weil er klar machen will, auf welcher Seite er jetzt steht?
Hommel:
Nach all meinen Gesprächen kann ich keine mit dem Bahn-Vorstand abgestimmte Strategie erkennen. Dafür ist es auch noch zu früh. Meiner Meinung nach war der Vorstoß einfach ungeschickt. Wenn man seine Forderungen als Arbeitsdirektor durchsetzen will, dann geht das nicht ohne Gewerkschaften und Betriebsräte. Das weiß Hansen auch. Das Schlimme ist, dass er so Unruhe im Unternehmen schürt, die völlig unnötig ist.
ZEIT online:
Erst gestern wurde die Teilprivatisierung der Bahn von zunächst 24,9 Prozent des Unternehmens beschlossen. Jetzt bringt Hansen auf einmal eine Obergrenze von 49,9 Prozent ins Spiel. Woher kommt der Sinneswandel?
Hommel:
Die Position von Transnet und GDBA war schon immer, dass der Bund mehrheitlicher Eigentümer der Bahn bleiben muss. Erst später hat die SPD sich darauf geeinigt, vorerst nur 24,9 Prozent an die Börse zu bringen. Doch schon beim Bundestagsbeschluss ist dieser Kompromiss aufgeweicht worden. Auch in unserem nun beschlossenen Tarifvertrag steht die 24,9 Prozent nicht drin. Von einem Sinneswandel kann deshalb keine Rede sein. Wichtig ist, dass der Bund mindestens die Hälfte der Bahn behält.
ZEIT online:
Hansen spricht auch von einem weiteren möglichen „Personalabbau“. Viele Medien haben daraufhin geschrieben, Bahn-Chef Mehdorn habe ihn zurückgepfiffen, obwohl der nur „betriebsbedingte Kündigungen“ bis zum Jahr 2023 ausgeschlossen hat. Was sollen die Mitarbeiter nun glauben?
Hommel:
Es wird in Zukunft auch bei der Deutschen Bahn technische Rationalisierungen geben. Zum Beispiel wenn ein neues Computersystem eingeführt wird und dadurch weniger Mitarbeiter benötigt werden. Das bedeutet aber nicht „Personalabbau“. Der Begriff ist völlig überzogen, es wird niemand entlassen. Dafür haben wir eine Vereinbarung mit der Bahn bis 2023 geschlossen.
ZEIT online:
Dennoch wird der Wettbewerb mit der Teilprivatisierung wachsen, und damit auch der Druck auf die Deutsche Bahn, wettbewerbsfähiger zu werden. Ist da Personalabbau zu einem bestimmten Grad nicht unvermeidbar?
Hommel:
Moment. Der Wettbewerb wird vielleicht dazu führen, dass die Deutsche Bahn den einen oder anderen Auftrag – etwa im Regionalverkehr – verlieren wird. Das heißt aber nicht, dass Personal abgebaut werden muss. Die Deutsche Bahn AG ist durchaus in der Lage, Mitarbeiter auch woanders einzusetzen. Zum Beispiel im Fernverkehr, wo es wachsende Passagierzahlen gibt und heute schon Personalmangel herrscht.
ZEIT online:
Die Frage war eher, ob die Bahn nicht zwangsläufig rationalisieren muss, um über überhaupt mithalten zu können, wenn sie mit den Privaten konkurrieren will.
Hommel:
Über dieses Thema reden wir doch schon seit fast 15 Jahren. Wir haben seither einen harten Sanierungsprozess mitgemacht, dafür wurden wir auch scharf kritisiert. Alle Gewerkschaften haben Tarifverträge abgeschlossen, in denen die Mitarbeiter auf Entgelt verzichtet haben – wenn auch in Verbindung mit moderaten Lohnsteigerungen. Die Mitarbeiter haben bereits die Voraussetzung geschaffen, dass die Bahn wettbewerbsfähig sein kann. Wenn jetzt Herr Hansen kommt und sagt, den Prozess müssten wir weiter vorantreiben, dann kann ich nur antworten: das geht nicht. Der Spielraum für Einsparungen ist weitgehend erschöpft. Die Beschäftigten arbeiten bereits an der Leistungsgrenze.
ZEIT online:
Bleiben Sie denn angesichts seiner Äußerungen dabei, dass Norbert Hansen bei seinem Wechsel in den Bahnvorstand in keinem Interessenskonflikt gestanden hat? Immerhin hat er in den vergangenen Wochen gleich zwei Verhandlungen geführt: eine mit dem Bahnvorstand über die Beschäftigungssicherung, eine mit Politikern und Aufsichtsräten über einen Wechsel in genau diesen Vorstand.
Hommel:
Dass will ich ihm nicht unterstellen. Hätte er interessengeleitet gehandelt, hätte sich Herr Hansen mit den tarifvertraglichen Vereinbarungen der vergangenen Tage einen Bärendienst erwiesen. Denn die würden ihn nun bei seinen heute geäußerten Plänen als Arbeitsdirektor behindern. Klar ist doch auch, dass man ihn so kritisch beobachten wird wie keinen seiner Vorgänger. Auch deshalb war es ungeschickt, solch komplexe Fragen in ein paar Sätzen in der
BILD
-Zeitung abzuhandeln.
ZEIT online:
Werden sich durch Hansens Wechsel die Fronten zwischen den Gewerkschaften und der Bahn verhärten?
Hommel:
Ich bin dafür, Personen und Politik zu trennen. Entschieden wird immer noch in den Gremien. Wir müssen klar machen, dass unsere Politik der vergangenen Jahre nicht falsch war, nur weil Hansen jetzt zur Bahn wechselt. Wir müssen diesen spektakulären Wechsel aufarbeiten und die politisch richtigen Schlüsse daraus ziehen. Dass das angesichts dieses Auftakts nicht leicht ist, liegt auf der Hand.
ZEIT online:
Aus der Gewerkschaft Transnet ist zu hören, dass die Basis in heller Aufregung ist. Wie sieht es bei ihnen aus?
Hommel: Natürlich gibt es ein großes Unverständnis. Viele Mitglieder wissen jetzt nicht mehr, was sie glauben sollen. Einige, wenige Mitglieder sind ausgetreten, weil wir mit Transnet kooperiert haben, andere sind von der Transnet zu uns hinüber gewechselt. Ich hatte gehofft, dass wir nach der jüngsten Tarifauseinandersetzung wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen und zur Tagespolitik zurückfinden. Es ist wichtig, dass wir jetzt die Emotionen so schnell wie möglich wieder einfangen.
Das Gespräch führte
Philip Faigle.
- Datum 16.05.2008 - 09:35 Uhr
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Wenn die Wirtschaft sich erwiesenermaßen Gewerkschaftsvorstände und ganze Gewerkschaften least, dann muß man sich die Frage stellen, in weit weit ebenfalls Abgeordnete oder Institutionen des Staates auf deren Gehaltsliste geführt werden._______________________________________________________
EU: Staatsstreich durch Ermächtigungsvertragsverordnung
http://www.welt.de/welt_p...
Im Interesse des Bundestages und der Beteiligten des Börsenganges der Deutschen Bahn liegt es, Eindeutigkeit herbeizuführen. Eindeutigkeit bedeutet, Abbrechen des Börsenganges und Verbleib des Unternehmens in Bundeshand.
Nach dem Wechsel von Herrn Hansen setzt sich jeder Abgeordnete dem Verdacht aus, wissentlich gegen die Interessen der Arbeitnehmer gehandelt zu haben. Also nicht Schaden abgewendet, sondern herbeigeführt zu haben.
Das wäre Bruch des Eides.
Schande für Eidbrecher.
Im Fall Hansen sehe ich eine ganz gefährliche Entwicklung. Wir sind in der letzten Zeit damit konfrontiert worden, dass Betriebsräte korrumpiert werden, indem sie auf Firmenkosten Puffbesuche abrechnen durften und recht plötzlich auch Managergehälter beziehen (und kein Mensch der Welt kann mir erzählen, dass man dann noch völlig unabhängig die Interessen der Arbeitnehmer vertreten kann) oder gleich ganze Gewerkschaften gekauft werden.
Siehe auch dieses aufschlussreiche Beispiel, wer es bisher nicht mitbekommen hat:
http://www.swr.de/report/-/id=233454/nid=233454/did=3220422/1hwd30t/index.html
Jetzt wird also der Ex-Gewerkschaftsführer Hansen Personalchef im gleichen Unternehmen.
Wie er sich damit schon im vorrauseilendem Gehorsam hat korrumpieren lassen, zeigt er – kaum im Amt – indem er gleich los lässt, dass bei der Bahn mit Personaleinsparungen gerechnet werden muss und Lokführer ja mal nebenbei den Müll in ihrem Zug aufräumen können. Offensichtlich absurderweise noch nicht mal mit seinem neuen/alten Chef Mehdorn abgesprochen (wobei ich mir nicht so sicher bin. Mehdorn kann sich wegen dieses Coups wirklich die Hände reiben: als harter Hund bekannt, kann er sich jetzt schön im Hintergrund halten, denn er hat ja einen neuen Kettenhund, der schon richtig gut kläfft)
Man darf sich dann auch noch solche dumm-dreisten Kommentare anhören, wie als Gewerkschaftler hatte er ja auch mit Entlassungen zu tun.
Sicherheitshalber unterschlägt man dabei, dass es einem Gewerkschaftler darum geht (gehen sollte, sollte ich wohl langsam besser schreiben), möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, einem Unternehmen darum geht, möglichst viele zu streichen.
Aber mit solchen kleinlichen Unterscheidungen muss man sich jetzt nicht mehr beschäftigen, wenn man das große Geld verdient.
Alle Beteiligten sollten sich klar darüber werden, dass solche Vorkommnisse in bestimmten, nicht zu vernachlässigenden Bevölkerungsgruppen zu riesigen Vertrauensverlusten führt.Davon abgesehen, dass man dann über kurz oder lang die Tarifautonomie in die Tonne hauen kann.
Sie funktioniert nur bei etwa gleich starken und unabhängigen Partnern.
Es geht weder um das Wohl des Volkes, des Staates der Bahn oder irgendeines Kunden - sondern um die Frage:Wer verdient bei und an der Privatisierung?Immer wieder ist dabei die Rede von dreistelligen Millionenbeträgen, die für die "gesponsorten" - wohl eher gekauften - Befürworter direkt und indirekt ausgeschüttet werden.Herr Hansen war schon lange als Mehdorns U-Boot bei Transnet unterwegs und bekommt jetzt seinen Judas-Lohn. Bei vielen anderen läuft das unauffälliger, da diese eher indirekt involviert sind und hinter den Kulissen die Fäden ziehen - die gut bezahlten Verflechtungen bis in höchste Politikspitzen und den Niederungen der Abgeordneten sind aber natürlich vorhanden und zeigen die gewollte Wirkung. Der Einstieg ist geschafft.Gegen das Volk und gegen jede volkswirtschaftliche Notwendigkeit und/oder Einsicht.Die Folgen werden wir alle zu spüren bekommen durch Arbeitsplatzverluste, Lohndumping, noch weniger Service bei höheren Preisen und reduzierten Netzen, abgewirtschaftetem rollenden Material und verschliessenem Netz, wo die Unfallzahlen rapide steigen werden.Irgendwann wird der Bund dann das alles erheblich teuerer und totalsanierungserforderlich wieder zurückkaufen müssen - was die bekannten Beispiele der Briten und Australier schon zeigten.Und wer bezahlts dann noch einmal? Dreimal dürfen wir raten.
In diesen Tagen wird oft darauf verwiesen, daß es nicht das erstemal ist, daß ein Gewerkschafter in den Vorstand rückt. Zwischen den Zeilen ist dann zu lesen, das ist Normal, man soll sich darüber nicht aufregen.
Ich rege mich darüber aber auf!
Warum wird ein solcher Posten denn mit einem Gewerkschafter besetzt? Damit der Funktionär seine Beziehungen nutzt, um seine ehemaligen Kollegen bei harten Einschnitten ruhig zustellen. Gleichzeitig wird dadurch die gesamte Gewerkschaft diskreditiert. Eine perfekte Methode die Mitglieder zu vergraulen. Die Einwand, ein ehemaliger Gerwerkschafter würde stärker auf Arbeitnehmerinterressen berücksichtigen, hat sich als Unsinn erwiesen. Wenn man den ganzen Tag von Vorstandmitgliedern umgeben ist, übernimmt man irgendwann auch die Denkweise. Bei Herrn Hansen hat das sehr schnell funktioniert...
Eigentlich ist in den vorigen Kommentaren bereits alles gesagt worden.
Die Mär vom "Gewerkschafter mit Leib und Seele" kann meiner Ansicht nach dem "Fall Hansen" endgültig begraben werden.
Er hat mit seinem Handeln die gesamte Gewerkschaftsbewegung dieses Landes diskreditiert.
Wem von den Gewerkschaftsbossen soll man noch vertrauen?
Eigentlich bin ich bei einem solchem Verhalten nur noch sprachlos....
... des Lied ich sing. Welch wundersame Wandlung geht da in einem Gewerkschafter vor, der -kaum die Seite gewechselt- nun so ganz anders funktioniert. Ich hatte seinerzeit recht wenig Verständnis für die GdL. Nun muss ich bekennen, dass ich ihr in der Auseinandersetzung mit dem neuen "Arbeitsdirektor" viel Kraft und Erfolg wünsche.
hach, sie sind mir zuvorgekommen. zweiter ist auch nicht schlecht. ich denk mein satz ergänzt das prächtig und läßt auch Politiker aller couleur nicht aus, die z.b. gestern noch für menschenrechte gevespert oder zigaretten veteufelt haben. gelb-, grün-, rot- und auch schwarzärgern können wir uns. ein hoch auf unsere durchlässige gesellschaft. ich denk aber, wir lassen zuviel durch(gehen). fett schwimmt oben. wie weise ist doch der volksmund.
hach, sie sind mir zuvorgekommen. zweiter ist auch nicht schlecht. ich denk mein satz ergänzt das prächtig und läßt auch Politiker aller couleur nicht aus, die z.b. gestern noch für menschenrechte gevespert oder zigaretten veteufelt haben. gelb-, grün-, rot- und auch schwarzärgern können wir uns. ein hoch auf unsere durchlässige gesellschaft. ich denk aber, wir lassen zuviel durch(gehen). fett schwimmt oben. wie weise ist doch der volksmund.
Nun, nach langem "Hü und Hott" errichtete der Bahnaufsichtsrat den Privat-Milliarden-Börsen-Schnuppeer-Pott. Die Koalition schmiedete eine Teilprivatisierung von 24,9 Prozent. Das Ganze der Aufsichtsrat einen "ersten Schritt" nennt. Ob die jetzt in Szene zu setzende Teilpirvatisierung die erhofften Milliarden beschert?
2009 wird Mehdorn lauthals verkünden, was die politische Vorsicht war wert. Die neue Holding und Tochterges. in Personalunion werden geführt. Mehdorn bis auf weiteres hierfür ist schon "gekürt".
Bei der Berufung von Ex-Transnet-Chef Hansen als Konzern-Holdings-Arbeitsdirektor war unüberhörbar der Resonanz-Bednekn-Chor!
Und dieser Chor sollte auch Recht behalten. Dem Hansen gehören aktuell die Medienspalten wegen seiner Ansichten über einen zukünftigen Personalabbau und das Lokführer-Arbeitsverhalten. Mehdorn verärgert die Hansen-Phrasen-Fransen dementiert. Derweil Hansen seinen neuen Posten ohne Augenmaß goutiert.
Dieses überaus vorschnelle Vorpreschen in der Art eines "Hoppla, hier bin ich, um das, was sein muss, verbindlich zu verkünden!" muss nicht nur von "Transnetlern" als Ergebnis frühzeitiger Kollaboration in Sachen Bahnprivatisierung mit HM (Börsengang) nachempfunden werden.
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