Mein Traum Der Felsen im Wasser
Eine Frau sieht ihren Mann als Eremiten in der Wüste. Die Psychotherapeutin Ortrud Grön analysiert die Traumbilder

© Silke Meyer/ www.nachtcollage.de
Vorbemerkung von Ortrud Grön:
Sie werden bei den Antworten zu den Träumen sehen, dass ich nicht in der Lage bin, die seelische Situation des Träumenden konkret zu benennen. Dazu sind persönliche Gespräche erforderlich. Ich kann Ihnen hier nur den Weg in die Selbsterkenntnis bahnen. Das aber kann ich aufgrund der Bilder und ihrer objektiven Bedeutung.
Meine Bereitschaft, auch ohne persönliche Gespräche mit den Träumenden etwas zu den Träumen zu sagen, entspricht meinem Bedürfnis, Menschen wieder mit der Gleichniskraft der Bilder unserer Welt vertraut werden zu lassen - eine Fähigkeit, die in der heutigen Zeit weitgehend verloren gegangen ist.
Traum: Der Fels in der Wüste
Ich sehe in einer Wüste in vielleicht 50 Metern Entfernung meinen Mann stehen. Er steht dort wie ein Eremit in Unterhosen, braun und abgemagert mit wirrem langem Haar. Mein 15-jähriger Sohn und ich versuchen daraufhin, ihn "einzufangen" von zwei Seiten kommend: Ich habe eine Kuchengabel in der Hand und nehme auch noch einen Haufen Sand in die andere Hand, denn mein Mann fängt an, mit Sand um sich zu schmeißen.
Als ich schon sehr nahe gekommen bin, trete ich auf einen Felsblock, der im Sand steckt. Dieser Felsbrocken bewegt sich daraufhin und erhebt sich und mich in schwindelnde Höhen und wird zu einem Felsen im Wasser. Die Wasseroberfläche liegt weit unter mir.
Ich schaue ins Wasser und sehe große Fische: wahrscheinlich Haie, denke ich. Als ich länger schaue, sind es Vögel geworden, die unter Wasser nach Futter picken. Ich denke mir, dass Vögel ja auch den Fischen ähnlich seien.
(weiblich, keine Altersangabe)
Anmerkungen der Träumerin:
Ich bin mit einem Gefühl starker schicksalhafter Einsamkeit aufgewacht und mit dem Gefühl, mein Leben überdenken zu müssen. Schon seit längerer Zeit lebe ich in einem starken Widerspruch zwischen meiner Gedankenwelt und meinen Handlungen. Ich lebe in einer schwierigen Ehe, aber gebe vor, dass alles in Ordnung ist. Ich flüchte mich in Parallelwelten, statt in meiner Ehe zurechtzukommen. Mein Mann ist ein sehr unglücklicher Mensch. Mein Sohn ist sehr verlässlich und fröhlich, mich aufheiternd und bereichernd. Ich habe das Gefühl von einem Wendepunkt in meinem Leben, den mir der Traum zeigt.
Drei Dinge waren sehr deutlich in meinem Traum: Die Kuchengabel stammte aus meinem Haushalt, versilbert mit einem Jugendstilgriff. Der Sand, den ich aufnahm, hatte eine andere, festere, zusammenhängendere Konsistenz als Sand, eher teigig, und die Standfläche des Felsens hatte die längliche Form eines Sarges.
Vor ein paar Jahren träumte ich einmal von einem Wal. Ich war allein auf einem großen Schiff festgebunden und der Wal schwamm neben mir.
Die Psychotherapeutin und Traumforscherin Ortrud Grön
Assoziationen von Ortrud Grön:
Eremit in der Wüste
: Sie erleben sich in der Beziehung zu Ihrem Mann emotional wie in einer Wüste ohne Wasser, denn Ihr Mann lebt sehr in sich zurückgezogen.
Wirres Haar
: Er kann seine Emotionen offenbar nicht einordnen und verbirgt sich daher.
50 Meter Entfernung:
Sie aber sind auf der Suche nach befreiten Gefühlen (Zahl 50), um Ihr Leben mit allen Sinnen neu gestalten zu wollen.
Sohn:
Dabei hilft Ihnen Ihr fröhlicher, heiterer Anteil, der zu Ihrem Wesen gehört.
- Datum 26.05.2008 - 13:01 Uhr
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