Stammzellen Großbritannien erlaubt Herstellung von Hybrid-Embryonen

Britische Forscher dürfen künftig Embryonen aus menschlichem Erbgut und tierischen Eizellen schaffen. Kritiker sprechen von "monströsen" Auswüchsen der Forschung

In Großbritannien haben Regierungspläne zur Ausweitung der Embryonal- und Stammzellforschung im Parlament wichtige Hürden genommen. Zudem wurde am Montagabend im Unterhaus in London ein Antrag zum Verbot der Produktion sogenannter "Helfer- oder Retter-Geschwister" mit Mehrheit abgelehnt.

Bei den sogenannten "Retter- oder Helfer-Geschwistern" ( Saviour Siblings ) handelt es sich um Kinder, die einem erkrankten älteren Geschwister für die Behandlung notwendige Stammzellen liefern sollen. Dazu werden zunächst Eizellen der Mutter mit Spermien des Vaters künstlich befruchtet. Anschließend wird der Embryo, der die größte genetische Übereinstimmung mit dem erkrankten Kind aufweist, in die Gebärmutter eingepflanzt und normal ausgetragen. Mit Zellen aus der Nabelschnur oder dem Rückenmark des Retter-Geschwisters soll dann dem kranken Kind geholfen werden.

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Zuvor hatten die Parlamentarier schon einen Antrag zum Verbot der Forschung mit Hybrid-Embryonen aus menschlichem und tierischem Material abgelehnt. Hybrid-Embryonen oder Chimären sind Embryonen, die aus einer tierischen Eizelle mit menschlichem Erbgut hergestellt werden. Ihre Produktion ist höchst umstritten. Bislang sollen solche Chimären nur in den USA, Südkorea und China zu Forschungszwecken produziert worden sein. In Europa gaben vor wenigen Wochen britische Forscher der Universität Newcastle bekannt, dass sie einen solchen Mischembryo erzeugt und damit einen wichtigen Erfolg für die Stammzellforschung erzielt hätten.

Die britischen Forscher hatten mit einer Sondergenehmigung der zuständigen britischen Behörde HFA die Chimären hergestellt. Nun soll die Erzeugung von Chimären-Embryonen zu Forschungszwecken generell erlaubt werden. Das entsprechende Gesetz könnte bereits 2009 in Kraft treten, hieß es. Den Abstimmungen waren heftige Kontroversen vorausgegangen.

Kritiker sprachen von "monströsen" Auswüchsen der Forschung und einem Herumpfuschen an der Natur. Die katholische Kirche verurteilt die Versuche scharf. In dieser Weise dürfe nicht mit Leben herumgedoktert werden. Der konservative Politiker Edward Leigh sprach von einer "Frankenstein-Wissenschaft" und warnte, Großbritannien drohe zum "Schurkenstaat der Wissenschaft" zu werden.

Premierminister Gordon Brown hatte sich nachdrücklich für die Ausweitung der gesetzlichen Grundlagen zur Stammzellforschung ausgesprochen. Es sei eine "moralische Anstrengung", mit der Tausende und langfristig Millionen Leben gerettet werden könnten. Befürworter hoffen, damit künftig Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson besser behandeln zu können. Wegen der stark abweichenden Meinungen durften die Abgeordneten unabhängig von Partei- und Fraktionszugehörigkeit nur ihrem Gewissen folgend votieren.

 
Leser-Kommentare
  1. Ich halte die Forschung mit Chimären für nicht akzeptabel! Ist die Forschung mit und am Erbgut eines jeden Lebendigen nicht schon eine ethische Zerreisprobe? Sind wir reif für solch eine Forschung? Ist die Aussicht vielen Menschen helfen zu können ausreichend um die Risiken in Kauf zu nehmen, die wir nicht absehen können? Ich denke, dass in diesem Fall die Risiken schwerer wiegen! Zumindest erfordert es von den Verantwortlichen ein unerschütterliches Vertrauen in die Weisheit der Menschen und in sich selbst, dass mit den gewonnenen Ergebnissen verantwortungsbewusst umgegangen wird, jetzt und in Zukunft. Zitat von C. G. Jung: „Man wird nicht dadurch erleuchtet, dass man sich Lichtgestalten vorstellt, sondern dadurch, dass man sich das Dunkel bewusst macht.“<?xml:namespace prefix =" o" ns =" "urn:schemas-microsoft-com:office:office"" />

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