Statistik Zahlen für die Massen

Ob zu Sex, Politik, Wirtschaft oder Demografie: Auf statista.org lassen sich beliebige eigene Statistiken basteln – aus haufenweise seriösen Daten

Menschen lesen gern Statistiken (wie etwa die Beispiele am Ende des Artikels). Vielleicht liegt das daran, dass man sich damit einordnen kann, seinen Platz findet in der Masse der Mitmenschen. In etwa nach diesem Schema: Elf Prozent der Bundesbürger haben schon mal einen Seitensprung gemacht (beziehungsweise es in einer Umfrage zugegeben) - dann bin ich treuer Spießer ja gar nicht so unnormal. Der Spiegel hat kürzlich eine ganze Titelgeschichte mit Statistiken über die Deutschen bestritten, die mit Begeisterung gelesen wurde.

Statistiken sind aber auch Grundlage für politische Entscheidungen. Der Mikrozensus des Statistischen Bundesamts oder das Sozioökonomische Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) werden herangezogen, wenn es um die Berechnung von Sozialleistungen geht oder die Bewertung des demografischen Wandels. Politiker müssen wissen, wie das Volk lebt (und oft geben die Statistiken die Wirklichkeit nur ungenau oder verzerrt wieder, siehe etwa die Diskussion über die Frage, ob Akademikerinnen weniger Kinder bekommen als andere Frauen ••).

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Aussagekräftige und repräsentative Statistiken zu erheben ist aufwendig und teuer. Wenn sie nicht von staatlichen Stellen in Auftrag gegeben werden, steckt dahinter meist eine Firma (die schönsten Daten über das Geschlechtsleben der Deutschen stammen von einem Kondomhersteller) oder Zeitungen und Zeitschriften, die mit bunten Infografiken ihre Seiten füllen. Die melden die Ergebnisse einmal, dann verschwinden sie in der Versenkung.

Seit dem 20. Mai ist nun die Website statista.org online, die seriöse Statistiken aus vielen Quellen sammelt und mit einem einheitlichen Interface zugänglich macht. Zu den Datenlieferanten gehören neben dem Statistischen Bundesamt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), der Spiegel und der Burda-Verlag mit seiner großen Konsum-Umfrage "Typologie der Wünsche". Insgesamt sind auf der Website zum Start eine Million Statistiken zugänglich, bis zum Jahresende sollen es doppelt so viele sein.

Bei vielen der Statistiken greift der Nutzer auf die originalen Detaildaten der Umfrage zu, die er sich nach unterschiedlichen Kriterien filtern lassen kann. So kann man sich zum Beispiel die Einkommensverteilung nach Bundesländern getrennt anzeigen und so bestätigen lassen, dass die Hamburger mehr verdienen als die Sachsen. Auch dass Großverdiener mehr Champagner trinken als Hartz-IV-Empfänger oder mehr Frauen die Brigitte-Diät machen als Männer, ist erwartbar – und trotzdem ist es ein Aha-Erlebnis, wenn die blauen Balken der Flash-Animation wie bei der Wahlprognose im Fernsehen in die Höhe wachsen.

Leser-Kommentare
  1. Die Idee finde ich gut - nur fehlt der Glaube an die Selbständigkeit des Startups. Üblicherweise geben die Ersteller von Statistiken diese nicht einfach so mir nichts Dir nichts kostenlos heraus. Das stimmt mich bedenklich, das mehr dahinter stecken könnte ...Zu den Datenlieferanten gehören neben dem Statistischen Bundesamt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), der Spiegel und der Burda-Verlag mit seiner großen Konsum-Umfrage "Typologie der Wünsche".Allensbach fehlt noch in der Aufstellung.Na - da sind ja die "richtigen Datenlieferanten zusammengekommen, die für einseitig geschönte Statistiken und deren Auswertung schon allgemein bekannt sind. Arbeitgeberfinanzierte Institute wie DIW, IW, IZA haben doch schon lange jede Glaubwürdigkeit verloren. Spiegel und Burda gehören meines Wissens zur von der Bertelsmann-Stiftung kontrollierten Bertelsmann AG, wo sich dann auch RTL & Co. versammeln. Und alle arbeiten fröhlich hinter den Kulissen zusammen mit der INSM.Das scheint wieder mal ein typischer Beitrag zur Volksverdummung zu sein mit dieser Webseite. Die Idee an sich ist prima - nur die Datenlieferanten bieten Anlass zur Sorge - wozu ich auch das Statistische Bundesamt zählen möchte - wenn ich Herrn Jahnke richtig verstanden habe :-)Das wäre so ein bißchen wie die auf die Arbeitgeberinteressen ausgerichteten Arbeitsblätter zur schulischen Ausbildung von der INSM.

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