Fernsehen Arabisch für Anfänger

Die TV-Serie "Arab Work" behandelt das Verhältnis zwischen arabischen und jüdischen Israelis ironisch. Die Macher stellen ihre Sitcom nun in Berlin beim Jüdischen Filmfestival vor. Eine Begegnung

Eine palästinensische Feministin, die sich in einen israelischen Frauenhelden verliebt, ein Araber, der sich beim Passah-Fest eine Kippa aufzieht. Ist das Fiktion oder Realität? In gewisser Weise beides. Es sind Szenen aus der TV-Serie Arab Work ( Avoda Aravit ), die seit November im israelischen Fernsehen läuft und zumindest die mediale Wirklichkeit des Landes verändert hat.

Arabische Hauptdarsteller, Dialoge, die zu 70 Prozent auf Hebräisch untertitelt werden und das Ganze zur besten Sendezeit im Privatfernsehen – das hat es in Israel noch nie gegeben. Arab Wor k ist allen Voraussagen zum Trotz ein großer Publikumserfolg geworden – eine zweite Staffel ist schon in Planung. In Deutschland ist die Serie nun erstmals zu sehen – sie eröffnet das Jüdische Filmfestival Berlin (25. Mai bis 8. Juni) .

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Etwa ein Fünftel der israelischen Bevölkerung ist arabischstämmig. Im öffentlichen Bewusstsein und den Medien spielen die arabischen Israelis jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Der jüdische Produzent Danny Paran musste hart für eine Serie kämpfen, die das Verhältnis von arabischen und jüdischen Israelis thematisiert. Anfangs wollte nicht einmal sein palästinensischer Drehbuchautor Sayed Kashua daran glauben. "Er sagte zu mir, 'Wir werden eine arabische Serie zur Prime Time machen', und ich dachte nur: Jaja …", erzählt Kashua und grinst seinen Produzenten an. Beide sind nach Berlin gekommen, um Arab Works im Rahmen des Jüdischen Filmfestivals vorzustellen.

Bekannt wurde Kashua durch seine Kolumnen in der israelischen Zeitung Ha’aretz , in denen er ironisch über seine täglichen Kämpfe als arabischer Israeli schrieb. Die Parallelen zu seiner Hauptfigur Amjad in Arab Work sind unübersehbar. Dieser arbeitet als arabischer Journalist für eine jüdische Zeitung in Jerusalem und lebt mit seiner Familie in einem ausschließlich von arabischen Israelis bewohnten Dorf am Stadtrand.

Die Serie beginnt mit einem typischen Tag in Amjads Leben, der täglichen Kontrolle an den israelischen Checkpoints. "Woher wissen sie es?", schreit Amjad erbost seine Frau und Tochter an, als er wieder mal seine Papiere zeigen muss. "Riechen wir nach Angst?" Sein bester Freund, der jüdische Fotograf Meir, klärt ihn auf: Nicht sein Aussehen, seine Kleidung oder seine Aussprache machten die Wachposten misstrauisch, sondern sein Wagen. "Die erste Lektion, die du bei der Armee lernst: Jeden Subaru, der älter ist als 1990, sofort anhalten." Also kauft sich Amjad einen Rover, laut Meir das "passiersicherste" Auto, und macht eine unglaubliche Erfahrung: Er wird zum ersten Mal in seinem Leben am Kontrollpunkt freundlich durchgewunken.

In Arab Work (was übersetzt so viel wie "zweitklassige Arbeit" heißt), bekommen alle Seiten ihr Fett weg: der überhebliche israelische Chefredakteur, die rassistische Tresenschönheit, der autoritäre arabische Familienpatriarch und der überangepasste und konfliktscheue Amjad.

Die Suche nach seinem eigenen Weg zwischen jüdischer und arabischer Kultur hat Drehbuchautor Kashua seit seiner Jugend geprägt. "Als Teenager ging ich auf eine jüdische Schule und hatte dort plötzlich das Gefühl, die arabische Sprache und Kultur sei minderwertiger", erzählt er. "Ich fühlte mich sehr schlecht und versuchte mich meinen Schulfreunden so weit wie möglich anzupassen. Ich wollte mich nicht fremd fühlen." Diese Identitätskrise hat Kashua in seinem Debütroman Tanzende Araber verarbeitet - und er tut es in jeder Folge von Arab Work .

Bei manchen Szenen habe er Bedenken gehabt, ob er sie dem Publikum, aber auch seinem Produzenten Danny Paran zumuten könne, sagt Kashua. Zum Beispiel die, in der seine Hauptfigur Amjad mal wieder jüdischer sein möchte als seine Freunde und sich während des Passah-Fests eine Kippa, die Kopfbedeckung gläubiger Juden, aufsetzt.

Paran zuckt dabei nur die Schultern. "Ich bin religiös", sagt er. "Aber das hat nichts mit meinem Beruf zu tun." Vonseiten der Zuschauer habe es nie Beschwerden gegeben. "Ich hätte mir nicht träumen lassen, dass die Serie so gut ankommt." Fast schon zu gut, muss der Produzent zugeben. "Vor allem in der jüdischen Presse gab es kaum einen kritischen Artikel, dafür viel Lob und Empfehlungen." Er habe den Eindruck, sagt Paran, "dass das jüdische Publikum die Serie eher als Komödie betrachtet und nicht so sehr darüber nachdenkt, was wir damit meinen und worauf wir hinauswollen."

Die arabische Seite war da wesentlich kritischer und Drehbuchautor Kashua sah sich anfangs heftiger Kritik ausgesetzt. "Man hat mir vorgeworfen, ich würde Witze auf Kosten der Araber an das israelische Fernsehen verkaufen." In gewisser Weise könne er diese Gefühle verstehen, sagt Kashua. Man merkt ihm an, dass beim Erzählen der alte Zwiespalt wieder aufbricht, gegen den er sein Leben lang ankämpft.

Seine Waffe in diesem Kampf ist seit jeher der Humor und der passt zum Verständnis seines Produzenten. "Ich wollte den physischen Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern nicht zeigen. Ich wollte, dass man lacht über den Umgang der beiden Gruppen miteinander", sagt dieser. An diesem Punkt unterbricht ihn der Drehbuchautor: Es gehe nicht nur um Liebesgeschichten und Familienprobleme. "Keine Folge ist nur lustig. Wir behandeln immer sensible Themen wie Politik, Diskriminierung und ethnische Hintergründe."

Arab Wor k ist eine leichtfüßige Screwball-Comedy. Die Serie spielt mit dem richtigen Maß an Überzeichnung, hat aber auch immer wieder Momente, in denen einem das Lachen vergeht. Etwa wenn sich Amjads Frau Bushra vor dem Krankenhaus vor Wehen krümmt, die arabischstämmige Familie aber erst nach ausgiebigem Sicherheitscheck hineingelassen wird, während ein israelisches Pärchen ungehindert passiert.

Laut Studien einer israelischen Menschenrechtsgruppe ist die Ablehnung der arabischstämmigen Israelis im Land momentan stärker denn je. Produzent Paran will diesen Eindruck nicht so pauschal bestätigen, auch über den Nahost-Konflikt redet er nur ungern. "Beide Seiten haben es vermasselt“, sagt er. "Für mich ist viel wichtiger, dass mir ein arabischer Freund nach der Sendung lachend entgegenkommt und sagt: 'Danny, das war eine Hammer-Folge!’ Das sagt alles!“

Tut es das wirklich? Eine kürzlich erschienene Studie unter 500 Israelis habe ergeben, dass 55 Prozent der Befragten, die Arab Wor k kennen, eine Familie wie die von Amjad und Bushra gerne als Nachbarn hätten, berichtet die New York Times . Unter den Befragten, die die Serie nicht kennen, seien es nur 38 Prozent gewesen. Doch ob die Sympathie für die Serienhelden auch auf reale Menschen übertragbar ist, bleibt zu bezweifeln.

Wichtiger als Verständnis ist wohl zunächst ein Kennenlernen der anderen Seite – und das leistet Arab Work auf sehr intelligente und unterhaltsame Weise. Die Serie öffnet die Tür zu einer Familie, die so normal wie verrückt ist, und zeigt dem israelischen Publikum den Alltag seiner unbekannten Nachbarn im eigenen Land.

Signalwirkung hat die Serie schon gezeigt. Er wisse, dass vergleichbare Formate bereits in Planung seien, berichtet Paran. Auch Produzenten aus den USA und Frankreich hätten Interesse geäußert, Arab Work für die heimatlichen Märkte zu adaptieren.

Arab Work sei das für Israel, was die Cosby Show für die Schwarzen in Amerika war, schrieben einige Kritiker. Gegen diesen Vergleich wehren sich die Macher jedoch. Man wolle gerade nicht das Leben einer privilegierten Upperclass-Familie zeigen, sondern "eine ganz normale arabische Familie“, sagt Kashua.

Bei aller Euphorie über den Erfolg wissen sowohl Produzent als auch Drehbuchautor, dass ihre Serie eben nicht die Realität ist, sondern eine schöne Fiktion. "Wir rennen beide vor dem realen Konflikt davon“, sagt Paran und blickt zu Kashua. „Aber ich finde es einfach interessanter, einen Witz darüber zu machen.“ Ob der Versuch, die Kluft zwischen den beiden Gruppen mit Humor zu verringern, gelingt, wird sich zeigen. Sehenswert ist er auf jeden Fall.

Die ersten neun Folgen von „Arab Work“ sind im Rahmen des Jüdischen Filmfestivals Berlin zu sehen. Zur Eröffnung am 25. Mai sind Drehbuchautor Sayed Kashua, Produzent Danny Paran und Hauptdarstellerin Clara Khoury anwesend.

 
Leser-Kommentare
    • jepp
    • 23.05.2008 um 19:15 Uhr

    Finde die Begrifflichkeiten uneindeutig. Wer sind denn die arabischen Israelis? Christen? Moslems? Juden? Oder meint arabische Israelis muslimische Israelis?Sind jüdische Araber – zum Beispiel aus dem Jemen stammend – arabische Israelis? Jüdische Israelis?

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    • BWC
    • 23.05.2008 um 21:43 Uhr

    Über Israelis und Palästinenser klärt Lila vom Blog rungholt.wordpress.com preisgekrönt auf.

    • BWC
    • 23.05.2008 um 21:43 Uhr

    Über Israelis und Palästinenser klärt Lila vom Blog rungholt.wordpress.com preisgekrönt auf.

    • BWC
    • 23.05.2008 um 21:43 Uhr

    Über Israelis und Palästinenser klärt Lila vom Blog rungholt.wordpress.com preisgekrönt auf.

  1. Das Verb oder Tunwort "winken" ist regelmäßig, Partizip lautet "gewinkt". Es gibt keinen Grund, aus einem regelmäßigen Verb ein unregelmäßiges zu machen. Und dass inzwischen leder häufig ab- oder durchgewunken wird, ist keine Entschuldigung, zumal "gewunken" einen Buchstaben und eine Silbe mehr hat als "gewinkt".

    Bitte, liebe Zeit, passen Sie sich nicht dem Niveau der anderen Zeitung mit vier Buchstaben an...

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