Klimawandel CO2-freundlich shoppen

Bislang musste sich vor allem die Industrie mit Kohlendioxid-Emissionen beschäftigen. Jetzt soll der Bürger klimabewusst shoppen. Doch die CO2-Bilanz von Produkten zu berechnen ist schwerer als gedacht.

Klimaengel oder Sünder: Wer bei der britischen Supermarktkette Tesco einkauft, hat die Wahl. Er kann zum Orangensaft aus Konzentrat greifen, dessen Produktion 260 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß (je 250 ml) verursacht hat, oder zum Direktsaft, der es auf 360 Gramm bringt. Ein auf die Verpackung aufgedruckter Fußabdruck, der sogenannte „Carbon Footprint“, erklärt dem Käufer die Klimabilanz der Safttüte.

Auch für Glühbirnen, Kartoffeln und Waschpulver hat Tesco mit Hilfe der britischen Organisation Carbon Trust inzwischen die CO 2 -Emissionen errechnen lassen. „Wir wollen unseren Kunden die Möglichkeit geben, bei ihrem wöchentlichen Einkauf 'grüne Entscheidungen' zu treffen“, sagt Tesco-Vorstand Terry Leahy.

Anzeige

Ernährung und Konsum machen rund 40 Prozent der CO 2 -Emissionen in der persönlichen Treibhausgas-Bilanz jedes Bürgers aus. Bislang haben Konsumenten allerdings kaum eine Möglichkeit, darauf zu reagieren – wer weiß schon, ob das Toilettenpapier der Marke X klimafreundlicher ist als das der Marke Y.

Was Tesco in Großbritannien vormacht, könnte bald auch in Deutschland Realität werden. Das Öko-Institut hat zusammen mit dem renommierten Potsdam Institut für Klimafolgenforschung und dem WWF einen Zungenbrecher gestartet: das Carbon Footprint Project (CFP). Es soll den Kohlendioxid-Ausstoß von verschiedenen Produkten berechnen.

„Wir wollen das Verständnis der Kunden dafür schärfen, dass Konsum auch Treibhausgase verursacht“, sagt Christian Hochfeld, stellvertretender Geschäftsführer des Öko-Instituts. „Um die ambitionierten Klimaschutzziele zu erreichen, dürfen wir keinen Bereich aussparen.“

Schon heute werben erste Firmen mit klimafreundlichen Produkten. Allerdings gibt es zahlreiche Ansätze, die für Verwirrung beim Einkäufer sorgen. Die Schweizer Einzelhandelskette Migros zeichnet etwa einige Produkte mit dem „Climatop“-Label aus: Sie verursachen im Vergleich zu anderen Waren in einer Gruppe die niedrigsten CO 2 -Werte.

Skurrilstes Beispiel ist wohl die „Klimaschutz-Wurst“, die damit wirbt, klimaneutral produziert worden zu sein. Was allerdings nur die halbe Wahrheit ist, denn natürlich entstehen beim Mästen, Schlachten und Verpacken CO 2 -Emissionen - sie werden allerdings durch Investitionen in Klimaschutzprojekte kompensiert.

Leser-Kommentare
    • Puka
    • 26.05.2008 um 17:45 Uhr

    Diesen Schritt habe ich mir schon längst gewünscht, denn Transparenz ist das wichtigste für Demokratie und Markt. Leider wird die Sache aber falsch angegangen. Man sollte nicht nur auf CO2 achten, dieses Gas ist ohnehin  zu einer Art Sündenbock verkommen, und überdeckt damit alle anderen schädlichen Substanzen. Ich wünsche mir ein Siegel auf dem eine komplette Energiebilanz, mit Wasser, Öl, Gassen, Strom, aufgelistet wird. Erst dann kann der Verbraucher wirklich sinnvoll entscheiden.mfgPuka

  1. In einigen Biosupermärkten gibt es schon Hinweise darüber, woher die Ware kommt. Nicht im Kleingedruckten, sondern gut sichtbar für den Konsumenten. Und ich ertappe mich selbst dabei, wie ich zu dem Produkte greife, welches sozusagen aus unmittelbarer Nachbarschaft kommt. Ich denke, viele Verbraucher würden diese Hinweise auch in ihrem Kaufverhalten umsetzen.

  2. Diese Maßnahmen die hier beschrieben werden vollziehen sich in der Druckindustrie schon bei weitem mehr und hier geht man sogar noch weiter.Man spricht dort von "klimaneutralem Drucken", d.h. der Gesamtausstoß von CO2 wird für ein bestimmtes Druckprodukt ermittelt und in Form von finanzieller Unterstützung geprüfter Umweltprojekten "gegenfinanziert". Es gibt spezielle Zertifikate, die bei Verwendung derartiger Methoden, ausgestellt werden.Halte ich persönlich für eine gute Sache und eine derartige "Gegenfinanzierung" würde wohl auch mehr bringen als einfach nur den CO2 Ausstoß zu ermitteln.

  3. gemacht von tesco. sehr werbewirksam. völlig egal wie klimaneutral zum verkauf stehende produkte produziert werden. die schönsten werte werden spätestens an der kasse verdorben an der man jeden einkauf einzeln in gratisplastiktüten einpacken darf.
    im übrigen halte ich eine co2 kennzeichnung für humbug. jeder kann sich hoffentlich selber denken das kartoffeln aus ägypten, zwiebeln aus neuseeland, novembererdbeeren aus südafrika sicher keine umweltschutzprodukte sind, völlig wurscht wie laut der bio-aufdruck auf der kunststoffverpackung schreit.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service