GEW-Studie

Internet-Mobbing nimmt zu

60.000 Lehrer in Deutschland sind Opfer von Diffamierungen im Netz. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert mehr Schutz - und warnt vor einer Dramatisierung

Schüler stellen diffamierende Handyfilme oder Fotos ins Netz, chatten oder melden sich mit dem Namen der Lehrer in Singlebörsen an oder drohen per SMS. Nach einer Studie, die die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Montag in Berlin vorgestellt hat, sind etwa 60.000 Lehrer in Deutschland Opfer solcher digitaler Mobbingattacken - mit stark steigender Tendenz.

Anzeige

Die GEW fordert daher nun mehr Hilfe für die Opfer sowie präventive Maßnahmen, beispielsweise einen gemeinsam von Lehrern, Eltern und Schülern erarbeiteten Verhaltenskodex an den Schulen. Dazu gehöre etwa, dass Handys und Handy-Kameras während des Unterrichts ausgeschaltet sind und ebenso wie das Internet nicht für Mobbing-Zwecke oder Gewaltdarstellungen genutzt werden dürfen. „Wer sich nicht an die Abmachungen hält, dessen Geräte können einkassiert und den Eltern übergeben werden“, sagte die GEW-Schulexpertin Marianne Demmer bei der Vorstellung der Studie, für die 500 Lehrer befragt wurden.

Der Untersuchung zufolge sind acht Prozent aller Lehrkräfte direkt von Cyber-Mobbing betroffen. Knapp 31 Prozent der Befragten gaben an, von Fällen aus dem Kollegen- und Bekanntenkreis gehört zu haben.

Ein bestimmtes Opferprofil ist aber nicht zu erkennen: Alle Altersstufen, Männer wie Frauen und alle Schulformen seien ähnlich stark betroffen. Nur an Gymnasien sei die Zahl der Opfer leicht erhöht. In einem Drittel seien Schüler die Opfer, allerdings sei die Dunkelziffer vermutlich deutlich höher, sagte Demmer.

Die Täter sind in drei Viertel der Fälle Schüler, jeweils fünf Prozent sind Vorgesetzte und Eltern, knapp drei Prozent Kollegen. Die Attacken gehen deutlich häufiger von Jungen aus als von Mädchen.

Anzeige
Leser-Kommentare

  1. Grundschüler stellen oft fragen, an denen Bildungssysteme zusammenbrechen, wenn sie ernsthaft (und nicht als naiv) genommen werden. Man braucht eine unterdrückende Kraft der Lehrkörper, um sie zu verschweigen und konform zu machen! Im Gymnasium sind sie nur frustriert. Warum wurndert man sich, daß diese Schüler ihre Frustration im Internet loswerden? Gesetz, Schuld, Strafe! Nur das verstehen Lehrer und ihre Gewerkschaft.. die etablieren das im Kopf der Kinder. Unverschämt!! Guckt euch bitte an! Untersucht, was ihr zu den Kindern tut, daß sie so reagieren.

  2. Die Lehrer sollen den Schülern eine andere, bessere, sinnvollere, wirkungsvollere, politisch korrekte Möglichkeit aufzeigen, wie sie sich wehren können, wenn sie in der Schule ungerecht, unfair, beleidigend, herabmachend, berufsschädigend, entmutigend behandelt werden. Solange niemand die Sorgen und Nöte der Schüler ernst nimmt, darf man sich nicht wundern, wenn die jungen Menschen zur Selbsthilfe greifen. Man soll den Schülern nicht das Recht absprechen sich zu wehren, man soll ihnen aufzeigen, wie man so etwas richtig macht.

  3. Auf deutschen Schulen geht es zu schlapp zu. Handys sollten grundsaetzlich nicht in die Schule mitgebracht werden. Wer es dennoch tut, dem wird es weggenommen. Lehrer sollten sich daran erninnern, dass sie Respektpersonen sind. Die Schuler sollten begreifen, dass man eine Schule nur unter bestimmten Regeln fuehren kann. Wer sich daran nicht haelt, fliegt. Das ist im richtigen Leben auch so.
    Ich verstehe ja, dass Schueler eine eigene Meinung haben und sich durchsetzten wollen. Die Lehrer haben auch eine, und die geht nun mal vor.

    • 27.05.2008 um 6:09 Uhr
    • rabin

    Hat der Mensch ein Amt, gibt ihm Gott Verstand ? Respekt qua Amt., das funktioniert heute nicht mehr. Und, soll man es bedauern ? Für die Personen, die diesen Respektsverlust erleiden, ist es sicher anstrengend.Internet schafft neue Gegenmacht-Möglichkeiten.Dies sollte Anlass genug sein, sich neu zu positionieren, statt Amt eine neue Autorität, die auf Dialog und Kompetenz beruht. Auch solche schliesst Heckenschützen nicht aus, aber sie könnten leichter isoliert sein. Und sind dann nur der Preis einer "offenen" Gesellschaft.

    • 27.05.2008 um 9:09 Uhr
    • BGrabe

    Ich finde es sehr erstaunlich, dass von der GEW extra eine Empfehlung zum Handyverbot herausgegeben werden muss.Wie unselbständig sind eingentlich manche Lehrerkollegien?An den Schulen meiner Kinder (2 Gymnasien, 1 Hauptschule) dürfen Handys zwar mitgeführt, aber nicht benutzt werden. Auf das vollständige Verbot wurde nur verzichtet, damit Kinder bei Unterichtsausfällen, oder nach der Schule im Zeitalter des "Just in time" Gelegenheit haben Eltern zu kontaktieren, was wahrlich bei dem immer noch hohen Unterichtsausfällen unverzichtbar ist.Im Falle der Zuwiderhandlung werden Handys konfisziert, die Genehmigung der Eltern stellt kein Problem dar, sollte es in Einzelfällen doch mal nicht funktionieren, muss das nur in der Elternversammlung publik gemacht werden, die meisten Problemeltern sind nämlich zu feige, sich öffentlich zu outen und schon wird die Genehmigung erteilt.Allerdings gibt es einen Bodensatz an Schülern im Verein mit ihren Eltern in allen Schichten, die skrupelos nur ihren eigenen Egoismus nachgehen und entsprechende Ausfälle produzieren, meistens auch leistungsmäßig. Privatschulen können solche Schüler der Schule verweisen, staatliche Schulen haben da erhebliche bürokratische Schwierigkeiten, besonders wenn Eltern, z.B als Rechtsanwälte, erheblichen Druck ausüben können, es gibt auch seltene aber durchaus vorhandene Schmarotzermilieus, denen gegenüber man gut beraten ist, bei jedem Gespräch mindestens einen Zeugen zu haben. Bei beiden Problemklientels reichen 1 bis 3 Schüler aus um eine ganze Klassengemeinschaft zu gefährden.Es wäre jedenfalls wünschenswert, wenn die Möglichkeiten Authorität zu wahren, genutzt würden und mehr Zivilcourage aufgebracht würde gegenüber den die Rechtslage brutal und rücksichtslos ausnutzenden Klientels. Damit würde dann die schleichende Aushöhlung anständigen Verhaltens auch gestoppt.Wer aber vorexerziert bekommt, das rücksichtsloser Egoismus gewinnt und sich durchsetzen kann, lernt nur das offensichtlich die falschen Methoden erfoglreicher sind, als "moralisch" richtiges Verhalten.Hier gilt es jahrzentelang vernachlässigtes Terrain zurückzugewinnen.Berthold Grabe

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Schulen DÜRFEN das Mitführen von Handys gar nicht verbieten, wohl aber deren Einsatz. Besonders im Unterricht. Dazu gibt es diverse Gerichtsurteile, deren Aufzählen mir jetzt zu müßig ist. Ein Verbot ist m.E. auch generell nicht wirklich sinnvoll, sondern nur da, wo massiv Grenzen überschritten wurden. Hier sollte also jede Schule selbst entscheiden. Und warum verbieten, was nicht missbraucht wurde?

  4. "die skrupelos nur ihren eigenen Egoismus nachgehen"Jeder Beruf der mit Menschen zu tun hat, muss sich mit den unterschiedlichsten Charakteren herumschlagen. Die Egoisten gibt es überall, auch unter Lehrern. Mit diesem Problem muss man in jedem Beruf leben. Was glauben Sie, wie anstrengend egoistisch veranlagte Lehrer für Kinder und Eltern sind!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Mitmenschen   Branwen_Llyr

    Nur ist "Schüler" halt auch ein Beruf, in dem man es mit Menschen zu tun hat. Sich sozialverträglich zu verhalten und gewisse Regeln einzuhalten, gehört zu ihrem Job.

    Natürlich haben Sie recht, schlechte Lehrer sind für die Beteiligten immer sehr ennervierend. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Lehrer unter seinen (am Gymnasium) im Schnitt etwa 200 Schülern (davon jährlich ca. 80 "neu") mit Egoisten und sozial Unterentwickelten (auch unter deren Eltern!) zu tun hat, rein statistisch ungleich höher, als andersherum! Hinzu kommt, dass man als Schüler auch bei einem, ich verallgemeinere mal zu "schlechten", Lehrer mit minimal-Interaktion zurecht kommen kann. Wahrscheinlich nicht mit der "optimalen" Note, aber i.A. sind Noten in einzelnen Fächern nicht so entscheidend. Hingegen ist es aus meiner Sicht bei einem Lehrer eine sträfliche Pflichtvergessenheit, wenn er z.B. egoistische Schüler einfach ignoriert.

  5. Nur ist "Schüler" halt auch ein Beruf, in dem man es mit Menschen zu tun hat. Sich sozialverträglich zu verhalten und gewisse Regeln einzuhalten, gehört zu ihrem Job.

    Antwort auf "@BGrabe"
    • 27.05.2008 um 13:17 Uhr
    • Isaidy

    was für Fronten sich auftun, wenn es um das Thema "Lehrer" im Forum geht. Für mich wirft sich eigentlich immer nur die Frage auf, wie es zu derart verhärteten Fronten kommen kann und warum sich Eltern, Schüler und Lehrer in Deutschland wie Feinde behandeln. Was ist dieser Entwicklung vorausgegangen, die in der Form absolut kontraproduktiv ist und deren Opfer zwangsläufig die Schüler, im steigenden Maße aber auch die Lehrer sind. Anderen Ländern ist ein derartiges Feindbild völlig unverständlich, an ihren Schulen herrscht Kooperation und Teamgeist. Was für Ressourcen werden durch diese sinnlosen Grabenkämpfe, in denen einer dem anderen Unfähigkeit, Faulheit und Inkompetenz vorwirft, verschwendet?!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Jeder der einen Auftrag ausführt muss es sich gefallen lassen, dass der Auftraggeber sich zu Wort meldet, wenn der Auftrag nicht in seinem Sinne ausgeführt wird. Der Auftragnehmer ist in den meisten Fällen der "Fachmann" und wenn er klug ist berät er den Auftraggeber wenn dieser es möchte. Der Auftragnehmer hat aber niemals das Recht, den Auftraggeber zu bevormunden oder gar ihn zu beschimpfen. In der freien Wirtschaft wäre er in so einem Fall ganz schnell seinen Auftrag los. Oder können Sie sich vorstellen, dass ein Automechaniker seinem Kunden sagt: "Wie können Sie von mir erwarten, dass ich Ihr Auto repariere, wären Sie halt nicht besoffen gefahren, dann wäre ihr Auto nicht kaputt. Ach was sind die Autofahrer doch so blöde verantwortungslose Menschen. Und wir müssen dann alles in Ordnung bringen."Lehrer bekommen ein Gehalt, dass sie im Auftrag des Volkes die Kinder unterrichten. Es ist ganz normal, dass der Auftraggeber erwartet, dass diese Arbeit in seinem Sinne ausgeführt wird und dass er Kritik übt, wenn das nicht geschieht. Aber erstens haben inzwischen zu viele "Auftragnehmer", in diesem Fall Lehrer das "unter" unter den Tisch fallen lassen und begnügen sich mit dem "richten". Zweitens übersteigen sie bei weitem ihre Kompetenz, wenn sie selbst an ihrem Auftraggeber, in diesem Fall die Eltern, Kritik üben und auch noch glauben, dass sie das Recht und die Pflicht dazu hätten. Das gehört absolut nicht zu ihren Aufgaben. Am allerverrücktesten ist, dass viele Lehrer sich sogar darüber beklagen, dass sie den Auftrag bekommen haben. Manche nehmen sich sogar die Frechheit heraus, als Auftragnehmer dem Auftraggeber Vorschriften machen zu müssen, was dieser zu tun und zu lassen hat. Hier geht es nicht um "verhärtete Fronten". Es gibt keine Fronten. Die Lehrer sollen aufhören mit aller Gewalt Fronten aufzumachen. Sie übersteigen damit bei weitem ihre Kompetenz.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service