Avantgarde: Die CD ist eine schnelle Sache
New York, aktuelle Musik und Elliott Sharp – das gehört zusammen. Seit 30 Jahren ist der Multiinstrumentalist aktiv in Manhattans experimenteller Szene. Ein Interview zu seinem neuen Album

© Jan Kricke
Die Gitarre ist Elliot Sharps Hauptinstrument
ZEIT online: Sie musizieren seit drei Jahrzehnten mit Computern. Auch bei Ihren aktuellen Gitarrensolokonzerten fehlt das Laptop nicht. Hat sich Ihr Verhältnis zum Rechner über die Jahre verändert?
Elliott Sharp:
Anfang der Siebziger füllte der Computer im Musikfachbereich der Universität Buffalo einen ganzen Raum. Wir haben damals Tage gebraucht, um ein paar Töne zu erzeugen, die noch nicht einmal gut klangen. Als ich 1974 bei den Pionieren der Computermusik studiert habe, war ich mehr daran interessiert, ein Echtzeit-Komponist zu werden. Ich wollte kein Wissenschaftler werden, der sein Leben vor dem Computer verbringt. Jetzt bin ich ein Künstler, und mit dem Computer verbringe ich unerwartet viel Zeit.
ZEIT online:
Finden Sie es noch attraktiv, CDs zu produzieren?
Sharp:
Die Menschen werden immer Objekte mögen, die sie anfassen können. Vielleicht wird der Platz weniger, den sie zum Sammeln zur Verfügung haben, da erfüllen CDs ihre Funktion noch ganz gut. Für mich sind sie Dokumentationen meiner Arbeit, eine eher schnelle Sache also, an der man nicht fünf Jahre feilen muss.
ZEIT online:
Sie kennen sich gut aus in Manhattan. Wie hat sich die Szene dort gewandelt?
Sharp:
In den Achtzigern war New York eine spannende Stadt für Kunst. Die Luft brannte, die Leute gingen aus, waren neugierig, zur gleichen Zeit regierte Reagan im Weißen Haus. Nach dem 11. September 2001 hatten die Leute Angst, wie ein Tier, das sich vor seinem eigenen Schatten fürchtet. New York wurde zu einer besetzten Stadt, kontrolliert von den Business-Typen. Die Künstler tummeln sich jetzt im Untergrund, in kleinen Clubs und im Netz. Das ist eine negative Folge der Globalisierung. Die positive Seite wäre, dass die Künstlergemeinde online an kreativen Webradios partizipieren kann, zu jeder Zeit, an jedem Ort.
ZEIT online:
Wie fühlt es sich an, Musik allein im Studio, am Rechner zu produzieren?
Sharp:
Der Kontakt mit dem Publikum ist so einfach nicht ersetzbar. Dass ist ein Problem der digitalen Kunst. Ich vermisse den Geruch eines Konzertsaals, die Chemie einer Live-Situation, das hat man nicht online.








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