Kolumbien Guerilla unter Druck
Farc-Anführer Marulanda ist tot. Jetzt hofft Kolumbien, dass die Guerilleros ihren zermürbenden Kampf aus dem Dschungel heraus aufgeben

© CARLOS JULIO MARTINEZ/AFP/Getty Images
Der Druck auf die Farc steigt: Kolumbianische Soldaten zerstören ein Drogenlabor, das der Organisation zugerechnet wird
Von den Rückschlägen, die die Rebellen der kolumbianischen Farc in den vergangenen Monaten hinnehmen mussten, ist der Tod ihres langjährigen Anführers Pedro Antonio Marín alias Manuel Marulanda Vélez vermutlich der härteste. "Tirofijo" zählte 1964 zu den Gründungsmitgliedern von "Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia", der mittlerweile ältesten Guerilla des Kontinents. Vielen Farc-Kämpfern galt er als ideologischer Anker ihrer Organisation in einem Krieg, der sich seit Beginn der achtziger Jahren immer mehr von seinen sozialrevolutionären Wurzeln entfernt hat. Wie weit seine Autorität zuletzt reichte, ist umstritten. Fest steht, dass er als charismatische Führungsfigur wesentlich dazu beitrug, die diffuse Fronten-Struktur der Rebellen zusammenzuhalten.
Wie alt er wurde, bleibt ungewiss, Angaben zu seinem Geburtsjahr schwankten stets zwischen den Jahren 1928 und 1934. Sicher ist seit dem Wochenende Marulandas Todesdatum. "Tirofijo" starb bereits am 23. März im selben Monat, in dem der "Kanzler" der Rebellen, Raúl Reyes, bei einem Luftangriff kolumbianischer Militärs auf ecuadorianischem Staatsgebiet ermordet und ein weiterer Anführer, Iván Ríos, von seinen eigenen Genossen verraten und getötet wurde. Erst vor wenigen Tagen desertierte mit "Karina" eine Rebellin aus der Führungsriege. Sie sei, sagte sie, nach 24 Jahren bei den Farc des Kriegs müde geworden.
Gut möglich, dass ihrem Beispiel in den kommenden Wochen weitere Guerilleros folgen werden. Der Kampf im Dschungel ist zermürbend, die Angriffe der Militärs drängen die Farc zunehmend in die Defensive. Ob die Verzweiflung der Rebellen Anlass zur Hoffnung für die Franko-Kolumbianerin Ingrid Betancourt gibt, bleibt indes fraglich. Gerade weil die Farc unter erheblichem Druck stehen, könnten sie davor zurückschrecken, sich ausgerechnet in dieser Situation von ihrer renommiertesten Geisel, einem ihrer letzten Druckmittel, zu trennen.
Wer desertiere und "einen unserer Soldaten, einen unserer Polizisten, eine der Geiseln" ausliefere, ließ Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe am Wochenende wissen, werde in den Genuss eines Vergütungsfonds in Höhe von 100 Millionen Dollar kommen und straffrei ins Ausland ausreisen dürfen. "Einige Guerilleros", so Uribe vage, hätten bereits ihre Bereitschaft signalisiert, den Kampf aufzugeben und Geiseln zu übergeben allen voran die frühere Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, die seit mehr als sechs Jahren von den Farc gefangen gehalten wird.
Hoffnungsschimmer oder Zermürbungstaktik? Auf offizieller Ebene jedenfalls haben sich die Rebellen bisher nicht zu weiteren Freilassungen geäußert. Nach wie vor gibt es Hardliner in ihren Reihen, die den Kampf längst nicht für verloren halten. Und es ist davon auszugehen, dass das oberste Führungsgremium der Farc dafür Sorge getragen hat, Betancourt unter die Aufsicht linientreuer Guerilleros zu stellen, die auch dann den Versuchungen der ihnen verhassten Regierung widerstehen, wenn sie einen Albtraum beenden könnten.
- Datum 26.05.2008 - 09:49 Uhr
- Quelle ZEIT online
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Es gibt da ne interressante Doku, die von anderer Seite die Dinge beleutet und zeigt, was die Farc mit der Bevölkerung anstellt...und das sie wohl noch lange nicht besiegt ist:
Ross Kemp on Gangs, Bogota
zu finden bei google video
Sicherlich nur wenige Kolumbianer machen sich tatsächlich die Hoffnung, daß die FARC nun aufgeben würden. Eine breite Mehrheit glaubt aber wahrscheinlich an die von der Regierung Uribe propagierte "militärische Lösung", die sich sicherlich ebenso als Illusion erweisen wird. Schon allein der Unterstützung wegen, die sie in vergangener Zeit durch die Nachbarstaaten Kolumbiens Venezuela und Ecuador erhält. Die im Artikel zitierten Versprechungen, aus einem Fond "Demobilisierte" der Guerilla zu unterstützen, klingen angesichts ausbleibender staatlicher Hilfe für bereits desertierte FARC-Mitglieder hohl. Ohnehin stellt sich die Frage, ob eine Regierung, deren Abgeordnete mehr als zur Hälfte ihr Mandat wegen Verstrickungen mit den Paramilitärs niederlegen mussten, tatsächlich auf die FARC verzichten könnte. Über von den "Paras" ermordete Gewerkschaftler, massakrierte und vertriebene Dorfgemeinschaften, in deren verlassenes Gebiet Öl- und Bioenergiekonzerne vorstossen, liest man nur selten in der Presse. Genausowenig über die offenkundigen Verstrickungen des Militärs in diesen Verbrechen und Mitgliedern der kolumbianischen Regierung selbst, die nicht müde wird zu betonen, der Paramilitarismus sei schon längst besiegt. Man braucht die FARC, die je nach belieben als Terroristenorganisation, Drogenmafia oder kommunistisches Gespenst ausgelegt wird. Anmerkung: "Raúl Reyes" wurde nicht etwa als Kanzler sondern wegen seiner zahlreicheninternationalen Beziehungen als Außenminister (desen Amtstitel in Kolumbien "canciller" lautet) der FARC bezeichnet.
Oder ist der jetzt Sicherheitsberater der kolumbianischen Regierung?Schönes Wochenende - Gute ZEIT mit der ZEIT!
debrasseur
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