Schulreform Gute Noten mit Fragezeichen

Eine Studie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft lobt Fortschritte der Bildungspolitik. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hält die Untersuchung für zweifelhaft

Die Bildungspolitiker in Deutschland haben nach dem Pisa-Schock ihre Hausaufgaben gemacht und die Schulgesetze und Schulpolitik in sämtlichen Bundesländern modernisiert – so lautet die Erkenntnis einer am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

Die Studie mit dem Namen „Politik-Check Schule“, die das Institut im Auftrag der unternehmernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft durchgeführt hat, stellt den 16 Bundesländern ein Zeugnis mit Schulnoten aus. Am schlechtesten schnitten Bremen, das Saarland und Thüringen mit der Note 3 ab. Mit der Note 2 liegen Nordrhein-Westfalen und Hessen an der Spitze – dicht gefolgt von Berlin, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern.

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Die Studie nahm die Handlungsfelder Bildungsziele, Qualitätssicherung, Systemmanagement, Schulkultur sowie Lehren und Lernen unter die Lupe. Im Bereich Systemmanagement beispielsweise wurde danach gefragt, wie selbstständig Schulen arbeiten und wie viele Kompetenzen die Landesregierungen den Schulleitern zugestehen.

Mecklenburg-Vorpommern schnitt hier mit einer 1 am besten ab, weil die Verantwortung für den Unterrichtserfolg und die Entscheidung über die Einstellung von Lehrern hier weitgehend in den Händen der Schulleiter liegt.

„Unsere Studie belegt, dass alle Landesregierungen die aus Expertensicht notwendigen bildungspolitischen Ziele in ihren Schulgesetzen inzwischen klar formuliert haben“, lobte IW-Direktor Michael Hüther.

Kritik an der Studie kam von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). "In dieser Studie wird doch nur die Ankündigungspolitik der Landesregierung und nicht die wirkliche Entwicklung in den Schulen zum Maßstab der Bewertung gemacht", kritisierte der GEW-Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen Andreas Meyer-Lauber. Die GEW kritisierte die Studie als "zweifelhaftes Unternehmerlob für schwarz-gelbe Schulpolitik".

Leser-Kommentare
  1. In dem Artikel steht, dass das schulscharfe Einstellungsverfahren weitgehend akzeptiert sei und auch genutzt werde. Zumindest für Rheinland-Pfalz stimmt dies nicht. Hier wurden in diesem Jahr noch nicht einmal 25 Stellen schulscharf ausgeschrieben. Den Schulleitern ist der bürokratische aufwand einfach zu hoch.

    • Gafra
    • 28.05.2008 um 8:28 Uhr

    die Schulkinder jetzt Kunden nennen. Das hat doch schon so manches Problem gelöst :-# ..............und wäre sicher im Sinne von NSMw.

  2. 3. INSM

    INSM, alles klar. Von denen sollte man auch keine anderen Statements erwarten.     "Die Initiative Neue Soziale
    Marktwirtschaft
    Die Geschäftleitung sitzt in Köln -
    unter einem Dach mit dem Institut der Deutschen Wirtschaft - also mit dem
    wissenschaftlichen „Kompetenzteam“ der Arbeitgeber. Kein Wunder: Es war
    der mächtige Metallarbeitgeber-Chef Kannegießer persönlich, der die
    Initiative vor fünf Jahren gründete. Aus Ärger."http://www.attac-lokal.de/Getarnte%20Lobby%20(30_08_2005)%20plus%20minus.htm"Arbeitgeber finanzieren journalistische Inhalte"http://www3.ndr.de/ndrtv_..."Die politischen Strategien der INSM"http://www.boeckler.de/pd...

    • Colon
    • 28.05.2008 um 10:37 Uhr

    Warum, liebe ZEIT-Online Redaktion, fragte bei Ihnen niemand nach,
    wer die "Studie" des INSM letzlich wissenschaftlich zu verantworten hat?Das
    INSM selbst verfügt, es lässt sich auf deren Webseite realtiv einfach
    anhand der Mitglieder, Kuratoren und Beraterlisten überprüfen, über
    keinerlei personelle Kompetenz im Bereich der Schulbildung und
    Erziehung. "Schulnoten" werden zwar vergeben und tabelliert, sogar im
    Notensystem der Schule, aber nirgendwo steht,wie sie ermittelt wurden
    und wer sie letztlich, mit welcher Methode und welchem Aufwand
    festgestellt hat. Die W-Fragen sind doch das grundlegende Gebot
    journalistischer Praxis?GrüßeC. Leusch

  3. Franziskarr38
    Aus meiner Arbeit in der Lehrerausbildung kenne ich Interna von über einhundert Schulen, mit denen ich durch die schulpraktische Ausbildung meiner Studierenden (schon dieser Audruck ist ein Hohn) konfrontiert worden bin (das jeweils immer über vier Wochen - hier vergleiche man einmal die Forschungsarbeit während der Pisa-"Befragung").
    Meine Erkenntnisse sind vielfältig, aber vielleicht die wichtigste: würde es gelingen, die Lehrerausbildung tatsächlich so zu gestalten (und vor allem: zu finanzieren), daß "hinten" wirklich kompetente Lehrerinnen und Lehrer herauskämen, bräuchten wir uns um die Schule und unsere Kinder keine Sorgen mehr zu machen.
    Aber mein Fachbereich hat schon vor zwanzig Jahren proklamiert: wir bilden keine Lehrer mehr aus. Eine Schule, die nicht in der Lage ist, zu lehren und zu erziehen, ist nichts weiter als ein Armenhaus. Es ist doch der allergrößte Skandal, daß es inzwischen eine "Nebenschule" gibt und geben "muß": Nachhilfe... Die deutsche Schule ist alles in allem nichts weiter als ein ewiger Skandal, und wer das Gegenteil behauptet, möge einmal sein Forschungsinstrumentarium offenlegen - auch die geschwärzten Stellen.

  4. Die deutsche gesamtgesellschaftliche Schulneurose heißt "Fleißaufgaben". Wer fleißig tut, was verlangt wird, der stützt das Unterrichtsvollzugssystem, wer selber denkt, gefährdet es und einen. Infolgedessen bildet man Lernzielvollstreckungsbeamte für eine Du-musst-Schule aus und nicht LEHRER für eine neue Ich-kann-Schule. Es weiß auch gar keiner mehr, was Worte wie LEHREN, LERNEN oder SCHULE bedeuten - und es will das auch keiner wissen. In der PRAXIS läuft das genaue GEGENmodell dazu und man arbeitet sich nach oben und andere unter sich, indem man dieses Gegenmodell immer noch neurotischer perfektioniert. Es muss stets aussehen wie die allerbeste Schule aber es darf sie auf keinen Fall SEIN. Da wir in unserem Perfektionismuswahn alle originalen alternativen Denkmodelle entweder adaptiert oder vernichtet haben, wissen bei uns eh allenfalls nur kleine Kinder, die noch nicht "eingeschult" sind, wie es ANDERS sein könnte - aber von denen will keiner was lernen. Mit herzlichen Grüßen
    Franz Josef Neffe, Deutsches Coué-Institut

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