Europa-Kolumne Die Nachbarn der EU

Brüssel und Paris streiten über Sarkozys Mittelmeerunion, in der die EU eine Partnerschaft mit den Mittelmeeranrainern des Südens eingehen soll. Im Prinzip ist die Idee des Franzosen gut - doch sie schließt zu viele EU-Nachbarn aus

Wer gibt hier künftig eigentlich den Ton an? Die Frage stellt sich nach einer schlichten Mitteilung der EU-Kommission. Für die Brüsseler Behörde duldet die Antwort keinen Zweifel: Es sind dies auf internationalem Parkett die von 27 Staats- und Regierungschefs beschlossenen neuen Repräsentanten, also der künftige EU-Ratspräsident und der künftige EU-Außenminister, der so ja nicht heißen darf, aber zugleich Vizepräsident der Kommission ist. Mitreden darf außerdem (ein wenig) das Land, das turnusgemäß ein Semester lang den Ministerräten vorsitzt.

Das ist von Anfang Juli an Frankreich. Und dessen Präsident Nicolas Sarkozy hat sich als große Aufgabe für seinen sechsmonatigen EU-Ratsvorsitz vor allem den Aufbau einer Mittelmeerunion vorgenommen. Nach seinen Vorstellungen soll auch diese Runde einen Präsidenten haben, genauer gesagt sogar zwei, nämlich den Ägypter Hosni Mubarak und den Franzosen Sarkozy. Amtszeit zwei Jahre.

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Das verstoße gegen die Regeln des Lissabonner EU-Vertrags, der künftig allein den beiden eingangs genannten Personen die Außenvertretung der EU anvertraut. Gehen da Brüssel und Paris womöglich in einen Clinch der Eitelkeiten?

Nicht ganz. Denn die Kommission ist nach den EU-Regeln auch Hüterin der Verträge. Und ihr Hinweis ist durchaus sachdienlich. Zumal es gar nicht unwahrscheinlich erscheint, dass Sarkozys Idee einer Mittelmeerunion Schule macht. Schon ist von einer Schwarzmeerunion die Rede, im Zuge einer neuen Ostpolitik sind auch in dieser Himmelsrichtung neue Kooperationsformen denkbar, et cetera, et cetera.

Sarkozys Union, die am 13. Juli in Paris feierlich das Licht der Welt erblicken wird, ist in ihrem Kern eine gute, aber falsche Idee. Gut, weil der Franzose die Europäer energisch daran erinnerte, dass sie, anders als die Vereinigten Staaten, anders auch als China oder Indien, von einem weiten Kranz von Nachbarn umgeben sind, von Marokko bis Aserbaidschan. Und im Unterschied zu den neunziger Jahren steht im Umgang mit diesen die Aussicht auf EU-Mitgliedschaft nicht zur Verfügung, die so verlockend wie disziplinierend wirkte. Jener Umgang muss also anders, neu, einfallsreich geregelt werden. So weit erwies sich Frankreichs Präsident als kluger Avantgardist der EU.

Zur falschen Idee wurde sein Vorschlag aus drei Gründen. Erstens wollte er, damals noch im Wahlkampf, mit seiner Mittelmeerunion nebenbei die Türkei aus dem Vorzimmer der Europäischen Union hinauskomplimentieren, hinein in eine Mittelmeerunion, die damit zum Zweite-Klasse-Abteil ausgestaltet würde.

Leser-Kommentare
  1. Die Kooperation der EU mit den Anreinerstaaten sollte nicht zwischen "Guten" und "schlechten" Partnern nur aufgrund der geographischen Lage unterscheiden.Die Basis für die Globalisierung muss Mittel bis Langfristig ein Konsens über einen gemeinsamen Wertekanonon sein.

  2. Die Mittelmeerunion ist mit den von Frankreich beabsichtigten Anrainern durchaus sinnvoll. Die EU kann nicht jedem Staat mit dem sie Politik machen will, die Mitgliedschaft anbieten. Die Mittelmeerunion ermöglicht einen Ausgleich und eine Bindung der muslimischen Länder an Europa. Es ist richtig, dass die anderen Anrainer nicht vergessen werden sollten, allerdings kann man da durchaus eine weitere Organisation für diese kreieren. Es wird schon sehr schwer mit den Mittelmeeranrainern gemeinsame Politik zu machen. Je mehr Staaten mit heterogenen Interessen zusammenkommen, desto schwieriger wird es auch nur die kleinsten Fortschritte zu erzielen.

  3. Die EU scheint, hinter den Kulissen, ein AGRAR-Interessen- Club zu sein. Das merkt man einerseits an den Subventionen, aber auch am Gebaren gegenüber (potentiellen) NeuMitgliedern:=> bspw. in Bulgarien sollten erst einmal bestimmte Gesetze erlassen werden, die den Bauern dort das produzieren bestimmter Güter verboten hätte (mittels Reglementierung). Dort gab es dann Meuterei, und die Gesetze wurden nicht erlassen. Der Effekt wäre eine MarktBeschaffung zugunsten bereits bestehender westeuropäischer Lieferanten-Imperien gewesen, mit KonkurrenzEliminierung.=> Im Fall der Ukraine, die im AGRAR-Sektor einen mächtigen Konkurrenten darstellen kann, wollte man diese lieber nicht dabei haben. Am Ende hätten die noch mehr geliefert als gekauft ...=> Beim MittelMeer- Vorstoss wird wohl irgend ein verwandter Antrieb dahinter stecken. Und wem gehören seit Jahrhunderten, z.T. seit vielen Jahrhunderten, die grösseren Ländereien ? Und wer  verdient daher besonders gut mittels des EU-AGRAR- Kartells ?

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