Bioethik Zwischen Wahrheit und ChimäreSeite 2/2
Der Punkt ist, dass den Briten der Preis dieser Alternative zu hoch ist. Trotzdem bekennen sie sich um einer besseren Medizin Willen klar zu ihren Forschungszielen. Deshalb erlauben sie die Erzeugung von Hybriden unter strengen Auflagen.
Die ethische Debatte der britischen Abgeordneten um diese Regelung unterschied sich im Übrigen kaum von jener Diskussion, die erst kürzlich im deutschen Bundestag geführt wurde , und in der es um die unlösbare Frage ging, wann Leben beginnt und geschützt werden muss. Die Deutschen, die sich jetzt so schwer empören, haben sich ihrerseits für die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen entschieden – aber den hohen moralischen Preis, nämlich die Zerstörung überzähliger Embryonen, lassen sie lieber die anderen zahlen. Deshalb hat der Bundestag kürzlich für eine Verschiebung des Stichtags im Stammzellgesetz gestimmt.
Insofern ist die Aufregung um die vermeintlichen Chimären fast schon peinlich. Etwas anders sieht es dagegen mit den sogenannten Helfergeschwistern aus. Wenn Embryos gezielt im Reagenzglas gezeugt und aussortiert werden, um als passende Gewebespender für kranke Geschwister das Licht dieser Welt zu erblicken, ist der Vorwurf des Utilitarismus nicht ganz fehl am Platze. Ein solches geborenes menschliches Leben hat unzweifelhaft Würde, und als solches darf es nicht verzweckt werden – selbst wenn auch hier wieder Vokabeln ins Spiel kommen, die das Thema verfehlen.
"Ersatzteillager" sind diese Kinder nicht, sie werden nicht ausgeweidet und weggeworfen, sondern spenden Blutzellen und werden wahrscheinlich genauso geliebt wie ihre kranken Geschwister, denen sie das Leben retten. Und trotzdem wird den Kindern mit dem Zweck ihrer Zeugung und Geburt eine moralische unhaltbare Last aufgeladen, die ihre Menschenwürde eben doch verletzt. Man kann Eltern vielleicht nicht an dem Versuch hindern, auf gut Glück immer mehr Nachwuchs zu zeugen, so lange, bis für das kranke Kind ein perfekter Spender geboren wird. Gesetzlich fördern muss man dieses fragwürdige Unterfangen aber nicht.
- Datum 24.09.2009 - 17:39 Uhr
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"Die Deutschen, die sich jetzt so schwer empören, haben sich ihrerseits für die Forschung an menschlichen embryonalen Stammzellen entschieden"
Das wäre ein hübscher Satz, wenn er denn wahr wäre. Denn die Deutschen haben sich nicht entschieden - es gab keinen Volksentscheid dazu. Entschieden habe das Politiker, deren Legitimität eh nur nur gesetzlich besteht, sind sie doch häufig nur das kleinste aller möglich Übel auf ihrem Platz und ebenso häufig haben sie ihre Haltung, auf Grund derer sie gewählt worden, lange schon geändert.
Nun, diese Politiker sind eben nicht "die Deutschen" und es sind auch im Großen und Ganzen nicht die, wo sich empören. Insofern ist vorstehender Artikel meines Erachtens wieder einmal ein Versuch der Meinungsbildung von ach so unabhängigen Journalisten, sprich ein weiterer Baustein im Programm der Volksverdummung.
ach ja, na dann...
und es wird zerstört sagen Sie? Sehr gut!
und die Wahrscheinlichkeit dass das daraus resultierende Wesen nicht überlebensfähig wäre ist sehr hoch? Prima! Weiter so! Hauptsache die kleinen Biester rennen nicht bald durch unsere Straßen. Obwohl wenn die Teile kein Gehirn haben und folglich auch keine Seele, dann könnte man sie doch als Putzhilfe im Haushalt benutzen oder?
Ich meine, Sie stellen richtig heraus, dass man nicht genau definieren kann, was Mensch ist und was nicht. Die Frage ist unlösbar, sagen Sie. Also, wir könnten doch bestimmt dann sagen, dass die Dinger keine Menschen sind. Ohne Hirn, kein Mensch, keine Würde, also Putzhilfe.
Danke!
Danke für die Aufklärung.
Leider herrscht in Deutschland eine merkwürdige Fortschrittsfeindlichkeit. Es würde mich nicht wundern, wenn die Briten all das mit deutschen Geräten zustande bringen. Nur in Deutschland darf man die eigene Technologie nicht anwenden, mal wegen der bösen Nazis, mal wegen einer verschwurbelten religiösen Ethik, mal wegen der persönlichkeitsbedingten Skrupel irgendwelcher Gutmenschen.
Wichtig ist doch, ob die richtigen Abwägungen gemacht werden. Das ist meines Wissens in GB gründlich geschehen.
@Liladebila
Wollen sie ernsthaft behaupten, dass unsere Bildzeitungs-Leser das Thema auch nur im Ansatz begreifen würden? Die Wissenschaft darf niemals dem Pöbel zur Bewertung angeboten werden. Deshalb gibt's ja die repräsentative Demokratie und Qualitätszeitungen wie die ZEIT.
ist meistens der, der die anderen als solches bezeichnet.
Jeder Bildzeitungs-Leser kann sich eine Meinung darüber bilden, ob es richtig ist, menschliche Zellen in tierischen Zellen einzupflanzen. Oder Hilfs-Geschwister heranzuzüchten. Und jeder hat eine Vorstellung davon, was ein Mensch ist und was nicht und was man tun darf und was nicht. Dagegen kommt keine wissenschaftliche Erklärung an, weil Wissenschaft nichts Menschliches an sich hat. Sie ist steril und neutral. WIR sind es aber nicht. Wir sind immer noch Menschen.
Tja, ich weiß auch nicht. Aber ich finde, dass das Volk nicht durch tendenziöse Beiträge von oben herab zum Pöbel gemacht werden sollte. Egal in welchem Blatt und im vorliegenden Falle meinte ich aber ganz konkret diese hier. Das war doch auch nicht wissenschaftlich und keineswegs dazu geeignet, den Leser bei der Bildung einer ausgewogenen Meinung zu unterstützen, oder?
ist meistens der, der die anderen als solches bezeichnet.
Jeder Bildzeitungs-Leser kann sich eine Meinung darüber bilden, ob es richtig ist, menschliche Zellen in tierischen Zellen einzupflanzen. Oder Hilfs-Geschwister heranzuzüchten. Und jeder hat eine Vorstellung davon, was ein Mensch ist und was nicht und was man tun darf und was nicht. Dagegen kommt keine wissenschaftliche Erklärung an, weil Wissenschaft nichts Menschliches an sich hat. Sie ist steril und neutral. WIR sind es aber nicht. Wir sind immer noch Menschen.
Tja, ich weiß auch nicht. Aber ich finde, dass das Volk nicht durch tendenziöse Beiträge von oben herab zum Pöbel gemacht werden sollte. Egal in welchem Blatt und im vorliegenden Falle meinte ich aber ganz konkret diese hier. Das war doch auch nicht wissenschaftlich und keineswegs dazu geeignet, den Leser bei der Bildung einer ausgewogenen Meinung zu unterstützen, oder?
ist meistens der, der die anderen als solches bezeichnet.
Jeder Bildzeitungs-Leser kann sich eine Meinung darüber bilden, ob es richtig ist, menschliche Zellen in tierischen Zellen einzupflanzen. Oder Hilfs-Geschwister heranzuzüchten. Und jeder hat eine Vorstellung davon, was ein Mensch ist und was nicht und was man tun darf und was nicht. Dagegen kommt keine wissenschaftliche Erklärung an, weil Wissenschaft nichts Menschliches an sich hat. Sie ist steril und neutral. WIR sind es aber nicht. Wir sind immer noch Menschen.
Tja, ich weiß auch nicht. Aber ich finde, dass das Volk nicht durch tendenziöse Beiträge von oben herab zum Pöbel gemacht werden sollte. Egal in welchem Blatt und im vorliegenden Falle meinte ich aber ganz konkret diese hier. Das war doch auch nicht wissenschaftlich und keineswegs dazu geeignet, den Leser bei der Bildung einer ausgewogenen Meinung zu unterstützen, oder?
Ersteinmal stimme ich in weiten Teilen #3 (brux) zu. Beim Punkt "Pöbel" möchte ich aber einhaken. Insbesondere auch, da #4 (bspiesser) glaubt die Meinungsführerschaft für "den Pöbel" übernehmen zu können.Ich glaube, dass wenn man jeden einzelnen Menschen in Deutschland alle verfügbaren Fakten der beiden Seiten vorlegen würde und diese einzeln - ohne Rücksprache mit anderen - über diese zu entscheiden hätten, dann würden sie die Stammzellenforschung in Deutschland unterstützen. Somit gehe ich mit beide, #3 und #4, nicht konform.Der BILD-Zeitungsleser ist nicht per se dumm. Er ist nur nicht ausreichend informiert und, das ist das eigentliche Problem, er will es auch nicht sein. Deshalb ist auch der Volksentscheid nicht per se die Lösung. Viele Menschen meiden Entscheidungen wie Tiere das Feuer. Deshalb werden Entscheider bestimmt. In der Politik, in der Wirtschaft, teils sogar in Familien. Weil Entscheidung nämlich neben Macht auch Verantwortung bedeutet und die wollen wenige übernehmen.Noch am Rande. BSpiesser hat ja bei #2 auch noch eine interessante Fantasie vorgeführt. Diese erinnert mich stark an Karikaturen die man zur Zeit der Pokenimpfungseinführung in Zeitungen sah. Erstaunlich ist, dass man derartige Ängste noch immer nicht überwunden hat.
"Dagegen kommt keine wissenschaftliche Erklärung an, weil
Wissenschaft nichts Menschliches an sich hat. Sie ist steril und
neutral."Selbstversändlich ist die Wissenschaft menschlich, sie ist das Produkt menschlicher Neugier. Die rationale Überlegung und empirische Forschung sind ebenso Aspekte des Menschseins wie die Emotionalität.
Wenn Menschen Kranken oder Todgeweihten durch Stammzellen helfen wollen ist das genauso menschlich wie die Bedenken gegen geklonte Lebewesen. Der Versuch hier sehr differenziert zu gesetzlichen Regeln zu greifen, ist nach meiner Meinung besser als plumpes "verteufeln"aller Wissenschaft.Trotzdem bleibt ein starkes Unbehagen über die zunehmende Manipulierbarkeit des Lebens. Ja, es gibt bereits massenhaft geklonte Tiere die munter und lebensfähig sind. Machbar ist bald vielleicht auch ein "Ersatzkind" für Eltern die eines verloren haben, welches seinem Vorgänger genetisch gleicht...
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