Bundesliga „Ich war nie wirklich so“

Popstar, Kommerzkritiker und ewiges Talent: Dortmunds Urgestein Lars Ricken über ein Fußballerleben und Thomas Dolls Art Spieler auszubooten. Ein Interview

Lars Ricken wurde mit Borussia Dortmund dreimal Deutscher Meister (1995, 1996 und 2002). Er gewann mit dem BVB 1997 die Champions League und wurde 2002 mit der Nationalmannschaft Vizeweltmeister. 1997 kritisierte der damalige Dortmunder Jungstar in einem Werbespot die Profitgier im Fußball. Nach seiner Ausmusterung aus dem Profiteam des BVB absolviert der 31-Jährige ein Trainee-Programm in der Geschäftsstelle des Vereins und spielt für die Amateure in der Regionalliga Nord.

ZEIT online: Herr Ricken, Sie arbeiten in der Geschäftsstelle von Borussia Dortmund und spielen zusätzlich noch in der Amateurmannschaft, um die Qualifikation für die Dritte Liga. Wie sieht Ihr Alltag derzeit aus?

Lars Ricken: Ich gehe dreimal pro Woche in die Geschäftsstelle und durchlaufe dort alle Abteilungen. Zurzeit bin ich in der Abteilung Organisation. Mein Trainee-Programm dient dazu, den Verein von innen kennenzulernen. Ich bekomme mit, wie auf der Geschäftsstelle gearbeitet und wie alles organisiert wird. Unsere Amateure trainieren nicht weniger als die Profis. Deshalb hat sich für mich bezüglich des Trainingspensums nicht so viel geändert.

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ZEIT online: In einem Werbespot, der 1997, im Jahr des Champions-League-Sieges von Dortmund gedreht wurde, prangerten Sie die Geschäftemacherei im Fußball durch „Typen in Nadelstreifen“ an. Nun müssen Sie fast täglich Maßanzüge tragen.

Ricken: Zuletzt hat man mich an den Spruch erinnert, als ich mit Vereinsverantwortlichen bei einem Diskussionsforum war. Wenn die Fußballfans mehr als zehn Jahre, nachdem der Spot gedreht wurde, diesen Spruch noch draufhaben, dann haben wir ein Stück Werbegeschichte geschrieben. Im Nachhinein hätte ich sicher einige Sätze nicht mehr so gesagt. Unser Ziel war es damals aber nicht, das Fußballgeschäft pauschal zu kritisieren, sondern auf gewisse Tendenzen hinzuweisen. Man sollte klar zwischen der puren Geschäftemacherei und einer seriösen Herangehensweise an den Fußball differenzieren.

ZEIT online: Haben Sie mit unseriösen Leuten im Laufe Ihrer Karriere Erfahrungen gemacht?

Ricken: Ich mag gar nicht darüber nachdenken, wo ich überall schon hätte hintransferiert werden sollen. Mir sagte mal ein Berater, er hätte für mich ein Angebot von einem Top-Verein im Ausland vorliegen, der Rekordlandesmeister sei. Als ich nachgefragt habe, war es Nikosia in Zypern. Allerdings haben sich gute Leute um mich gekümmert, die Erfahrung hatten und keine Jubelperser waren.

ZEIT online: Dennoch kritisieren viele Fans, dass sich der Profifußball in den vergangenen Jahren zu einem eiskalten Geschäft gewandelt hat. Sogar Stadionnamen werden verkauft.

Ricken: Man kann das Rad der Kommerzialisierung nicht zurückdrehen. Das ist auch in Ordnung so. Viele Fans kommen ja nicht nur ins Stadion, um die Mannschaft spielen zu sehen, sondern auch wegen der Erlebniswelt, die der Signal Iduna Park mittlerweile bietet. Um den Zuschauern etwas bieten zu können, benötigt man heutzutage auch finanzielle Unterstützung.

ZEIT online: Inwieweit haben sich die Spielercharaktere im Vergleich zu früher verändert?

Leser-Kommentare
  1. "a)Man kann das Rad der Kommerzialisierung nicht zurückdrehen. b)Das ist auch in Ordnung so."
    zu a) wieso denn nicht?
    zu b) wie bitte? hat da jmd die seiten gewechselt ... schlimmer als für schalke spielen ... sag ich mal

    • Zynix
    • 22.05.2008 um 16:14 Uhr

    zu a) weil es hier um Effizienz geht. Man muss alle Möglichkeiten nutzen, um zu möglichst viel Geld zu kommen, damit man dieses Geld wieder für den sportlichen Erfolg investieren kann. Wer dies nicht tut muss mit kleinerem Budget zurecht kommen und damit auf Einkäufe, einen Teil des Trainerstabes oder sonstwas verzichten und verschlechtert damit seine Chancen und langfristig auch den Erfolg.zu b)das führt dazu, dass zumindest in der Spitze auf einem höheren Niveau gespielt wird.

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