Bundesliga „Ich war nie wirklich so“Seite 3/3

Ricken: Am Anfang bin ich sehr unbekümmert zu Werke gegangen. Natürlich hatten wir auch eine sehr erfahrene Mannschaft. Wenn es dann nicht so gut gelaufen ist, mussten erst mal Matthias Sammer und Jürgen Kohler zur Presse gehen. Ich musste mich nicht rechtfertigen, denn ich hatte vom damaligen BVB-Coach Ottmar Hitzfeld ein Interviewverbot. In meinen ersten beiden Meisterjahren war ich noch Abiturient. In dem Alter war es ganz gut, dass ich überhaupt keine Zeit hatte zu realisieren, was ich da überhaupt geleistet habe. Ständig musste ich zwischen Schule und Fußball hin- und herschalten. Damals gab es ja noch die Samstagsschule. Ich hatte noch keinen Führerschein und bin dann vom Verein samstags abgeholt worden. Da musste ich den Fahrer erst mal fragen, gegen wen wir überhaupt spielen.

ZEIT online: Ausgerechnet kurz nach der Ausstrahlung des Werbesports lief vieles für Sie nicht mehr so, wie es eigentlich laufen sollte.

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Ricken: Fußballerisch war ich 1997 mit dem Gewinn der Champions League und des Weltpokals auf dem Höhepunkt meiner Karriere. Höher ging es nicht. Ich wurde dann aber ziemlich böse gefoult, zog mir einen dreifachen Bänderriss im Sprunggelenk zu und fiel monatelang aus. Meine Leistungen wurden immer sehr extrem gesehen. Entweder war ich der Versager oder der Held. Teilweise wurde ich aber auch unterschätzt. In der Meistersaison 2002 habe ich mehrmals das entscheidende Tor geschossen. Mit Sicherheit wurde ich kritischer gesehen als die anderen. Man muss aber auch dankbar sein, dass man nicht einfach nur mitläuft, sondern eine gewisse Bedeutung hat.

ZEIT online: Wie sehr hat Sie angesichts Ihrer jahrelangen Treue zu Borussia Dortmund die Ausbootung durch Thomas Doll gewurmt?

Ricken: Es gibt zwei Seiten. Aus sportlicher Sicht kann man nichts dagegen machen, wenn ein Trainer nicht mehr mit einem plant. Die Art und Weise empfand ich aber als sehr respektlos, auch im Nachhinein. Ich wurde ja noch nicht einmal mit ins Trainingslager genommen. Hinzu kommt die Tatsache, dass bisher viele Amateure bei den Profis eingesetzt wurden. Ich selbst habe bei den Amateuren gute Leistungen gebracht, aber keine Chance bekommen. Da kann man über einiges süffisant schmunzeln. Thomas Doll hatte ja das Image des lieben netten Trainers. Vielleicht wollte er eine Imagekorrektur vornehmen. Von den Fans habe ich aber selten so viel Zuspruch wie im letzten Jahr bekommen. Die Leute merken natürlich auch, dass ich Borussia Dortmund lebe und mich nicht beleidigt zurückgezogen habe.

Das Interview führte Jörn Duddeck.

 
Leser-Kommentare
  1. "a)Man kann das Rad der Kommerzialisierung nicht zurückdrehen. b)Das ist auch in Ordnung so."
    zu a) wieso denn nicht?
    zu b) wie bitte? hat da jmd die seiten gewechselt ... schlimmer als für schalke spielen ... sag ich mal

    • Zynix
    • 22.05.2008 um 16:14 Uhr

    zu a) weil es hier um Effizienz geht. Man muss alle Möglichkeiten nutzen, um zu möglichst viel Geld zu kommen, damit man dieses Geld wieder für den sportlichen Erfolg investieren kann. Wer dies nicht tut muss mit kleinerem Budget zurecht kommen und damit auf Einkäufe, einen Teil des Trainerstabes oder sonstwas verzichten und verschlechtert damit seine Chancen und langfristig auch den Erfolg.zu b)das führt dazu, dass zumindest in der Spitze auf einem höheren Niveau gespielt wird.

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