Ölpreis Die Rechnung zahlen wir

Der jüngste Ölpreisrekord trifft in Deutschland vor allem die Verbraucher. Allen bisherigen Prognosen zufolge sollten sie eigentlich die Wirtschaft in Schwung halten. Doch vielleicht bleibt ihnen dafür bald nicht mehr genügend Geld

Der US-Ölpreis hat seine Rekordjagd der vergangenen Handelstage noch einmal beschleunigt und erstmals die Marke von 135 US-Dollar erreicht. Nachdem bekannt geworden war, dass die Bestände der Rohöllager in den USA überraschend geschrumpft waren, stieg der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit Auslieferung im Juli im asiatischen Handel in der Spitze auf 135,04 Dollar - so hoch wie noch nie. Im weiteren Handelsverlauf rutschte der Preis wieder auf 134,67 Dollar. Damit kostete US-Öl aber immer noch 1,50 Dollar mehr als im späten Mittwochhandel.

Die Börsen reagierten erschrocken auf den jüngsten Rekord, die Aktienkurse purzelten auf breiter Front. "Der Ölpreis drückt massiv", sagte ein Händler in Frankfurt. "Zumal da heute kaum jemand dagegen halten kann." Wegen des Fronleichnam-Feiertages in einigen deutschen Bundesländern war das Geschäftsvolumen gering. Mit dem hohen Ölpreis verteuern sich für die Unternehmen Produktion und Transport, was die Gewinne schmälert. Zudem wird die Konsumlust der Verbraucher durch höhere Spritpreise gedämpft. Den New Yorker Börsen hatte das Preishoch am Mittwoch die stärksten Tagesverluste seit zwei Wochen beschert.

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Inzwischen ist Öl fünfmal so teuer wie im Jahr 2002. Der jüngste Preisanstieg schürt die ohnehin virulente Sorge vor einer allgemeinen Teuerung und Konjunkturproblemen. Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr am Mittwoch auf 0,3 bis 1,2 Prozent zurückgeschraubt. Zugleich äußerte sie sich besorgt über die Gefahren einer anhaltend hohen Inflation und eines deutlichen Anstiegs der Arbeitslosigkeit. Die Zentralbank signalisierte auch, dass deshalb ihre Politik der Zinssenkungen vorläufig an ein Ende gelangt sei. Zusammen mit dem hohen Ölpreis nährt die Analyse der "Fed" die Sorge vor einer Stagflation, also einer Inflation bei stagnierender Konjunktur.

Auch in Deutschland wächst die Furcht, dass der steigende Ölpreis dem Wachstum schaden könne. Zwar seien die neuen Rekorde "keine Katastrophenmeldung", teilte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) mit. Doch "angesichts der schwierigen Gesamtlage aus Währungsturbulenzen, der Verschlechterung der Währungsrelation, Finanzkrise und der Lage der US-Wirtschaft" seien sie "aber ein weiteres Risiko, das die deutsche Wirtschaft belasten könnte",  sagte BDI-Experte Reinhard Kudiß am Donnerstag in Berlin.

Übertriebener Pessimismus sei jedoch unnötig. Die Auftragsbücher der Industrie seien in den meisten Branchen gut gefüllt, berichtete Kudiß. "Dennoch kann man einen Ölpreis von über 130 Dollar nicht so ohne weiteres wegstecken." Dieser sei ein Kostenfaktor für Unternehmen und ziehe den Verbrauchern das Geld aus der Tasche, was die Kaufkraft schmälere. "Wir haben Preissteigerungen auf allen Wertschöpfungsstufen bis hin zu Endverbraucherpreisen", sagte Kudiß. Der starke Euro setze zwar ein Gegengewicht, könne den hohen Ölpreis aber nicht ausgleichen.

Mehr als die Unternehmen träfe der hohe Ölpreis die privaten Haushalte, schätzt das Kieler Instituts für Wirtschaftsforschung (IfW). "Gesamtwirtschaftlich dürften die hohen Ölpreise keine schlimme Auswirkung haben", sagte der Leiter der IfW-Konjunkturabteilung Joachim Scheide. So würden die steigenden Energiepreise durch den festen Euro gemildert. Da Rohstoffe wie Öl in Dollar gehandelt werden, bremst ein sinkender Dollarkurs den rapiden Ölpreisanstieg für deutsche Verbraucher und Unternehmen.

Leser-Kommentare
  1. 1. These: Wir haben den "Peak Oil" bzw. eine "Hochplateauphase" bereits erreicht oder erreichen diese in wenigen Jahren. Das Erdöl-Angebot stagniert oder nimmt ab, die Nachfrage nimmt weiterhin massiv zu. Daran werden auch verbesserte Explorationstechniken, die Ausbeutung von Teersanden u.a. und steigende Investitionen in die Erforschung und Ausbeutung neuer Ölfelder nichts ändern! Dies geht aus allen serösen Studien zu diesem Thema hervor (vgl. z.B. die Studien der staatlichen Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe: http://www.bgr.bund.de/cl...)2. These: Wir sind vom Erdöl noch immer extrem abhängig. Der Beitrag des Erdöls zum Primärenergieverbrauch in Deutschland und global liegt gegenwärtig bei rund 34 Prozent! Verkehr und Transport sind vom Erdöl in Deutschland und weltweit nahezu vollständig von Erdöl abhängig, die chemische Industrie kommt ohne Erdöl nicht aus, und auch die Landwirtschaft hängt am Erdöl wie der Junkie an der Nadel (Stichworte: landwirtschaftlicher Maschinenpark, Bewässerungssysteme insbesondere in heißen Schwellen- und Entwicklungsländern)3. These: Wenn wir so weiter machen wie jetzt, steuern wir direkt in eine Weltwirtschaftskrise hinein. Die Ausmaße dieser Weltwirtschaftskrise werden die der Krise der 1930er Jahre wahrscheinlich noch übertreffen. Zur Erinnerung: Damals wurden in wenigen Jahren mehrere Jahrzehnte "Globalisierung" zu Nichte gemacht, außerdem war die Weltwirtschaftskrise ein wichtiger Grund für den Erfolg der NSDAP und damit für den 2. Weltkrieg. 4. These: Es reicht nicht, auf individueller Ebene zu reagieren, Stichworte "weniger Auto fahren und weniger fliegen", "effizientere Kühlschränke und Autos kaufen" usw. Selbst die nationale Ebene hat nicht das Potential und die Möglichkeiten, die bevorstehende Krise zu verhindern. Nur durch ein ein internationales Abkommen, das die internationalen Rahmenbedingungen massiv verändert, kann die Krise noch verhindert werden. 5. These: Gegenwärtig spricht nichts dafür, dass die internationale Staatengemeinschaft weise genug ist, rechtzeitig umzusteuern. Sehr wahrscheinlich ist vielmehr, dass es zu einer Weltwirtschaftskrise, zu heftigen internationalen Spannungen, und - verbunden mit der Klimaerwärmung - zu Bürgerkriegen, zwischenstaatlichen Kriegen, Flüchtlingsströmen kommen wird. Es steht nicht weniger als die westliche Zivilisation auf dem Spiel. Alles nur Alarmismus eines Spinners? Lesen Sie mal beim wissenschaftlichen Beirat des Bundesregierung für Umweltfragen nach (http://www.wbgu.de/wbgu_j...) oder bei Harald Welzer (Klimakriege), der sich mit den vernachlässigten sozialen Aus- und Wechselwirkungen des Energie- und Klimathemas beschäftigt.  

  2. die menschen sollen darüber nachdenken und sich besinnen. lieber mal öfters das auto stehen lassen und bahn fahren, radfahren oder zu fuß gehen. es schadet niemanden, im gegenteil!

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    • KFlash
    • 22.05.2008 um 11:56 Uhr

    Ich glaube dein Zitat zeigt wie enorm die Lage unterschätzt wird.Es geht nicht darum wieviel die Westliche Welt autofährt. Selbst wenn nur noch 10% der Autos im Westen in betrieb wären, oder von mir aus sagen wird 25% auf der Welt, würde das nichts ändern.Öl ist überall! Es steckt in Klebstoffen, in Plastik, in den Maschinen aller Coleur. Es wird strom daraus hergestellt und wärme.Es geht nicht darum "das Auto öfters mal stehen zu lassen". Es geht darum in Zukunft nicht mehr heizen zu können, kaum elektrisches Licht oder elektrik überhaupt zu haben, keine modernen Produkte (kein Leichtbau), überhaupt keine Massenfertigung mehr. Bzw. all diese Sachen stehen nur noch Previligierten zur Verfügung. Im Grunde genommen geht es um die komplette (liebgewonnene) westliche Lebensart.Wissen sie wie die Welt ohne Öl aussieht? Ungefähr so wie 1880. Damals gabs Benzin noch in der Apotheke. Und das war gar nicht romantisch - trotz Kerzenschein.

    • KFlash
    • 22.05.2008 um 11:56 Uhr

    Ich glaube dein Zitat zeigt wie enorm die Lage unterschätzt wird.Es geht nicht darum wieviel die Westliche Welt autofährt. Selbst wenn nur noch 10% der Autos im Westen in betrieb wären, oder von mir aus sagen wird 25% auf der Welt, würde das nichts ändern.Öl ist überall! Es steckt in Klebstoffen, in Plastik, in den Maschinen aller Coleur. Es wird strom daraus hergestellt und wärme.Es geht nicht darum "das Auto öfters mal stehen zu lassen". Es geht darum in Zukunft nicht mehr heizen zu können, kaum elektrisches Licht oder elektrik überhaupt zu haben, keine modernen Produkte (kein Leichtbau), überhaupt keine Massenfertigung mehr. Bzw. all diese Sachen stehen nur noch Previligierten zur Verfügung. Im Grunde genommen geht es um die komplette (liebgewonnene) westliche Lebensart.Wissen sie wie die Welt ohne Öl aussieht? Ungefähr so wie 1880. Damals gabs Benzin noch in der Apotheke. Und das war gar nicht romantisch - trotz Kerzenschein.

    • KFlash
    • 22.05.2008 um 11:56 Uhr

    Ich glaube dein Zitat zeigt wie enorm die Lage unterschätzt wird.Es geht nicht darum wieviel die Westliche Welt autofährt. Selbst wenn nur noch 10% der Autos im Westen in betrieb wären, oder von mir aus sagen wird 25% auf der Welt, würde das nichts ändern.Öl ist überall! Es steckt in Klebstoffen, in Plastik, in den Maschinen aller Coleur. Es wird strom daraus hergestellt und wärme.Es geht nicht darum "das Auto öfters mal stehen zu lassen". Es geht darum in Zukunft nicht mehr heizen zu können, kaum elektrisches Licht oder elektrik überhaupt zu haben, keine modernen Produkte (kein Leichtbau), überhaupt keine Massenfertigung mehr. Bzw. all diese Sachen stehen nur noch Previligierten zur Verfügung. Im Grunde genommen geht es um die komplette (liebgewonnene) westliche Lebensart.Wissen sie wie die Welt ohne Öl aussieht? Ungefähr so wie 1880. Damals gabs Benzin noch in der Apotheke. Und das war gar nicht romantisch - trotz Kerzenschein.

    Antwort auf "ich find das gut"
    • Anonym
    • 22.05.2008 um 12:07 Uhr

    KFlash:Ich sehe das genau so wie Sie.Wenn wir (die westliche Welt insgesamt)  nicht auf den Stand auf 1880 zurueckrutschen wollen, was tun? Irgendeine Idee? 

    • iDog
    • 22.05.2008 um 12:58 Uhr

    der ideen sind legion - nur sie werden von denen durch protektionosmus blokiert , deren macht auf der veralteten oelbasierten technik basiert. die monopolwirtschaft und  unverantwortliche konsumentenmentalitaet fuehren sich ad absurdum . in zukunft wird der gefragt sein , der auch ohne internanationale industriabhaengigkeit energie wird erzeugen koennen --- das know how ist lange da. nach juengsten berechnungen kann zB der gesamte heutige strombedarf europas ( gesamt EU)  mit einem solarkraftwerk von insgesamt nur 200x200 km2 versorgt werden - natuerlich nicht in einer einzigen zusammenhaengenden flaeche - die technologie um selbst von der shaha bis schweden den strom mit einem verlust von weniger als 10% durchzuleiten ist  vorhanden. wenn sich mit diesem technisch machbaren modell eine eigenverantwortung des verbrauchers zur lokalen selbstversorgung und damit selbstkontrolle des privaten verbrauchs paart, wird die energieversorgung weiter gesichert und sogar die energiebilanz bezueglich der umweltvertraeglichkeit in die richtige richtung entwickelt. know how traeger wie zB d-land werden wirtschaftliche profiteure einer solchen entwicklung sein. noetige unabwendbare mobilitaet laesst sich ein zukunft mE. auch nur ueber strom realisieren - in mexico geht demnaechst das erste auto mit luftdruckmotor in serie basierend auf einer stromgetriebenen kompression : solarpanel + 2-3 baterien und der nahverkehr ist schon mal kein problem mehr - fuer dumfes geprotze mit lastwagengrossen jeeps allerdings muss eine ersatzloesung her ; schwanzverlaengerung oder "dumm kommt weiter" award ?

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    • iDog
    • 22.05.2008 um 19:21 Uhr

    ... sorry fluechtigkeitsfehler : das musste 200km2 heissen : also ein flaeche von nur 10 x 20 km !!!

    • iDog
    • 22.05.2008 um 19:21 Uhr

    ... sorry fluechtigkeitsfehler : das musste 200km2 heissen : also ein flaeche von nur 10 x 20 km !!!

  3. Lange wurde erzählt, der globalisierte Kapitalismus wäre das beste Wirtschaftssystem der Welt. Ohne Handelsschranken, Einfuhrzölle etc. sollten Wahren grenzenlos über den gesamten Erdball transportiert werden, ein schrankenloser Wettbewerb um die günstigsten Produktionskosten herrschen und sowohl Verbraucher, als auch Börsenanleger davon profitieren und die (Natur-) Gesetze des Marktes paradiesische Zeiten ermöglichen.Leider erweist sich dies seit einiger Zeit als eine Illusion, denn der globalisierte Kapitalismus erweist sich als ausserordentlich krisenanfällig; nicht nur die Immobilienblase in den USA sorgt für ein böses Erwachen, nein, auch die Verkehrswege erweisen sich als eine Achillesferse: funktionieren sie nicht mehr richtig oder werden die Transportkosten zu teuer, bricht das schöne Kartenhaus in sich zusammen.Ein Beispiel: beim Elbhochwasser 2002 gelang es nur mit größter Mühe, die Autobahnbrücke über die Elbe im Zuge der A9 zu halten. ihr Einsturz hätte binnen weniger Stunden die Produktion in sämtlichen Automobilwerken in Süddeutschland zum Erliegen gebracht. Nun stellen wir uns einmal vor, es käme auf Grund von Ölengpässen zu gravierenden Verzögerungen im See- und Flugverkehr - die Folgen wären unvorstellbar und ein weltweites Kollabieren der Börsen die Folge.

  4. Problematisch finde ich va den Transport von Lebensmitteln und anderen Gütern kreuz und quer durch Dtl, Europa, die Welt. Eine Evolution dahingehend wäre klug daß nicht Materie sondern vornehmlich Information den Ort wechselt, die Produktion aber va regional stattfindet. Je kurzlebiger ein Produkt ist, desto näher müssen Konsum- udn Produktionsstätte beieinander liegen. Die Städte müssen echte Metropolregionen werden, damit die Arbeitswege kurz werden (Fahrradentfernung). Wer auf dem Land lebt sollte dort auch arbeiten. Eigentlich würde sich die Umstrukturierung des Raumes durch steigende Ölpreis von selbst ergeben- wie in der DDR etwa weiläufige Strassenbahnnetze dadurch entstanden dass man Strom durch Braunkohle hatte, aber nicht genug Öl für Busse.Dennoch kann man Umbrüche vermeiden, indem man das Notwendige antizipiert.

  5. Soll der Staat weniger Steuern nehmen ! Ohne Steuern wäre das Benzin _jetzt_ ca. 90 ct billiger ! Natürlich wird das Erdöl noch jahrzehntelang reichen, aber viele Staaten sind _jetzt_ pleite und wollen Löcher stopfen, daher die unermüdliche Propaganda. Auch die UmweltHetze kommt längst überwiegend von InteressenGruppen, die sich in den Medien breitgemacht haben, und nicht von den UmweltSchützern.
    Davon abgesehen rechnet jeder, der Ahnung hat, damit, dass die Ölblase bald platzt, den Öl ist nicht knapp, nur der Preis ist irreal infolge der BankenKrise.

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