Bundespräsident Bis zum bitteren Ende
Die SPD nominiert Gesine Schwan und die CDU murrt. Aber die Große Koalition wird weiter machen, auch wenn sie sich nicht mehr viel zu sagen hat

© Axel Schmidt/ddp
Gesine Schwan, Bundespräsidentschaftskandidatin der SPD und Kurt Beck, SPD-Parteivorsitzender.
Es war keine Überraschung mehr, als Kurt Beck am Montagmittag vor die Presse trat und das Ergebnis der Beratungen im Parteivorstand bekannt gab. Einstimmig hatte die SPD-Führung zuvor die Politikwissenschafterin Gesine Schwan für die Wahl zum Bundespräsidenten nominiert.
Und nun steht der SPD-Vorsitzende im grauen Anzug vor der Hauptstadtpresse und versuchte darzulegen, warum dies ein ganz normaler Vorgang ist. Warum die SPD das selbstverständliche Recht hat, sich eine eigene Kandidatin auszusuchen. Warum dies die Arbeit der Großen Koalition nicht belasten wird. Warum das alles nichts mit dem Bundestagswahlkampf zu tun hat.
Neben ihm steht die frisch gekürte Kandidatin im roten Kostüm und strahlt.
„Wir freuen uns über ihre Bereitschaft“, sagt Beck also zu der Frau neben ihm. Er lobt seine Parteifreundin als Intellektuelle, beharrt darauf, auch bei der Wahl des Bundespräsidenten müsse „eine „Auswahl möglich sein“, spricht von einer „realistischen und guten Chance“, dass Gesine Schwan gewählt werde. Und appelliert an die Gesellschaft, ihre Kandidatur als „Chance“ zu begreifen auf eine „lebendige Diskussion“ über Werte wie Liberalität und Gerechtigkeit. Ein „richtiger Schritt“ für Deutschland sei das.
Allen Journalisten, die geschrieben haben, er habe erst Köhler die Wiederwahl in Aussicht gestellt und sei dann umgekippt (wieder einmal), entgegnet Beck: „Ich habe mich zu dieser Frage nie öffentlich geäußert.“ Natürlich habe es einen „Abwägungsprozess“ gegeben, sagt er, aber am Ende sei die Entscheidung für Schwan gefallen, ihre Kandidatur stehe für das „Selbstbewusstsein der Sozialdemokraten“.
Alles Paletti also, alles nur ein Missverständnis, auch im Parteivorstand soll es zuvor keine kritische Diskussion über die Kommunikationspannen der vergangenen Wochen gegeben haben.
- Datum 28.05.2008 - 13:09 Uhr
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