Bundespräsident Retterin Schwan

Die SPD präsentiert die Politologin Gesine Schwan als Gegenkandidatin zu Horst Köhler. Eine gute Wahl, die aus purer Not geboren wurde, die der Partei aber noch manche Probleme bereiten könnte

Es ist etwa ein Jahr her, da war Gesine Schwan im Dresdner Schauspielhaus zu Gast. Vor der versammelten lokalen Prominenz sprach sie über das Thema „Vertrauen in der Politik“. Es ist ein Thema, das die Politikwissenschaftlerin und Hochschullehrerein seit Längerem umtreibt. In Dresden nutzte sie die Gelegenheit, um gegen die Logik des Markts zu polemisieren, vor einer obrigkeitsstaatlichen Bürokratie zu warnen und zu einem Aufstand der Zivilgesellschaft aufzurufen.

Schließlich ist Gesine Schwan in ihrem langen Leben als Professorin und Wissenschaftsmanagerin, als streitbare Intellektuelle und politische Beraterin, als engagierte Sozialdemokratin und bekennende Katholikin zu der Erkenntnis gelangt: „Ohne einen deftigen Schuss an Rebellion bewegen sich die Etablierten nicht.“ Denn der Politik gelinge es immer weniger, „gemeinwohlorientierte Entscheidungen durchzusetzen“. Deshalb sei ziviler Widerstand nötig, „um der Werte der Demokratie willen“.

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Typisch Schwan. Immer engagiert, immer Anwältin der demokratischen Institutionen, und immer mit ein wenig Misstrauen gegenüber dem politischen Establishment. Eine interessante Frage wäre deshalb, ob Gesine Schwan eine solche Polemik an einem Tag wie diesen wiederholen würde, nicht vor Honoratioren in der ostdeutschen Provinz, sondern vor dem SPD-Vorstand im Willy-Brandt-Haus in Berlin.

Vermutlich ja, denn selbstbewusst und ein wenig dickschädelig ist sie auch. Trotzdem oder gerade deshalb wird die SPD, die seit zehn Jahren die deutsche Politik entscheidend mitprägt, an diesem Montag beschließen, Gesine Schwan im kommenden Jahr nach 2004 zum zweiten Mal in das Rennen um die Wahl des Bundespräsidenten zu schicken, als Herausfordererin des Amtsinhabers Horst Köhler, gegen den sie vor vier Jahren knapp unterlegen war.

Die Nominierung, über die die gesamte vergangene Woche spekuliert worden war, gilt mittlerweile als sicher. Nach dem Horst Köhler am Donnerstag angekündigt hatte, dass er für eine zweite Amtszeit kandidiert, war die SPD unter Zugzwang geraten. Angesichts der Stimmung an der Parteibasis blieb der engeren Führung schließlich keine andere Wahl, als darauf eine eigene Kandidatin aufzustellen, obwohl sie dies ursprünglich nicht wollte.

Der Zufall wollte es, dass Köhler seine Entscheidung just an jenem Tag bekannt gab, an dem Gesine Schwan ihren 65. Geburtstag feierte und in der Universität Viadrina in Frankfurt/Oder, deren Präsidentin sie ist, mit ihren Studenten anstieß. Seit neun Jahren steht sie an der Spitze der Europa-Universität, die sich der deutsch-polnischen Zusammenarbeit verschrieben hat. Eine kleine Universität ist dies, nur knapp 5000 Studenten studieren hier, etwa ein Drittel kommt aus Polen. Aber Schwan ist es gelungen, die Viadrina weit über Brandenburg hinaus bekannt zu machen.

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 26.05.2008 um 11:41 Uhr

    als wären köhler schwarz und schwäne weiss.

  1. Die Sorge, dass Frau Professor Rebellin bleiben könnte, ist m. E. unberechtigt. Schon dass sie sich in den Schatten des Provinzfürsten Beck stellt, ist eine erstaunliche Anpassungsleistung. Und auch der kranke Reflex, nach dem Renteneintritt unbedingt weiter mächtig sein zu wollen, steht einer Rebellin so gewiss nicht an. Mit leuchtenden Augen steht sie da und wärmt sich an der Vorstellung, den Posten dieses Mal wirklich zu ergattern. Nein, sie wird keine Problemlöserin sein, sie ist jetzt schon ein integraler Bestandteil des Problemes Politikzirkus selbst.

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