Die fremdenfeindliche Gewalt in der südafrikanischen Metropole Johannesburg hat in der Nacht zum Mittwoch auf die Hafenstadt Durban übergegriffen. In Durbans Armenviertel Umbilo attackierten mehr als 150 aufgebrachte Südafrikaner Zuwanderer aus Nigeria. Bei dem Angriff auf eine von Nigerianern betriebene Bar wurden nach Medienangaben sechs Menschen verletzt.

Wegen der fremdenfeindlichen Gewaltwelle in Südafrika rief das Auswärtige Amt in Berlin Besucher zu zusätzlicher Vorsicht auf. Derzeit werde Reisenden dringend davon abgeraten, die Innenstadt von Johannesburg oder die so genannten Townships in den Randgebieten anderer südafrikanischer Großstädte zu besuchen, hieß es am Mittwoch in einem aktuellen Hinweis. Dies gelte für selbstständige und organisierte Reisen.

Ein südafrikanischer Polizeisprecher sagte, der mit abgebrochenen Glasflaschen und Steinen bewaffnete Mob in Durban habe die Nigerianer aufgefordert, die Gegend zu verlassen. Die Lage sei gespannt. Nach Ansicht des Provinz-Ministers Bheki Cele war der Angriff politisch motiviert. Der für Sicherheitsfragen zuständige Politiker der Provinz KwaZulu-Natal warf der oppositionellen Inkatha Freedom Party vor, die Bewohner eines Wohnheims in Umbilo aufgehetzt zu haben.

Derweil steigt die Sorge um die Konsequenzen für den Tourismus und die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in dem Kap-Staat. Danny Jordaan, der Chef des WM-Organisationskomitees, sagte, die Gewalt stehe in krassem Gegensatz zur Idee eines völkerverbindenden Sportereignisses und zu allen Idealen eines demokratischen Südafrikas.

In Johannesburgs Township Tembisa wurden unterdessen wieder drei Menschen mit Schusswunden ins Krankenhaus gebracht. Dort ging die Polizei erneut gegen hunderte Bewohner vor, die auf der Suche nach Zuwanderern aus anderen afrikanischen Ländern unterwegs waren. Erneut standen Unterkünfte in Flammen.

Bei den ausländerfeindlichen Gewalttaten in Johannesburg wurden seit vergangener Woche nach offiziellen Angaben mindestens 24 Menschen getötet. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration trieb die Gewalt 13.000 Menschen aus ihren Häusern. Viele Südafrikaner machen Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Ländern für Arbeitslosigkeit und eine hohe Kriminalitätsrate verantwortlich. Die Gewalt der vergangenen Tage richtete sich besonders gegen Einwanderer aus dem verarmten Nachbarland Simbabwe.