Tierschutz Operation Pelztier

In Österreich verhaftete die Polizei zahlreiche Tierschützer. Auch zwei Deutsche werden der Mitgliedschaft in einer "kriminellen Organisation" verdächtigt

Es war eine Polizeiaktion, wie es sie in Österreich nur selten gibt: Vergangenen Mittwoch durchsuchten Beamte in den frühen Morgenstunden 23 Wohnungen in ganz Österreich, holten die schlafenden Bewohner zum Teil mit gezogener Waffe aus ihren Betten, durchkämmten Büros und transportierten hunderte Kisten Beweismaterial in Lieferwägen ab. Eine Tierschützerin wirft der Polizei sogar vor, sie habe sich nackt auf den Boden legen müssen, die Beamten hätten sie mit einer Waffe bedroht, während andere Polizisten diese Szene fotografierten.

Zehn Verdächtige sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: Sie hätten sich an einer "zumindest seit 1997 bestehenden, auf längere Zeit angelegten unternehmensähnlichen Verbindung als Mitglied beteiligt", auf deren Konto "schwerwiegende strafbare Handlungen, die die Freiheit und das Vermögen bedrohen" gingen. Darunter seien "schwere Sachbeschädigungen, Brandstiftungen und schwere Nötigungen", mit denen die Gruppierung insgesamt erheblichen Einfluss auf die Wirtschaft angestrebt habe.

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Vorangegangen war dem Zugriff der Polizei jahrelange Polizeiarbeit der Sonderkommission Pelztiere. Personen wurden observiert, Telefone abgehört und der Mailverkehr mitgelesen. Der Obmann des Vereins gegen Tierfabriken (VGT), mit 18.000 Mitgliedern der drittgrößte Tierschutzverein des Landes, sitzt ebenso in Haft wie Mitarbeiter des Wiener Tierschutzvereins sowie Mitglieder weniger bekannter Vereine wie der Basisgruppe Tierrechte oder der Veganen Gesellschaft Österreich.

Hinter Gitter sitzen aber auch die Betreiber der deutschen Homepage tierbefreier.ev, eine Seite militanter Tierrechtsaktivisten, die sich als Sprachrohr der autonomen Tierrechtsszene versteht und regelmäßig Bekennerschreiben von Anschlägen auf Pelzgeschäfte, Lebensmittelkonzerne, Schlachthöfe oder Jagdeinrichtungen verfasst.

Die Staatsanwaltschaft wirft dieser aus ihrer Sicht "kriminellen Organisation" insgesamt 31 Straftaten vor. Welche genau, möchte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt, bei der das Verfahren anhängt, nicht sagen. Das Verfahren werde nicht öffentlich geführt, heißt es in einem kurzen Statement.

In den Haussuchungsbefehlen jedenfalls werden vier Straftaten aufgelistet, die in den vergangenen Jahren in Österreich begangen wurden: ein Buttersäureanschlag auf eine Filiale der Firma Kleider Bauer, einem österreichischen Textilkonzern, der Pelz in seinem Sortiment führt; das Verkleben des Türschlosses bei einem weiteren Bekleidungsgeschäft sowie ein Buttersäureanschlag auf das Auto der Pressesprecherin der Firma Kleider Bauer. Außerdem soll sie im Februar 2008 beim Verlassen der Unternehmenszentrale von militanten Tierschützern "attackiert und gefährlich bedroht" worden sein.

Leser-Kommentare
  1. Tierquäler sollten als kriminell betrachtet werden.
     
    Wer Hühner auf einer DinA4-Blatt großen Fläche leben lässt, wer Kälber in enge Mastboxen steckt, wer Nerze erstickt, um schöne Felle zu bekommen, gehört kriminalisiert und nicht die Tierschützer.

  2. Denn viel anders kann man so was nicht nennen.Ein Tritt ins Gesicht nicht nur für Tierschützer sondern gleichsam auch für die Menschenrechte. Inzwischen sind übrigens einige der "Schwerverbrecher" in Hungerstreik getreten, nachdem offenbar noch nicht mal selbst erfahren durften, was genau ihnen eigentlich vorgeworfen wird.Jedenfalls ist das Vorhaben, den Tierschutz durch diese Aktion in Misskredit zu bringen gründlich nach hinten losgegangen.(Anmerkung: Bitte verwenden Sie NS-Vergleiche mit Bedacht. Die Redaktion/jk)

    • marxo
    • 28.05.2008 um 12:07 Uhr
    3. Haja

    Straftaten werden ja durchaus begangen von sogenannten Tierschützern. Ob hier konkrete Verdachtsfälle vorliegen und ob diese überdramatisiert werden ist sicherlich nicht klar. Solange sie gegen Massenpelztierquälerei protestieren soll es mir recht sein, das ist ihr verbrieftes Recht. Was leider immer wieder vorkommt, sind "Tierbefreiungsaktionen". Die "freigelassenen" Nerze sehen diese Freiheit ganz als ihre und rotten von Rohrdommel bis Wachtelkönig alles in einem weiteren Einzugsgebiet aus. Auch ist Pelz unschlagbar in Wärmedämmung und insbesondere in Gebieten wie Sibirien möchte ich nicht das Recht des Individuums auf eine sicherlich bisweilen sehr grausame Pelztierjagd und Haltung missen.  http://myblog.de/nichtide...

    • Atan
    • 28.05.2008 um 16:52 Uhr

    denn dieser VGT-Aktivist wurde auch schon in Finnland verhaftet und verurteilt. Auch damals das gleiche Geheule über die Behandlung durch Polizei. Warten wir also mal ab, wo er das nächste mal verhaftet wird, dann haben ausgerechnet die Tierschützer bewiesen, das die EU ein rieges "Nazi-Konstrukt" ist. Oder habe ich da was falsch verstanden?

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    • bs2008
    • 05.06.2008 um 16:24 Uhr

    Der betroffene VGT-Aktivist wurde in Finnland verhaftet und freigesprochen, da er keinen Gesetzesverstoß begangen hatte. Bitte keine Fakten verdrehen.

    • bs2008
    • 05.06.2008 um 16:24 Uhr

    Der betroffene VGT-Aktivist wurde in Finnland verhaftet und freigesprochen, da er keinen Gesetzesverstoß begangen hatte. Bitte keine Fakten verdrehen.

  3. Wenn man das Wort "Tierschtz" obendrüber setzt, scheint leider bei einigen Leuten ein gewisser Realitätsverlust einzutreten. Daß Olypische Spiele einem Land zugesprochen wurden, das ein anderes Land brutal besetzt hält und Menschenrechtserklärungen bestenfalls als Klopapier verwendet, hat bis zum Beginn dieses Jahres niemanden interssiert. Aber so eine Pelztierfarm ist zum Aufregen immer noch gut.Sicher ist gegen die ehrenwerte Arbeit von Tierschutzvereinen nichts einzuwenden. Jenseits dieser seriösen Tierliebhaber hat sich aber längst eine Szene militanter "Aktivisten" entwickelt. Leider nennt hier niemand das Kind beim Namen: es handelt sich ganz schlicht um Terroristen! Eine kleine Gruppierung, die ihre politischen Ziele mit Gewalt durchzusetzen versucht, nennt man nun mal "terroristisch". Die militaten "Tierschützer" sind nichts anderes als die RAF oder Al-Qaida, nur nicht so spektakulär und nicht so effizient.Für Elfirede Jelinek sollte da wohl gelten: Schuster, bleib bei Deinen Leisten. Was kommt als nächstes: protestiert sie schriftlich gegen die Behandlung von Osama Bin Laden durch die westlichen Medien, weil er schließlich nur ein anständiger, tiefgläubiger Moslem sei???

    • bs2008
    • 05.06.2008 um 16:24 Uhr

    Der betroffene VGT-Aktivist wurde in Finnland verhaftet und freigesprochen, da er keinen Gesetzesverstoß begangen hatte. Bitte keine Fakten verdrehen.

    • Atan
    • 07.06.2008 um 12:32 Uhr
    7. Sorry

    stimmt, er wurde im Berufungsverfahren schließlich freigesprochen 

  4. (entfernt. Bitte beachten Sie, dass wir hier keinerlei Schleichwerbung und Pressemitteilungen wünschen. Die Redaktion/jk)

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