US-Vorwahlen Obamas Meilenstein

Clinton gewinnt in Kentucky, Obama in Oregon. Der Senator aus Illinois hat die Mehrheit der Delegiertenstimmen - aber Clinton gibt nicht auf

Nach erwartungsgemäßem Ausgang der demokratischen Vorwahlen in Kentucky und Oregon sagt Obamas symbolischer Auftritt in Iowa mehr als 1000 Worte: Er hat jetzt die Mehrheit der Delegiertenstimmen - und damit eigentlich die Kandidatur in der Tasche.

Doch der "schwierige Tanz" ( Los Angeles Times) ist längst noch nicht zu Ende. Obama muss sich als Kandidat geben und fühlen, um McCains zunehmende Attacken selbstbewusst kontern zu können. Gleichzeitig darf er Clinton-Loyalisten nicht verstoßen, deren Unterstützung bei der Präsidentschaftswahl dringend gebraucht wird.

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Von daher ist Obamas Rückkehr an den Ort seines größten Vorwahl-Triumphs, Iowa, mehr als nur die Würdigung eines sogenannten "Swing States", eines im November voraussichtlich hart umkämpften Staates. Gerade hier die nun erreichte Mehrheit der Delegierten zu verkünden sei "ein wunderbarer Weg, zum Ausgangspunkt zurückzukommen", formuliert er, stets darauf bedacht, das Wort "Sieg" ja nicht in den Mund zu nehmen.

Der Kreis schließt sich. Dass die alles entscheidenden Superdelegierten auf der Parteiversammlung im August mehrheitlich Obama folgen werden, gilt seit Dienstag als so gut wie sicher. "Es würde der Partei extrem schaden, wenn sich die Funktionäre gegen die Basis stellen", argumentiert die demokratische Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi. Dementsprechend werde das langsame Tröpfeln der Superdelegierten in Richtung Obama nun zur "Strömung" werden, ist sich auch der demokratische Kampagnen-Stratege Bill Carrick sicher.

Hillary Clinton macht derweil ihrem Ruf alle Ehre. Obamas Auftritt in Iowa sei "ein Schlag ins Gesicht" ihrer 17 Millionen Unterstützer, heißt es wie gewohnt kämpferisch aus ihrer Zentrale. Nach außen gibt es keine Anzeichen, dass sie die von Obama bereitete "sanfte Landung" ( Los Angeles Times ) zu schätzen weiß. Nur Ehemann Bill scheint genug zu haben: "Noch drei Vorwahlen vor uns, dann bin ich bereit für das Ende", sagte er müde in ein Reportermikrofon am Rande des letzten Wahlkampfauftritts in Kentucky.

Wenn der Verkauf politischer Memorabilia ein Maßstab für Siegesaussichten darstellt, dann ist Clinton längst Vergangenheit. Im Internet wird der berüchtigte "Hillary Nußknacker" , eine peppige Puppe im Markenzeichen-Hosenanzug, bereits zum halben Preis angeboten. Zwischen ihren Stahlschenkeln ließen sich sogar die härtesten Nüsse knacken, versprechen die Hersteller nicht ohne sexistische Untertöne.

Wenig schmeichelhaft ist auch das Ergebnis einer jüngsten Umfrage: Hillary Clinton wird von Ehrgeiz und Machthunger getrieben, sind immerhin 34 Prozent der Amerikaner überzeugt. Nur 27 Prozent unterstellen Obama diese Motivation, 21 Prozent McCain.

Leser-Kommentare
    • mtume7
    • 21.05.2008 um 9:35 Uhr

    Es ist eben nicht erst seit Dienstag klar, dass Obama Kandidat der Demokratischen Partei sein wird. Nur Zweckoptimisten sahen noch eine Chance für Clinton. Es war auch schon lange klar, dass die Superdelegierten ein Problem mit der Basis bekommen würden, falls sie denn tatsächlich Clinton als Kandidatin nominieren sollten. Das wird auch bestimmt nicht passieren. Genauso wie die beiden Artikel "Warum Hillary noch gewinnen kann" und "Geteilter Sieg" (von Anfang Mai), wirkt auch die Haltung Clintons auf mich nicht wirklich kämpferisch sondern eher uneinsichtig, stur und letzten Endes äusserst unsympathisch.

    • ASeidl
    • 21.05.2008 um 10:46 Uhr

    Frau Clinton ist doch wohl Frau Merkel hoch 5 oder hoch 10. Und eine Merkel reicht doch wirklich in der Welt, bloß nicht noch eine! Persönlicher Ehrgeiz als einzige Qualifikation soll reichen zum Präsidentenamt?
    Und das einzige, an das ich mich aus ihrem Wahlkampf erinnern kann (außer Phantasie-Stories), ist, daß sie bereit wäre, den Iran "auszulöschen" - braucht die Welt noch vier Jahre Bush-Politik? Dann lieber gleich McCain, den erfahrenen Krieger, als eine Frau, die nicht weiß, was sie sagt.
    Um Obama kommt Amerika nicht herum. Aber der ist - befürchte ich - viel zu ehrlich und anständig für den angestrebten Job. Wahrscheinlich könnte er aber gut mit dem ziemlich gleich alten neuen Präsident Rußlands, das wäre doch schon was.

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