US-Präsidentschaftswahl Mehr Softpower
Barack Obama könnte es gelingen, das Ansehen der USA in der Welt wieder zu stärken, glaubt der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz. Ein Interview

© Chip Somodevilla/Getty Images
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ZEIT online: Herr Polenz, ist die Begeisterung für den demokratischen Präsidentschaftsbewerber Barack Obama auch auf Seiten der Union so stark, dass sie ihn lieber im Präsidentenamt sehen würde als den republikanischen Konkurrenten John McCain?
Ruprecht Polenz: Nein, das würde ich nicht sagen. Traditionell haben wir etwas engere Beziehungen zu den Republikanern. Trotzdem hat die Union immer gute Kontakte zu beiden politischen Lagern in den USA gehalten. In wirtschaftspolitischer Hinsicht steht uns sicher McCain näher, weil er eher freihandelsorientiert ist. Die Demokraten vertreten dagegen eher protektionistische Ansätze, die durchaus Konfliktstoff bieten könnten.
Andererseits sehen wir bestimmte Positionen, die McCain zu Russland formuliert hat, sehr kritisch. Ich denke da etwa an seine Forderung, Russland aus der Gemeinschaft der G8-Staaten wieder herauszubefördern oder an seine Idee von dem weltweiten Bündnis der Demokratien.
An Obama schätze ich dagegen, dass er Gespräche mit schwierigen Staaten nicht als Belohnung für Wohlverhalten sieht, sondern dass er sie führen will, um deren Verhalten zu verbessern.
ZEIT online: Wie könnte sich der Ausgang der Präsidentschaftswahl auf die deutsch-amerikanischen Beziehungen auswirken?
Polenz: Egal, ob McCain oder Obama gewinnt, wir dürfen uns bei beiden auf eine Intensivierung des transatlantischen Verhältnisses einstellen, auf die Bereitschaft zu mehr Konsultation und Kooperation. Beide werden stärker multilateral vorgehen als George W. Bush. Beide werden darunter aber nicht verstehen, dass die Europäer den Amerikanern sagen, was zu tun ist, und sich im Übrigen auf die Zuschauerrolle beschränken.
ZEIT online: Wird sich der Druck auf die Deutschen erhöhen, sich militärisch stärker zu engagieren, zum Beispiel im Irak oder in Afghanistan?
Polenz: Weder McCain noch Obama werden erwarten, dass sich die Deutschen im Irak militärisch engagieren. Beide werden aber erwarten, dass wir unseren Beitrag beim wirtschaftlichen Aufbau und im Hinblick auf die Flüchtlingsproblematik leisten. Das halte ich auch für legitim, denn die Stabilisierung des Iraks ist im deutschen Interesse.
Im Hinblick auf Afghanistan hoffe ich, dass der neue Präsident eine Bilanz zieht und anerkennt, dass Deutschland beim Engagement im Vorderfeld der 40 Nationen liegt, die dort aktiv sind. Das heißt nicht, dass wir etwa beim Aufbau der Polizei nicht noch mehr tun könnten. Sollte sich die Diskussion aber wieder auf einen verstärkten Einsatz im Süden fixieren, müssen wird deutlich machen, wie viel wir bereits jetzt leisten. Die Bundesrepublik hat derzeit mehr als 7000 Soldaten im Ausland. Gemessen an unserer Größe und unserer Truppenstärke liegen wir damit im Vorderfeld der Nato-Staaten.
Multilateralismus funktioniert nur unter der Prämisse der Fairness. Dazu gehört auch, dass die Führungsmacht ihre Forderungen an Maßstäben orientiert, die für alle zu gelten haben. Ansonsten könnte das mit der Führungsrolle schwierig werden.
ZEIT online: Wie könnte sich im Hinblick auf die Krisenherde dieser Welt die amerikanische Politik mit einem Präsidenten Obama verändern?
Polenz: Obama könnte es gelingen, die Softpower der USA weltweit wieder zu erhöhen. Softpower heißt in diesem Fall Glaubwürdigkeit, Zustimmung und Sympathie. Diese Werte haben in den letzten acht Jahren aus den unterschiedlichsten Gründen deutlich abgenommen. Sie sind aber eine entscheidende Voraussetzung für Amerikas Einfluss in der Welt. Obama gelingt es ja erkennbar, Spaltungen in den USA zu überwinden. Dies könnte ihm auch weltweit glücken. Zumindest halte ich das für die wichtigste Aufgabe jedes künftigen Präsidenten. Aber Obama hätte da sicher einen Vorteil gegenüber McCain.
Das Interview führte Katharina Schuler .
- Datum 05.06.2008 - 12:37 Uhr
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sonst ändert sich aus Corporate America nix.Beispiel gefällig? Obama zu Kuba: "... es ist an der Zeit, daß das US-amerikanische Geld erreicht, daß das kubanische Volk weniger vom Castro-Regime abhängig ist. Ich werde das Embargo beibehalten ..."Noch Fragen, Polenz?_______________________________________________________
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