US-Präsidentschaftswahl Mehr SoftpowerSeite 2/2

Polenz: Weder McCain noch Obama werden erwarten, dass sich die Deutschen im Irak militärisch engagieren. Beide werden aber erwarten, dass wir unseren Beitrag beim wirtschaftlichen Aufbau und im Hinblick auf die Flüchtlingsproblematik leisten. Das halte ich auch für legitim, denn die Stabilisierung des Iraks ist im deutschen Interesse.

Im Hinblick auf Afghanistan hoffe ich, dass der neue Präsident eine Bilanz zieht und anerkennt, dass Deutschland beim Engagement im Vorderfeld der 40 Nationen liegt, die dort aktiv sind. Das heißt nicht, dass wir etwa beim Aufbau der Polizei nicht noch mehr tun könnten. Sollte sich die Diskussion aber wieder auf einen verstärkten Einsatz im Süden fixieren, müssen wird deutlich machen, wie viel wir bereits jetzt leisten. Die Bundesrepublik hat derzeit mehr als 7000 Soldaten im Ausland. Gemessen an unserer Größe und unserer Truppenstärke liegen wir damit im Vorderfeld der Nato-Staaten.

Multilateralismus funktioniert nur unter der Prämisse der Fairness. Dazu gehört auch, dass die Führungsmacht ihre Forderungen an Maßstäben orientiert, die für alle zu gelten haben. Ansonsten könnte das mit der Führungsrolle schwierig werden.

ZEIT online: Wie könnte sich im Hinblick auf die Krisenherde dieser Welt die amerikanische Politik mit einem Präsidenten Obama verändern?

Polenz: Obama könnte es gelingen, die Softpower der USA weltweit wieder zu erhöhen. Softpower heißt in diesem Fall Glaubwürdigkeit, Zustimmung und Sympathie. Diese Werte haben in den letzten acht Jahren aus den unterschiedlichsten Gründen deutlich abgenommen. Sie sind aber eine entscheidende Voraussetzung für Amerikas Einfluss in der Welt. Obama gelingt es ja erkennbar, Spaltungen in den USA zu überwinden. Dies könnte ihm auch weltweit glücken. Zumindest halte ich das für die wichtigste Aufgabe jedes künftigen Präsidenten. Aber Obama hätte da sicher einen Vorteil gegenüber McCain.

Das Interview führte Katharina Schuler .

 
Leser-Kommentare
  1. sonst ändert sich aus Corporate America nix.Beispiel gefällig? Obama zu Kuba: "... es ist an der Zeit, daß das US-amerikanische Geld erreicht, daß das kubanische Volk weniger vom Castro-Regime abhängig ist. Ich werde das Embargo beibehalten ..."Noch Fragen, Polenz?_______________________________________________________
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    • yokito
    • 05.06.2008 um 2:54 Uhr

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