Telekom-Affäre Nur ein Einzelfall?

Vertreter von Regierung und der Telekommunikationsbranche haben sich in Berlin getroffen, um über Konsequenzen aus der Telekom-Affäre zu beraten. Doch das Ergebnis ist dürftig

Mussten wegen des Bespitzelungsskandals zum Gespräch ins Bundesinnenministerium: Jürgen Grützner (l., VATM) und Bernhard Rohleder (M., BITKOM) bei der Pressekonferenz danach. Rechts: Staatssekretär Hans Bernhard Beus

Mussten wegen des Bespitzelungsskandals zum Gespräch ins Bundesinnenministerium: Jürgen Grützner (l., VATM) und Bernhard Rohleder (M., BITKOM) bei der Pressekonferenz danach. Rechts: Staatssekretär Hans Bernhard Beus

Eine Aussetzung des Gesetztes zur Vorratsdatenspeicherung, eine Änderung des Datenschutzgesetzes oder zumindest eine neue Selbstverpflichtung der Wirtschaft  - in der Öffentlichkeit werden derzeit viele Maßnahmen diskutiert, mit denen ein Missbrauch von Daten wie jetzt im Fall der Telekom-Affäre verhindert oder zumindest erschwert werden soll. Groß ist das Entsetzen darüber, mit welchen Methoden das Unternehmen seine Macht über Telefondaten genutzt hat, um Aufsichtsräte und Journalisten auszuspionieren.

In Berlin trafen sich nun am Montag Repräsentanten der Telekommunikationsverbände mit Regierungsvertretern, um erste Konsequenzen aus der Affäre zu ziehen. Dass dabei allzu viel herauskommen würde, war allerdings bereits im Vorfeld nicht zu erwarten, nachdem mehrere Telekommunikationsunternehmen ihre Teilnahme abgesagt hatten. Auch war es nicht der Minister selbst, der die Gespräche führte, sondern nur sein Staatssekretär.

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Tatsächlich haben sich die Gesprächspartner nun lediglich darauf geeinigt, dass die Konsequenzen, die die Telekom in organisatorischer Hinsicht aus der Affäre zieht, zu einem späteren Zeitpunkt – voraussichtlich im Juli - in den Verbänden diskutiert werden sollen. Möglicherweise könne dann die eine oder andere Maßnahme auch in anderen Unternehmen Anwendung finden. Damit das Ganze nicht vollständig ins Unverbindliche kippt, sollen an den Gesprächen zumindest auch der Bundesbeauftragte für Datenschutz und die Bundesnetzagentur teilnehmen.

Die Argumentation der Verbändevertreter ist klar: Bei dem Telekomskandal handele es sich um einen krassen Einzelfall, für den die Branche als Ganzes keinesfalls in Sippenhaft genommen werden wolle, sagte Bernhard Rohleder, Geschäftsführer der BITKOM. Dennoch gäbe es in Deutschland die höchsten Datenschutzanforderungen überhaupt, dies gelte auch für die Telekom.

Kein Gesetz der Welt könne allerdings verhindern, dass Sicherheitsstandards von Vorständen ausgehebelt würden. Gegen kriminelle Absichten sei man niemals gefeit. Gleichwohl sei man gewillt, die hohen Standards noch zu verbessern, wenn sich aus der Telekom-Affäre verallgemeinerbare Schlussfolgerungen ziehen lassen sollten.

Selbstverpflichtungen seien zum gegenwärtigen Zeitpunkt ganz überflüssig, befand auch Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten. „Wozu sollen wir uns denn verpflichten“, fragte er. „Dass wir uns an Recht und Gesetz halten? Das tun wir“.

Auch gegen das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung wollen die Verbandsvertreter durchaus nicht opponieren. Seit dem 1. Januar müssen sämtliche Telefonverbindungsdaten ein halbes Jahr lang gespeichert werden. Vor dem Hintergrund der Telekom-Affäre war das Gesetz erneut in die Kritik geraten. Datenschützer fürchten, es öffne dem Missbrauch Tür und Tor.

Die Verbandsvertreter hatten das Gesetz ursprünglich ebenfalls kritisiert, allerdings eher wegen des Aufwands, der mit ihm für sie verbunden ist. Sie fordern nun lediglich eine bessere finanzielle Unterstützung zu dessen Umsetzung. Prinzipielle Einwände haben sie nicht.

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 02.06.2008 um 21:30 Uhr

    dass wölfe vegetarier werden?

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