Explodierende Weltmarktpreise für Lebensmittel, chronische Hungersnöte, blutige Unruhen im täglichen Kampf um Nahrung und chronischer Wassermangel - das dramatische Leid von Millionen Menschen führt die Staats- und Regierungschefs sowie Minister aus mehr als 50 Staaten zu einem Gipfel in Rom zusammen. Die weltweite Nahrungsmittelkrise und die in Armenvierteln aufflammende Gewalt zwingen UN-Generalsekretär Ban Ki Moon dazu, während des dreitägigen Food-Summit der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) nach raschen Lösungen zu suchen.

Angefacht von steigenden Ölpreisen ist es in Dutzenden von Ländern seit Jahresbeginn zu teilweise blutigen Unruhen im Kampf um Nahrung gekommen. «Diese Krise könnte eine globale Katastrophe auslösen.» Drastisch appellieren Hilfsorganisationen wie ActionAid an die Staatenlenker, die Spirale der steigenden Nahrungsmittelpreise zu stoppen und das «Recht auf Nahrung» auch Armen zu gewähren. «Es besteht die Gefahr, dass die Hungrigen noch um viele Millionen zunehmen werden», und zwar trotz der 2008 erwarteten Rekord-Getreideernte, warnt Hafez Ghanem von der FAO.

850 Millionen Menschen leiden bereits unter Hunger und Unterernährung. Die an diesem Dienstag beginnende Konferenz am Tiber soll nicht nur Geld gegen den Hunger sammeln. Gefragt sind Strategien, wie eine jährlich um 80 Millionen zunehmende Weltbevölkerung noch ernährt werden kann.

Und natürlich geht es auch diesmal um den Klimawandel, der in vielen Teilen der Welt die Not der Menschen noch verschärft. Wie kann diesem Problem begegnet werden? Und wie können die global ausufernde Produktion von Bioenergie und der Kampf gegen den Hunger zusammengeführt werden? Um diese und andere Fragen werden sich die Gipfelteilnehmer ihre Gedanken machen müssen.

John Powell vom Welternährungsprogramm (WFP) spricht von einem «neuen Gesicht des Hungers» und rechnet nicht mit einer Entspannung an der Preisfront. Der arme Teil der Welt wird laut FAO in diesem Jahr für 169 Milliarden Dollar (108 Milliarden Euro) Lebensmittel einführen müssen. Das sind 40 Prozent mehr als im Vorjahr.