Kirchenkunst

Vier Sekunden Sozialismus

© Karin Wieckhorst

Vor 40 Jahren wurde die Leipziger Paulinerkirche gesprengt. Die damals in Eile geborgenen Kunstschätze erinnern an einen Kulturkrieg. Eine Bildergalerie. Nur vier Sekunden dauerte die Sprengung der über 700-jährigen Universitätskirche in Leipzig am 30. Mai 1968. Die Fotografin Karin Wieckhorst erlebte den apokalyptischen Moment vom Grassi-Museum aus. Ehe an jenem Maimorgen vor 40 Jahren das Dynamit gezündet wurde und die Kirche in sich zusammensank, hatte man hastig das historisch Wertvollste geborgen: Epitaphe, Skulpturen, Gemälde, Grabmale, Kanzel, Altar, ein spätgotisches Kruzifix und auch die Engel. 80 Prozent der Innenausstattung wurden damals in Sicherheit gebracht, womit sie jedoch noch nicht gerettet waren. Denn nun lagerten sie in den muffigen Kellern des Leipziger Reichsgerichtes, gelangten später in das nasskalte Depot der Heilandskirche, wo sie bei 90 Prozent Luftfeuchtigkeit vor sich hin moderten. Man muss nicht fromm sein, um die Engel der Paulinerkirche zu lieben. Denn sie sind die Überlebenden eines Kulturkriegs und ihr jahrhundertealtes Lächeln ist vielleicht der größte Triumph über die Feinde der christlichen Tradition, der sakralen Baukunst, des altmeisterlichen Raumschmucks. Mittlerweile liegen sie in einem wohltemperierten Magazin und werden von den Kustoden der Universität Leipzig restauriert. Fragt sich nur, ob sie bis Ende 2009 zur 600-Jahr-Feier der Alma Mater sämtlich in den Kirchenneubau zurückkehren dürfen. "Die Engel schützen uns und Gottes Kreaturen in Seinem Auftrag", hieß es bei Luther, "um uns schützen zu können, haben sie lange Arme, den Satan zu verjagen." Jetzt ist es einmal andersherum und die Menschen brauchen lange Arme, um die Engel zu schützen.
Leser-Kommentare
  1. Von KulturKrieg kann keine Rede sein, denn dann wäre die "Rettung" der Gegenstände verhindert worden. In den Zeiten der Sprengung galt allerdings eine Kirche als weniger nützlich als das UniversitätsGebäude, welches an dieser Stelle dann errichtet worden ist.Es könnte aber wohl sein, dass die Kirche einen kleinen DenkZettel bekommen sollte, denn in der "antifaschistischen" DDR hatte man nicht die Rolle der Klerikalen 1933-45 vergessen.Allgemein sollte nicht so getan werden, als ob die Kunst "christlich" wäre oder gar vom Christentum hervorgebracht worden wäre.Die Kirche war lediglich für einen jeden Künstler der Vergangenheit einer der ganz _wenigen_ GeldGeber.

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    • Anonym
    • 30.05.2008 um 16:33 Uhr

    Viele Menschen im Westen hängen immer noch dem Trauma nach, daß sie den Krieg gewonnen und der Osten ihn verloren hat und sprechen dahergehend unisono alle Rechte ab.Die Lebensumstände in der ehemaligen "DDR" können in aller Regel die Menschen von sich geben, die geschichtsneutral an die Angelegenheit herangehen, ohne Blenschutz bitte.Schönes Wochenende - gute ZEIT mit der ZEIT!
    debrasseur

    http://kommentare.zeit.de...

    • Anonym
    • 30.05.2008 um 16:33 Uhr

    Viele Menschen im Westen hängen immer noch dem Trauma nach, daß sie den Krieg gewonnen und der Osten ihn verloren hat und sprechen dahergehend unisono alle Rechte ab.Die Lebensumstände in der ehemaligen "DDR" können in aller Regel die Menschen von sich geben, die geschichtsneutral an die Angelegenheit herangehen, ohne Blenschutz bitte.Schönes Wochenende - gute ZEIT mit der ZEIT!
    debrasseur

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    • Anonym
    • 30.05.2008 um 16:33 Uhr

    Viele Menschen im Westen hängen immer noch dem Trauma nach, daß sie den Krieg gewonnen und der Osten ihn verloren hat und sprechen dahergehend unisono alle Rechte ab.Die Lebensumstände in der ehemaligen "DDR" können in aller Regel die Menschen von sich geben, die geschichtsneutral an die Angelegenheit herangehen, ohne Blenschutz bitte.Schönes Wochenende - gute ZEIT mit der ZEIT!
    debrasseur

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    • Anonym
    • 30.05.2008 um 16:34 Uhr

    es muß natürlich heißen: ... ohne Blendschutz bitte - von blenden.Schönes Wochenende - gute ZEIT mit der ZEIT!
    debrasseur

    http://kommentare.zeit.de...

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