Fauré Quartett Aus der Kammer in die Clubs

Das Fauré Quartett wird in aller Welt gefeiert. Wie man mit Kammermusik ein großes Publikum erreichen kann, erklärt das Ensemble im Interview

Seit 13 Jahren spielt das Fauré Quartett in unveränderter Besetzung. Das Ensemble wird mit Preisen überhäuft und tritt neuerdings auch in Clubs auf. Wir trafen drei der Musiker zum Interview.

ZEIT online: Als Quartett sind Sie im In- und Ausland sehr erfolgreich. Mit Ihrer neuen Brahms-CD haben Sie es sogar unter die ersten 20 in den deutschen Klassik-Charts geschafft.

Erika Geldsetzer: Das ist vor uns tatsächlich noch keinem anderen Kammermusik-Ensemble gelungen. Bisher sind in den Hitparaden hauptsächlich große Solisten wie Anna Netrebko oder Anne-Sophie Mutter vertreten .

ZEIT online: Kammermusik gilt immer noch als ziemlich elitär. Will das Klassik-Publikum – ähnlich wie die Pop-Fans – vor allem große Events erleben?

Dirk Mommertz: Opern und Symphoniekonzerte ziehen sicherlich ein größeres Publikum an. Wir sehen unseren Erfolg aber als gutes Zeichen dafür, dass Kammermusik mehr und vor allem auch jüngere Anhänger finden wird.

ZEIT online: Sie treten auch in Clubs auf. Damit erreichen Sie Leute, die nicht zu den Stammhörern klassischer Musik gehören.

Mommertz: Solche Projekte sind eine Investition in die Zukunft, denn klassische Musik braucht ein neues Publikum. Wir haben selbst erlebt, dass man einem Club-Publikum einen Satz von Schumann vorspielen kann und alle gebannt zuhören. Generell sind jüngere Menschen sehr interessiert an Klassik. Die Eltern aus der 68er-Generation bringen ihren Kindern diese Musik jedoch nicht mehr nahe. Dagegen wollen wir etwas tun. Wir geben deshalb auch Konzerte in Schulen und erklären, wie unsere Instrumente gespielt werden. Die Kinder sind davon begeistert.

ZEIT online: Können Sie damit Hemmschwellen abbauen, die den Zugang zu Kammermusik erschweren?

Mommertz: Das hoffen wir. Die Intimität von Kammermusik weckt bei manchen eine gewisse Scheu. Wenn ein Streich- oder Klavierquartett auf der Bühne spielt, mag sich ein Außenstehender als Eindringling fühlen. Die Zuhörer haben vielleicht den Eindruck, die Musiker seien eine Einheit für sich und man dringe in ihre Privatsphäre ein. Bei größeren Konzerten oder in der Oper spürt das Publikum keine solche Distanz.

Sascha Frömbling: Ein Quartett reduziert Musik auf ihre Essenz, auf nur vier Stimmen. Eine Oper oder eine Symphonie enthält dagegen eine Vielzahl von Stimmen. Aus der kammermusikalischen Perspektive erscheint das nicht mehr als das Wesentliche. Vielleicht braucht man etwas Zeit, um das zu erkennen.

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ZEIT online: Wird Kammermusik oft in zu großen Sälen aufgeführt?

Mommertz: Früher wurde diese Musik vor allem in Salons, also im privaten Rahmen gespielt. Deshalb empfinden wir Auftritte in größeren Sälen als ziemlich heikel. Wenn mehrere Tausend Zuhörer da sind, fühlt man sich als Kammermusiker nackt und verloren. In kleineren Sälen entsteht eine intensivere Atmosphäre, der Kontakt zum Publikum ist enger.

Frömbling: Sicherlich haben wir es leichter als reine Streichquartette. Drei Streicher und ein Pianist können ein größeres Klangspektrum bieten, bis hin zum Symphonischen. Bei guter Akustik können wir sogar einen großen Saal mit unserem Klang füllen. Aber irgendwann stoßen wir natürlich auch an eine Grenze.

Mommertz: Kammermusik ist für uns die ideale Form, um fast alles uneingeschränkt auszudrücken. Im Orchester kann man eigentlich keine eigene Meinung haben. Bei uns dagegen ist jeder für seine Stimme selbst verantwortlich.

ZEIT online: Ist ein Kammermusiker also eher ein Solist als ein Teamplayer?

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