Artenvielfalt "Klonen ist nicht ausgeschlossen"
Eine neue, gewaltige Genbank will Stammzellen von allen, heute lebenden Wildtieren für kommende Generationen konservieren. Können ausgestorbene Arten eines Tages daraus auferstehen? Ein Interview
Vom Frozen Zoo in San Diego bis zur Svalbard Global Seed Vault auf Spitzbergen - schon seit vielen Jahren versuchen Biologen, die schwindende Vielfalt tierischer und pflanzlicher Arten im Kühlhaus haltbar zu machen. Neben der großen Pflanzengenbank in Gatersleben entsteht im Saarland und in Lübeck jetzt eine weitere Genbank: "Cryo-Brehm" ist die erste deutsche Bio-Bibliothek für Wildtiere, und wie einst Brehms Tierleben soll sie zum Inbegriff der Tierdokumentation werden, nur eben nicht auf Papier, sondern im kryotechnischen Tiefkühlgerät - daher der Name. Doch was soll mit den eingelagerten Proben überhaupt geschehen? ZEIT online hat mit Günter Fuhr gesprochen. Er leitet das Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik im saarländischen Sulzbach und ist für Cryo-Brehm verantwortlich.
ZEIT online: Herr Fuhr, was genau verbirgt sich hinter ihrer neuen Genbank?
Günter Fuhr: Es ist mehr als eine Genbank, wir legen parallel Millionen lebende, vermehrungsfähige Zellen von Tieren ab. Diese Zellen bergen einmal natürlich das Genom der jeweiligen Art. Aber dadurch, dass die Zellen leben, können Sie sich den Stoffwechsel, die Gewebebildung, die Differenzierung [Entwicklung von einer Stammzelle zu einer bestimmten Gewebezelle, Anm. der Red.], eigentlich alles später angucken.
ZEIT online: Was unterscheidet Cryo-Brehm von anderen Tier-Genbanken wie dem Frozen Zoo in San Diego oder der britischen Frozen Ark?
Fuhr: Zunächst: Von Wildtieren ist bisher überhaupt noch nicht systematisch gesammelt worden. Das zweite ist: Was wir als Probe in der Bank ablegen, sind sich vermehrende Zellen, vor allem Stammzellen, die wir nach Verfahren, die erst in den vergangenen Jahren entwickelt worden sind, isolieren können. Sie sind auch nach dem Auftauen vermehrungsfähig, das ist ein großer Vorteil. Und drittens ist die Kryotechnologie, also die Kältetechnologie für sehr tiefe Temperaturen von minus 196 Grad, für sehr große Genbanken auch neu. Die Technik ließ sich zum Beispiel erst jetzt automatisieren.
ZEIT online: Es gibt auch Genbanken für Pflanzen, auf Spitzbergen zum Beispiel. Dort werden Samen konserviert, aber bei halbwegs irdischen Temperaturen von minus 20 Grad. Warum friert man die nicht auch kryotechnisch ein?
Fuhr: Bei den meisten Pflanzen klappt das Einfrieren der Samen bei sehr tiefen Temperaturen noch nicht so gut, deshalb lassen sie sich auch nicht sehr lange konservieren. In bestimmten Zeitabständen sät man die Samen also wieder aus, zieht die Pflanzen hoch und erntet neuen Samen, der dann wieder für eine Weile gelagert werden kann. Tierische Zellen dagegen lassen sich heute hervorragend bei minus 150 oder minus 196 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff einfrieren. Bei diesen Temperaturen stehen alle Prozesse in den Zellen still, und so lassen sich die Zellen fast unbegrenzt aufbewahren.
ZEIT online: Warum reichen die bereits vorhandenen Genbanken für Tiere nicht aus?
- Datum 02.06.2008 - 14:43 Uhr
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was tun wenn der strom ausfaellt ? zum thema ist auch zu empfehlen der comic: spirou und fantasio von frankin : "ein tiefgekuehlter gast taut auf". ich weis auch nicht warum die wissenschaft heute ausgerechnet die komischsten comics aus den 60igern live covern muss.
so ist es auch viel bequemer.
Anstatt wirklich ernsthaft gegen ein Artensterben vorzugehen ( was ANgesichts der reinen Menge an Menschen mittlerweile eine Utopie ist ) verschieben wir die Rettung der Welt auf übermorgen.
Aber wann sollen dann all diese Kreaturen wieder auf den Planeten zurückgepflantz werden ( und vom wem ?? ), wenn erst einmal das Klima umgekippt ist und hier Verhältnisse wie auf der Venus herrschen. Oder wenn jede freie Fläche zubetoniert wurde oder von landwirtschaftlichen Aufzuchtmaschinen genutzt wird, um die dann ins immense angewachsene Menschheit zu ernähren?
So nett die Idee sein mag, ich denke, dass die kommenden generationen nru ein kit den gefrorenen Zellen machen werden. Sie auftauen und fressen. Guten Appetit!!
"Vor dem Wegwer...äh, Ausrotten bitte kopieren!"
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