Artenvielfalt "Klonen ist nicht ausgeschlossen"Seite 3/3

Fuhr: Natürlich, aber das Hauptziel ist die Information. Wir können die Information über das Genom, das Metabolom [Netzwerk von Stoffwechselprozessen], das komplette Individuum und seine Art mit diesen Proben in millionenfacher Ausführung konservieren. Eizellen könnte man auch gezielt gewinnen, durch eine Hormonbehandlung von Tieren, aber das wird von Naturschutzorganisationen wie dem WWF ziemlich deutlich abgelehnt, und von den Zoos auch. Die Genbank ist schließlich nicht dazu da, den Tierschutz zu ersetzen.

ZEIT online: Und wenn allein die Existenz einer so umfassenden Genbank als Argument dafür missbraucht würde, weniger Energie in den Artenschutz zu stecken?

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Fuhr: Das wäre natürlich fatal, und das lehnen wir ausdrücklich ab. Es geht uns ums Wissen. In ein paar Jahrzehnten kann man die Sequenz eines Genoms vermutlich innerhalb weniger Stunden entziffern, heute dauert das Jahre. Aber was sequenzieren Sie denn dann später, wenn Sie keine Zellen und kein Erbgut haben? Darum geht es uns. Wir wollen diese Information bewahren. Es wird einen Kernbestand geben, der wird nicht angetastet. Was wir darüber hinaus an Zellen gewinnen können, wird der Forschung zur Verfügung gestellt, sofern die Projekte einem gewissen Anspruch genügen. Und wir merken ja jetzt schon, dass sich die Forschung an solchen Stammzellen lohnt, die verhalten sich je nach Art höchst unterschiedlich - das ist für die Biologie ungeheuer interessant.

ZEIT online: Gibt es denn auch richtig nützliche Aspekte?

Fuhr: Die Genbank könnte auch für die Biotechnologie interessant sein. Viele Tiere haben besondere Eigenschaften, im Stoffwechsel etwa, und vielleicht zeigt sich ja, dass der Biber der beste Insulinproduzent ist und warum das so ist. Oder Stammzellen an sich: Wir wissen heute so wenig über Stammzellen und ihre Differenzierung zu Geweben, auch beim Menschen. Die Genbank kann Hinweise liefern, von den verschiedenen Arten. Solche Informationen sind dann schon sehr nützlich.

ZEIT online: Gesetzt den Fall, dass man alle derzeitigen Hürden beim Klonen überwindet und eines Tages tatsächlich anfängt, aus ihrer Genbank längst ausgestorbene Tiere zu klonen: Würde das denn überhaupt einen Sinn ergeben?

Fuhr: Nun ja, im Labor, für die Forschung, wäre das sicher interessant. In der Natur dagegen ist das höchst fragwürdig. Man sollte sich schon sehr genau überlegen, ob man ein Genom, das in der Natur gar nicht mehr existiert, zum Leben erweckt und aussetzt. So eine wiederbelebte Tierart kann das vorhandene Gleichgewicht, das sich nach dem Verschwinden von Arten neu einstellt, erneut stören. Die Tieftemperaturkonservierung lebender Zellen und die Langzeitablage geben uns und folgenden Generationen jedoch die Zeit, alle Aspekte ohne Zeitdruck abzuwägen. Darum sammeln wir so intensiv.

Die Fragen stellte Kathrin Zinkant

 
Leser-Kommentare
    • iDog
    • 30.05.2008 um 18:04 Uhr
    1. (∞)

    was tun wenn der strom ausfaellt ? zum thema ist auch zu empfehlen der comic: spirou und fantasio von frankin : "ein tiefgekuehlter gast taut auf". ich weis auch nicht warum die wissenschaft heute  ausgerechnet die komischsten comics aus den 60igern live covern muss.

  1. so ist es auch viel bequemer.

    Anstatt wirklich ernsthaft gegen ein Artensterben vorzugehen ( was ANgesichts der reinen Menge an Menschen mittlerweile eine Utopie ist ) verschieben wir die Rettung der Welt auf übermorgen.

    Aber wann sollen dann all diese Kreaturen wieder auf den Planeten zurückgepflantz werden ( und vom wem ?? ), wenn erst einmal das Klima umgekippt ist und hier Verhältnisse wie auf der Venus herrschen. Oder wenn jede freie Fläche zubetoniert wurde oder von landwirtschaftlichen Aufzuchtmaschinen genutzt wird, um die dann ins immense angewachsene Menschheit zu ernähren?

    So nett die Idee sein mag, ich denke, dass die kommenden generationen nru ein kit den gefrorenen Zellen machen werden. Sie auftauen und fressen. Guten Appetit!!

    • QUOTE
    • 01.06.2008 um 13:18 Uhr

    "Vor dem Wegwer...äh, Ausrotten bitte kopieren!"

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