Schauspieler Jürgen Vogel "In der Kunst gibt es keine Grenzen"
Der Schauspieler Jürgen Vogel über die Zukunft des Kinos, Filmförderung in Deutschland und das fehlende Selbstbewusstsein deutscher Regisseure
ZEIT online: Auf einer Notenskala von 1 bis 6: Welche Note würden Sie dem deutschen Film geben?
Jürgen Vogel: Gar keine. Ich will keine Bewertung abgeben, diese Diskussion führt zu nichts. Als Schauspieler macht man sich solche Gedanken nicht, sondern versucht, gute Filme zu machen. Als Produzent kann ich nur sagen: Wir müssen, wie andere Künstler auch, versuchen, gute Arbeit zu leisten. Ob diese Arbeit ein Publikum erreicht, hängt auch davon ab, wie der Apparat drum herum aufgestellt ist. Den muss man kennen.
ZEIT online: Was muss man da wissen?
Vogel: Zum Beispiel: Glauben die Verleiher an den Film? Machen die Kinobetreiber mit? Welchem Druck sind sie ausgesetzt? Können sie kleine Filme halten oder müssen sie den amerikanischen Filmpaketen der Verleiher, etwa einem Tom-Cruise-Film, weichen? Das ist diese ganze filmpolitische Problematik. Man muss erkennen, welche Filme gerade gefragt sind, um darauf zu reagieren. In letzter Zeit sind das zum Beispiel besonders Themenfilme für ein älteres Publikum. Daneben nehmen Kinder- und Jugendfilme zu. Diese Klientel muss man erreichen. Dennoch: Ein Rezept, ob ein Film funktioniert, gibt es nicht.
ZEIT online: Zwei Filme, in denen Sie mitspielen, haben gerade sehr gut funktioniert. Ich denke an Keinohrhasen und Die Welle, die im ersten Quartal dieses Jahres die Kinocharts der Filmförderungsanstalt (FFA) anführten.
Vogel: Ich finde es super, dass wir zwei so unterschiedliche Filme in dieser Liste hatten. Das macht der FFA hoffentlich Mut, in Filme zu investieren, die keine Komödien sind. Bei der Welle finde ich toll, dass ein Film, der so ernst ist, es geschafft hat, ein breites Publikum zu erreichen. Das ist selten, sieht man einmal von Das Leben der Anderen ab. Ich möchte die deutschen Komödien aber auch gar nicht wegreden - sie sind wichtig für den deutschen Markt.
ZEIT Online: Also doch gute Noten?
Vogel: Naja, an den Rahmenbedingungen könnte man schon etwas verändern. Denn, wenn ein Film wie der von Dennis Gansel erfolgreich ist, müsste das System genau hier ansetzen. Es müsste dem Regisseur, aber auch anderen Filmemachern und Autoren, Mut machen und ein Anschlussprojekt fördern. Ich habe aber das Gefühl, dass stattdessen jeder danach wieder ganz von vorne anfangen muss. Man sollte die Partnerschaften, die einem Film zum Erfolg verholfen haben, festigen - zwischen Autor, Produktion und Verleih.
- Datum 06.06.2008 - 04:21 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 05.06.2008
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Stimmt, Jürgen Vogel selbst beweist es. Wie er sich in " Der freie Wille" aus-stellt, ist absolut bemerkenswert. Er zeigt in dieser Rolle jede Verhaltensweise,ohne Tabu, aber auch ,ohne die Figur zu denunzieren.Ebensi bemerkenswert fand ich Jürgen Vogel im Film, Mein Name ist Bach.Er spielt den König Friedrich, den zweiten, den sog.. "grossen". Ein Rolle,bei der man zuerst denkt, das ist doch bestimmt eine Fehlbesetzung. Im Gegenteil. Jürgen Vogel macht, ganz anders als die sonstigen Hagiographen die Härte dieses Herrschers deutlich.Jürgen Vogel, wirklich ein Schauspieler ohne Grenzen.
Das "neu erfinden" kann schonmal nicht auf seine Arbeit bezogen sein.Die Welle lief genau so einige Jahrzehnte zuvor. Der Film wurde fast 1:1 vom Orignal übernommen.Sehr kreativ ist so eine Arbeit schonmal nicht.
neu ist hier garnichts. aber das ist auch absicht. schliesslich will man nicht anecken. das interview hätte auch peter alexander in den 50igern geben können. die fragen auch.welche note?wann wird der deutsche film die grundschule verlassen?antwort: wenn er den neu entdeckten schrebergarten in die luft jagt.
eine kleine korrektur vornehmen: wenn man ein gutes buch hat und jürgen vogel heißt, bekommt man fördergelder. ansonsten hat man - wenn überhaupt - nur eine chance, wenn man den eingeschränkten blickwinkel der entscheider thematisch bedient. man schaue nur mal nach dänemark in den letzten 10, 15 jahren - viele böse, gute und auch international erfolgreiche filme, die nicht am eigenen anspruch ersaufen.
Was "stimmt" oben unter 3 schreibt, ist zwar nachvollziehbar, stimmt so aber wohl nicht. Soweit ich das einschätzen kann als Zuschauer, müht sich Vogel doch redlich in seinen Rollen. Er wird nichts dafür können, dass er wohl keine Drehbücher angeboten bekommt, in denen Protagonisten "Schrebergärten in die Luft jagen", wie 3 schreibt. Ernsthaft (bei allem Verständnis), warum sollte das einer tun und sich ansehen ? Weil dort die neuen Spießer versammelt sind ? Mit denen sich aus ein ander zu setzen, wäre ein Thema, kompromisslos und spielerisch lustvoll zugleich - gewaltig ohne Gewaltfantasien. Es aber so hin zu bekommen, dass der deutsche Film aus der Grundschule entlassen werden könnte, stelle ich mir als wahres Meisterstück vor, in einem Lande, wo nur wenige zu begreifen scheinen, dass seit 89 der wahre Kapitalismus regiert (voher war es der gesponsert, um Ruhe am Eisernen Vorhang zu haben, den Osten zu Recht destabilisieren zu können). Dafür bräuchte man aber hochintelligente Gremienmitglieder, Programmverantwortliche oder Kulturmanager(innen), die etwas über unsere Wirklichkeit machen wollen und keine von der Politik entsandten Geschmackskontrolleure. Welche Wirklichkeit ? Da ginge es schon los. Man schaue sich nur die ewigen "Problemfilme" des Fernsehens an. Nichts wird ausgelassen. Keine Geschmackloasigkeit ist denen zu peinlich um die Quote zu kitzeln und die Zuschauer machen (natürlich) mit, den deutschen Film als hilflosen Zwergenverein zu belassen, weil sie traditionell zu wenig Lust an brachialer Wirklichkeit, Ironie und Identität haben, wie das alltägliche Leben in dieser Gegend beweist. Dabei ginge es vermutlich dann richtig zur Sache. Beatbob
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