Kongo Gespannte Ruhe
Kongos Oppositionsführer Bemba soll vor den Internationalen Strafgerichtshof, seine Anhänger wollen am Sonnabend in Kinshasa dagegen auf die Straße gehen. Dort ist der Frust groß, denn die Lebensumstände werden nicht besser

© UNIOR DIATEZUA/AFP/Getty Images
Kinshasa am 27. Mai: Demonstration für Oppositionsführer Jean-Pierre Bemba
Man soll es nicht beschreien, aber noch ist es erstaunlich ruhig in Kinshasa. Viel Polizei auf den Straßen, wenig Geschrei, die Märkte sind geöffnet ein gutes Zeichen, denn die Markthändlerinnen sind die ersten, die Unruhen riechen.
Seit sechs Tagen befindet sich Jean-Pierre Bemba, Kongos exilierter Oppositionsführer, in einem belgischen Gefängnis, festgenommen am vergangenen Samstag aufgrund eines Haftbefehls des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGh) in Den Haag. Die Nachricht traf seine Anhänger in Kinshasa wie ein Hammerschlag. Tage zuvor war in der Hauptstadt noch über Bembas Rückkehr in den Kongo spekuliert worden.
Im Stadtteil Gombe sieht man an den Hauswänden immer noch die Einschusslöcher des Mini-Krieges, den sich Bembas Milizen mit der Armee und der Präsidentengarde seines Erzfeindes, Staatspräsident Joseph Kabila, vor über einem Jahr geliefert hatten. Die Kämpfe hatten sich mitten im Diplomatenviertel der Hauptstadt abgespielt. Opfer in der Zivilbevölkerung waren den Kampfparteien immer schon egal, mögliche Kollateralschäden beim ausländischen Botschaftspersonal offenbar auch. Zeitweise setzte Kabila sogar frisch aus der Ukraine importierte Panzer ein, deren mit schwerem Gerät völlig unvertraute Besatzungen in alle Himmelsrichtungen ballerten.
Nach den Präsidentschaftswahlen im Jahr 2006, die Bemba trotz erstaunlich guten Abschneidens verloren hatte, sah sich Kinshasa in einem andauernden Zustand der Belauerung gefangen bis Bemba schließlich nach seiner zweiten, dieses Mal blutigen Niederlage im März 2007 nach Portugal ins Exil ging. Das MLC, größte Oppositionspartei im Parlament, blieb ohne ihren charismatischen (und steinreichen) Führer weitgehend wirkungslos.
Für den 27. Mai hatten Zeitungen in Kinshasa nun Bembas triumphale Heimkehr angekündigt. Doch drei Tage vorher zerstörte der Strafgerichtshof diese Träume. Amtshilfe leisteten die belgischen Behörden, die Bemba in Brüssel festnahmen, wo er nun auf seine Auslieferung nach Den Haag wartet. Dort wird er eine Zelle im Scheveninger Gefängnis beziehen, der Haftanstalt mit der weltweit größten Dichte mutmaßlicher Kriegsverbrecher: hier sitzen die Untersuchungshäftlinge des UN-Jugoslawientribunals; der von einem internationalen Sondergericht angeklagte Ex-Präsident Liberias, Charles Taylor; sowie die drei kongolesischen Häftlinge des Internationalen Strafgerichtshofs Thomas Lubanga, Germaine Katange und Mathieu Ngujolo. Bei Letzteren handelt es sich um kleinere Kriegsherren aus dem ostkongolesischen Bezirk Ituri, gegen die unter anderem wegen Rekrutierung von Kindersoldaten und ethnischen Massakern ermittelt wird.
- Datum 30.05.2008 - 06:11 Uhr
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- Quelle ZEIT online
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wurde denn diese aktuelle Kongo-Reportage verfasst?da fehlt nämlich die sonst übliche Angabe zum Standort des Berichterstatters.
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