Die einst stolze Volkspartei SPD nähert sich bedenklich dem vormaligen „Projekt 18“ von FDP-Chef Guido Westerwelle; ihr Vorsitzender Kurt Beck hat diese Schallmauer in den persönlichen Umfragewerten bereits nach unten durchbrochen. Doch war die "18" für die Freidemokraten anno 2002 noch Vision, ist es für die Sozialdemokraten anno 2008 nach der jüngsten Umfrage , die ihnen gerade einmal noch 20 Prozent in der Sonntagsfrage verheißt, nun endgültig Menetekel.

Warum der scheinbar unaufhaltsame Liebesentzug des Wählers? Ganz oben auf der Sündenliste der SPD steht immer wieder der Vorsitzende. Mangelnde Führungskraft, fehlende Vision, keine klare Programmatik, ein unklarer Kurs gegenüber der Linkspartei –  all das wird vor allem ihm persönlich angelastet.

Doch an Beck allein kann es nicht liegen. Sicher ist er nicht der starke Vorsitzende und Kanzlerkandidat in spe, den sich die Partei erhofft. Doch sollte man sich erinnern, dass seine mittlerweile meilenweit vor ihm liegende Konkurrentin Angela Merkel, bevor sie Kanzlerin wurde, lange Zeit ebenfalls nicht die alles überstrahlende Politikerin war. Zweifel an der Befähigung zu politischer Führung begleiteten auch sie, bis sie ganz nach oben kam.

Vielmehr muss sich die gesamte SPD-Führung fragen, wie lange sie glaubt, auf die bei anderen so erfolgreiche Wagenburg-Mentalität verzichten zu können. Ein Blick auf die übrigen Parteien erscheint da hilfreich.

Bei der Linken schlug sich der Unmut der Basis über Lafontaines autoritären Führungsstil zwar auf dem jüngsten Parteitag in einem schlechteren Wahlergebnis nieder. Sonst aber herrscht, trotz innerer Spannungen, Ruhe; kein Nachtreten, kein Infragestellen des politischen Anführers.
Auch Gregor Gysis Stasi-Verstrickungen sind in der Partei kein Thema, das Zwietracht säen könnte. Vielmehr vereinen die Angriffe von außen die Partei hinter ihm.