US-Vorwahlen
Der schwarze Präsident
Die amerikanischen Zeitungen zelebrieren Barack Obama. Als erster afroamerikanischer Kandidat bedeutet sein Sieg über Hillary Clinton eine Wende. Eine Presseschau
Wo die europäischen Medien sich noch viel mit Hillary Clinton auseinandersetzen, zelebrieren die US-Newssites bereits die Krönung des ersten schwarzen Kandidaten für eine Präsidentschaft in Amerika. „Der Sieg von Obama, Sohn eines schwarzen Kenianers und einer weißen Mutter aus Kansas, hat die Rassengrenzen durchbrochen und bedeutet einen beachtenswerten Aufstieg für einen Mann, der noch vor vier Jahren im Senat von Illinois saß,“ schreibt die New York Times.
Also doch ein Mann anstatt einer Frau – und vor allem: ein Schwarzer statt einer Weißen. Bislang waren es Spekulationen und Gedankenspiele. Seit Dienstagabend gewinnt das Bild Konturen: Die größte Macht der Welt könnte von einem Schwarzen regiert werden. Die
Washington Post
bringt es mit einer gewissen Dramatik auf dem Punkt:
„Ein schwarzer Präsident - zwei tiefgründige und doch widersprüchliche Worte. Früher hätte man sie für ein Oxymoron gehalten, unmöglich sie im selben Satz unterzubringen – jedenfalls nicht, ohne dahinter ein Fragezeichen zu stellen. Schwarzer Präsident. Die zwei Wörter beschwören Aufregung, Furcht, große Erwartungen, Unverständnis, Macht und die Weite des Möglichen.“
Gleichwohl erkennt die Washington Post selbst, dass der Betroffene während seines Vorwahlkampfs das Ticket „Schwarzer“ gar nicht gezogen hatte. Es stimmt. Sein Motto Change geht weit über die Rassenfrage hinaus. Aber was heißt das konkret, da die Kandidatur Obamas nun feststeht?
Für die Internetseite Slate geht es zunächst um die Demokraten selbst. Mit der Niederlage von Clinton sei eine Ära zu Ende gegangen. „Im Gegensatz zu anderen Zweitplatzierten, die lediglich den eigenen Ehrgeiz unterdrücken mussten, wird Clinton sich auch daran beteiligen müssen, die Präsidentschaft ihres Mannes dem Vergessen zu übergeben – und auch deren Erbe, das die Partei der Demokraten in den letzten fünfzehn Jahren weitgehend definiert hat. Barack Obama ist nicht nur gegen Hillary Clinton angetreten. Er ist gegen den Clintonismus angetreten.“ Und Slate betitelt seinen Kommentar mit „Jetzt ist es deine Partei“ – eine Aufforderung, die auch wie eine Herausforderung klingt.
Tatsächlich muss jetzt Obama die gesamte Partei hinter sich bringen, um den
Republikaner John McCain zu besiegen. „Einheit“ ist das Schlüsselwort – nicht so selbstverständlich, nach fast anderthalb Jahren interner Debatten, die Wunden hinterlassen haben. „Obama muss jetzt die Anhänger Clintons erreichen (...). Vor allem muss er schnell handeln, um seine Schwächen zu neutralisieren – seine Jugend und seine relative Unerfahrenheit in Fragen der nationalen Sicherheit“, schreibt die
LA Times.
Auf diesem Gebiet ist John McCain ein alter Fuchs. „Die Krisen und Kontroversen, die Obama während der Vorwahlen zu bewältigen hatte, sollten eine gute Vorbereitung auf kommende Konflikte sein,“ glaubt die LA Times . Die Schlacht kann beginnen.
- Datum 5.6.2008 - 11:37 Uhr
- Quelle ZEIT online 4.6.2008
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