US-Vorwahlen Gibt Clinton auf?

Barack Obama hofft bei den letzten Vorwahlen am heutigen Dienstag auf genügend Delegierte, um sich zum Sieger zu erklären. Aber streicht seine Rivalin schon die Segel?

Die nicht nachlassende Spannung, die Länge, das Wähler-Engagement und nicht zuletzt die Kosten machen diese amerikanischen Präsidentschaftsvorwahlen einzigartig. Knapp 195 Millionen Dollar haben die Kandidaten bisher bereits für Fernsehwerbung ausgegeben – dabei hat der eigentliche Wahlkampf noch gar nicht begonnen. Der überwiegende Teil, 136 Millionen, kam aus den Taschen der Bewerber der Demokraten: 75 Millionen allein von Barack Obama, 46 Millionen von Hillary Clinton.

An diesem Dienstag geht der Vorwahl-Marathon nun zu Ende. Obamas erwarteter Sieg in den letzten beiden Entscheidungen in Montana und South Dakota wird ihm allerdings nicht die ihm noch fehlenden etwa 40 Delegiertenstimmen bringen können. Es sind nämlich insgesamt nur 31 Wahlmänner zu vergeben.

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Seit Tagen bearbeitet sein Team deshalb die rund 200 noch unentschiedenen Superdelegierten. Schlagen sich bis Dienstagabend genug auf seine Seite, wird er seinen Sieg verkünden. "Je früher wir die Nominierungsfrage lösen, desto besser", argumentieren inzwischen auch mehr und mehr Clinton-Anhänger, so zum Beispiel die Kongressabgeordnete und Superdelegierte Debbie Wasserman Schultz.

Sollte Obama die seit der Parteientscheidung zu den Delegierten Floridas und Michigans geltende neue magische Hürde von 2118 Delegierten überspringen, dann ist der Druck auf Hillary Clinton groß. "Sie wird das Richtige für Amerika tun", ist sich einer der profiliertesten ihrer Anhänger, Pennsylvanias Gouverneur Edward Rendell, sicher. "Ich glaube nicht, dass wir noch auf der Convention kämpfen."

Auch Alice Huffman, Mitglied des Satzungsausschusses und Superdelegierte aus Clintons Lager, sagt inzwischen ganz offen, dass sie eine immer noch als mögliche Trumpfkarte vorbehaltene Satzungsbeschwerde gegen die Parteientscheidung vom Wochenende nicht unterstützen will, wenn Obamas Rechnung aufgehen sollte.

Aufgeben gilt indes schlichtweg als unamerikanisch. Das wird Kindern in den USA bereits bei jedem noch so unschuldigen Brettspiel eingetrichtert. So war auch von Clinton noch am Sonntag nach ihrem Sieg in Puerto Rico zu hören, dass sie "zweifellos" die favorisierte Kandidatin sei.

Leser-Kommentare
  1. Wird "sie" die Segel streichen?  Vermutlich nicht.  Nach den Regeln der Demokraten verliert man seine Delegierten, sobald man aufgibt.  Fern von den in Montana und Süddakota noch laufenden Vorwahlen hat sie deshalb ihre Geldgeber nach Washington berufen, um heute in einer großen Rede die Zukunft zu planen.  Es bedarf zwar einiger Fantasie, der komplizierten Milchmädchenrechnung zu folgen, mit der sie errechnet, die "größte Stimmenzahl" erlangt zu haben, doch ist dies das Argument, das sie auf dem Parteitag im August vorbringen will.
    Nach den  Regeln der Demokraten ist die Stimmenzahl zwar belanglos und lediglich auf die Delegiertenzahl kommt es an, doch Frau Clinton hält sich wieder einmal nur an jene Regeln, die ihr zum Vorteil gereichen.

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    Den neuesten Meldungen zufolge will Frau Clinton nun doch am heutigen Abend tatsächlich ihren Förderern und Geldgeben danken und offiziell die Segel streichen.  Sie werde sich künftighin wieder ihrem Hauptinteresse, dem Gesundheitswesen, widmen.  Das würde allerdings zu der gestrigen Meldung des Londoner "Telegraph" passen, wonach Obama ihr den Posten einer Gesundheitsministerin angeboten habe. 

    Den neuesten Meldungen zufolge will Frau Clinton nun doch am heutigen Abend tatsächlich ihren Förderern und Geldgeben danken und offiziell die Segel streichen.  Sie werde sich künftighin wieder ihrem Hauptinteresse, dem Gesundheitswesen, widmen.  Das würde allerdings zu der gestrigen Meldung des Londoner "Telegraph" passen, wonach Obama ihr den Posten einer Gesundheitsministerin angeboten habe. 

  2. Unabhängig von der Frage, ob ich für Sen. Clinton oder Sen. Obama bin, müsste Hillary Clinton jetzt m. E. den Fakten ins Auge sehen. Ihr wäre zuzurufen: face the facts. 
    Ich finde das Vorwahl-Reglement der Demokraten nicht gut. Bei der nationalen Wahl gilt: Der Gewinner (in einem Staat) erhält alle dortigen Delegierten zugesprochen. Bei den Demokraten wird proportional "aufgeteilt". Dies erschwert die Mehrheitsbildung und -findung sehr.
    Frau Clinton hat in wahlentscheidende Staaten wie California, New York, Pennsylvania, Texas, Michigan, Florida u. a. die Mehrheit gewonnen und wäre dort gegen Mc Cain stärker im Vorteil. Diejenigen Kräfte, die einst die starken Landesparteien der Demokraten im Süden regelrecht zerstörten  -  es wäre etwa so, als wenn BK Merkel sagen würde: auf Bayern und Baden-Württemberg lege ich keinen Wert  - sind halt (leider) immer noch zu stark.
    Bei uns in Deutschland wird der Kennedy-Clan immer noch viel zu positiv bewertet. Wer aber die dark sides kennt, sieht dann unschwer sehr viel Unvorteilhaftes. Die tragischen, abscheulichen und verbrecherischen Attentate auf JFK und R. Kennedy mögen dies auch mit bewirkt haben.
    Bill Clinton hatte sich einst die erste Nominierung weitgehend gegen das Westküsten-Establishment seiner Partei erkämpft. Wäre einer seiner damaligen Gegenbewerber zum Zuge gekommen, wäre es auch so eine traurige Sache geworden wie bei Mc Govern, H. Humphrey oder auch dem Kandidaten mit dem griech. Namen.
    Wollen die democrats obsiegen, brauchen sie den Süden, also Staaten wie Texas, Tennessie, Arkansas, Georgia, New Mexico; denn in 25-30 ( meist kleineren) Staaten des bible belt, des Südens, des Westens und Nordens sind die republicans kaum zu schlagen. Denn die bedeutenden Lobbyisten aus der Finanz-, Pharma-, Bau-, Energie-, Rüstungs-, Elektronik-, Versicherungs- und Ernährungsszene, die Evangelikalen, konservative kath. Netzwerke, veterans legion, Waffenfreunde usw wissen sehr gut, wie man average Joe beeinflussen kann.
    Fazit: Die Demokraten haben zur Zeit wohl die besseren Chancen. Aber wer stellt die bessere Kampagne auf die Beine? Die Republikaner haben viele Karl Roves. Und sie haben nicht, wie die Demokraten, einige sehr ungute Komponenten im Mitgliedergefüge, will heissen: die Republikaner haben ihren Stall sauberer gehalten, während bei den Demokraten zuvielungute Elemente einnisten konnten.

  3. Den neuesten Meldungen zufolge will Frau Clinton nun doch am heutigen Abend tatsächlich ihren Förderern und Geldgeben danken und offiziell die Segel streichen.  Sie werde sich künftighin wieder ihrem Hauptinteresse, dem Gesundheitswesen, widmen.  Das würde allerdings zu der gestrigen Meldung des Londoner "Telegraph" passen, wonach Obama ihr den Posten einer Gesundheitsministerin angeboten habe. 

  4. Köstlich dieses Hin und Her noch bis vor Toresschluss -- irgendwie emblematisch für die ganze hoffnungslos konfuse und disorganisierte Clinton-Wahlkampagne mit allen ihren gefeuerten Managern und entlassenen Strategen.  Organisationstalent und die Gabe, die richtigen Mitarbeiter auszusuchen, sind nun mal die beiden wichtigsten Erfordernisse in jeder führenden Stelle.  Frau Clinton besitzt offenbar keines von beiden.
    Associate Press berichtet, dass Clinton aufzugeben bereit ist, doch ihre Mitarbeiter dementierten dies bereits wieder.  Man darf wohl auf jeden Fall davon ausgehen, dass sie keinesfalls bereit ist, einfach von der politischen Bühne zu verschwinden, sondern ihren Beinahesieg nach Kräften als Verhandlungsbasis ausnutzen wird.

    • cs
    • 03.06.2008 um 18:17 Uhr

    Nun, in ein paar Stunden sind wir schlauer.

  5. Es könnte ein klassischer Pyrrhussieg für Barack Obama werden, wenn er Hillary Clinton und ihre Anhänger nicht hundertprozentig davon überzeugen kann, dass er ein sehr geeigneter Präsident und Förderer der Clinton-Anhänger ist. Sollte diese Nachhaltigkeit der Werbung um seine demokratische Gegenkandidatin mangelhaft bleiben, wird sie ihn bei der Kandidatur um das Amt des amerikanischen Präsidenten nicht unterstützen - und dann wird er vermutlich nicht Präsident, weil Clinton-Anhänger eventuell doch lieber John McCain wählen. Außer Spesen nichts gewesen, hieße es dann für Obama. Somit geht es jetzt um die Hochrechnung für die Präsidentenwahl im November - wenn er Clintons Unterstützung benötigt, dann kann er gleich aufgeben. Warum sollte sie ihn unterstützen? Andersherum hat sie gezeigt, dass sie kämpfen kann und somit gegen den Republikaner eine Chance hat. Beide zusammen könnten McCain schlagen? Nur, warum sollte dabei Obama der Präsidentschaftsanwärter sein. Insofern wäre eine Aufgabe Obamas sehr viel sinnvoller, wenn Clinton ihm die Vizepräsidentschaft und ein zentrales Ministeramt verspricht. Aber wir werden sehen, was die Beiden demnächst entscheiden werden.
    mfg 

    • Seamus
    • 03.06.2008 um 23:25 Uhr

    Kalkuel beherrscht nun das weitere Vorgehen der beiden Demokratischen Bewerber um die Kandidatur, Obama ueberschuettet Clinton mit Nettigkeiten, nicht etwa weil er sie nett findet, sondern weil er ohne ihre Anhaenger nicht Präsident werden kann, dass is das Dilemma fuer welches das demokratische Verhaeltniswahlrecht gesorgt hat. Obama fuehrt zwar in den Delegiertenzahlen und wird deshalb aller Wahrscheinlichkeut nach auch Kandidat, jedoch resultiert diese Fuehrung maßgeblich aus Staaten die im November seit Jahrzehnten Republikanisch waehlen. Und in den November Wahlen bekommt der Sieger alles, da heisst es "The winner takes it all" ,Obamas grosser Trumpf in den Suedstaaten groß abzuraeumen, weil dort die demokratischen Waehler zu grossen Teilen schwarz sind, und in den restlichen Staaten dank des Verhaeltniswahlrechts auch bei Niederlagen noch viele Delegierte abzusahnen, ist bei den General Elections schlicht gesagt nichts wert, denn die Suedstaaten werden alle an die Republikaner gehen, das war schon immer so und wird auch so bleiben, denn moegen die Afroamerikaner zwar bei den demokratischen Waehler eine grosse Mehrheit stellen, so tun sie das bei den Hauptwahlen fuer diese Staaten bei weitem nicht, da sind die Urrepublikanischen konservativen Waehler weit in der Ueberzahl. Warum also sollte Mrs Clinton sich nun fuer Obama selbst opfern? Er ist ihr waehrend des Wahlkampfes nicht entgegen gekommen und tut es nun nur weil er weiss, dass er ohne sie verliert, fuer sie ist es viel logischer Obama in die sichere Niederlage rennen zu lassen, denn dass er die Swing States nicht gewinnen kann, das hat er unter Beweis gestellt und der Fakt dass bis zu 20% von Mrs Clintons Waehlern Mr McCain waehlen wollen, wird dazu fuehren das eben jene Swing States auch an die Republikaner gehen und die US Wahlkarte  im November tief rot sein wird von republikanischen Siegen. Fuer Mrs Clinton ist es weit aus lohnender Obama alleine kaempfen zu lassen, sich an seiner vernichtenden Niederlage ein wenig zu ergoetzen und dann in vier Jahren McCain der dann noch ein stueck greiser ist, aus dem Amt zu jagen. Warum sollte sie mithelfen Obama fuer 8 Jahre ins Weisse Haus zu hieven? Er hat nun wirklich nichts getan, diese Schuetzenhilfe zu verdienen und eine Pflicht Mrs Clintons zu so einem Opfer koennen nicht einmal die Demokraten selbst von ihr verlangen, denn die haben sich ihr auch nicht oft sehr ehrenhaft gegenueber verhalten. Ihre Staerke liegt im Abwarten und die wird in 4 Jahren nach McCains Praesidentschaft kommen

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